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International Tote und Verletzte bei «Anti-Terror-Einsatz» in der Ukraine

Die Lage im Osten der Ukraine droht zu eskalieren. Bei einem «Anti-Terror-Einsatz» gegen pro-russische Separatisten sind nach offiziellen Angaben mehrere Menschen getötet und verletzt worden. Der UNO-Sicherheitsrat kommt in der Nacht zu einer Dringlichkeitssitzung zusammen.

Legende: Video Eskalation in der Ostukraine abspielen. Laufzeit 3:14 Minuten.
Aus Tagesschau Spätausgabe Wochenende vom 13.04.2014.

Die pro-westliche Führung in Kiew befahl in der Ostukraine erstmals das Vorrücken von Spezialeinheiten. Der Befehl kam, nachdem bewaffnete Gruppen in der Stadt Slawjansk mehrere Verwaltungsgebäude besetzt hatten. «Es wurden Kräfte aus allen Landesteilen herangezogen», sagte Innenminister Arsen Awakow.

Auf Regierungsseite sei mindestens ein Offizier getötet worden, fünf weitere Menschen seien verletzt worden, sagte der Minister. Auf der Gegenseite habe es eine unbekannte Zahl an Opfern gegeben. Awakow warf den Separatisten vor, Zivilisten als lebende Schutzschilde zu missbrauchen. Detaillierte unabhängige Berichte gab es zunächst nicht.

Pro-russische Aktivisten wollen durchhalten

Augenzeugen zufolge stand Rauch über Slawjansk. Die Demonstranten hätten Barrikaden aus brennenden Autoreifen errichtet, hiess es. Über der Stadt mit mehr als 100'000 Einwohnern kreisten Militärhelikopter.

Ein Sprecher der Separatisten sagte dem russischen Staatsfernsehen, die Aktivisten würden nicht aufgeben. Russland warf Übergangspräsieden Alexander Turtschinow vor, Krieg gegen die Ukraine zu führen, indem es weiterhin für Chaos im Osten des Landes sorge.

Turtschinow stellte den Separatisten aber Straffreiheit in Aussicht. Wer bis Montagmorgen die Waffen niederlege und die besetzten Verwaltungsgebäude verlasse, werde strafrechtlich nicht belangt, sagte er. Dies gelte allerdings nicht für jene Aktivisten, die auf Sicherheitskräfte geschossen hätten.

Politische Gefangene freilassen

In Slawjansk und in anderen ostukrainischen Städten hatten pro-russische Separatisten mehrere Gebäude besetzt. Bei den Kämpfen gab es Tote und Verletzte auf beiden Seiten. Bei Zusammenstössen von Gegnern und Anhängern einer Annäherung an Russland sind in der ostukrainischen Stadt Charkow etwa 50 Menschen verletzt worden.

Rund 1000 pro-russische Demonstranten seien unter anderem mit Sowjetfahnen durch das Zentrum der Stadt marschiert und mit mehreren hundert pro-westlichen Aktivisten aneinandergeraten, teilten die lokalen Behörden mit.

Die prorussischen Demonstranten besetzten nach dem Handgemenge den Stadtrat. Anschliessend zogen sie vor das Untersuchungsgefängnis und verlangten die Freilassung von Gesinnungsgenossen. Die Polizei hatte am Vortag etwa 70 bewaffnete Aktivisten unter dem Verdacht festgenommen, Randale bei den Demonstrationen zu planen.

Proteste gegen Putin in Moskau

Das Aussenministerium in Kiew warf der Führung in Moskau erneut vor, die Unruhen in der russisch geprägten Ostukraine mit eingeschleusten Provokateuren zu schüren. «Alle notwendigen konkreten Beweise der Mitwirkung der russischen Geheimdienste zum Aufruhr von Separatisten» würden bei einem internationalen Treffen am Donnerstag in Genf vorgelegt, sagte ein Behördensprecher.

In Moskau protestierten unterdessen Tausende Demonstranten gegen die Ukraine-Politik von Kremlchef Wladimir Putin. An der erlaubten Kundgebung nahmen auch zahlreiche prominente Publizisten teil.

Dringlichkeitssitzung der UNO

Der UNO-Sicherheitsrat in New York wird sich in dieser Nacht bei einer kurzfristig einberufenen Sondersitzung mit der zugespitzten Situation in der Ukraine befassen. Russland hatte um die Einberufung gebeten.

In der Hand von Separatisten

Er wurde von Maskierten abgeführt, während er dem SRF aus Donezk ein Interview gab. Der ARD-Korrespondent Bernd Musch-Borowska berichtet über sein unheimliches Zusammentreffen mit pro-russischen Separatisten. Er befürchtet eine weitere Eskalation der Gewalt in der Ostukraine.

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73 Kommentare

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  • Kommentar von Lucas Kunz, Sallneck
    Mal eine andere Frage: Was mischt sich Russland in die inneren Angelegenheiten eines anderen souveränen Staates ein? @ Adresse einiger Forumsteilnehmer: Es wird vielfach die Ansicht vertreten, alle die eine bestimmte Sprache sprechen, müssten in einem einzigen Staat leben ... womit der Staubsauger Moskaus als rechtens betrachtet wird. Tja Leute, Fichte lebte mal vor bald 200 Jahren und ist Vergangenheit. Was heute im Osten geschieht, passierte mit Böhmen und Mähren - selbe Ideologie ...
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    1. Antwort von E. Waeden, Kt. Zürich
      @L. Kunz: Mal eine Frage: Was mischt sich Amerika & die EU in die inneren Angelegenheiten eines anderen souveränen Staates ein?
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    2. Antwort von Juha Stump, Zürich
      @L. Kunz: Endlich wieder mal jemand mit einem klaren Durchblick. Nach Putins Ideologie müsste es in Europa noch etliche Verschiebungen geben: Die Österreicher, Südtiroler und Deutschschweizer zu Deutschland, die Wallonen und Romands zu Frankreich, die Tessiner und Italo-Bündner zu Italien usw...Ihr seht wohl, wie ich es meine. So geht es nicht mehr in der heutigen Zeit. Immerhin hat die EU uns eines gezeigt: Je weniger Grenzen die Völker trennen, desto weniger Kriege gibt es.
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    3. Antwort von E. Waeden, Kt. Zürich
      @J. Stump: "Kleinvieh macht auch Mist!" Gut, es gibt noch keinen "Krieg" in Europa, dafür ganz viele Aufstände, Randale inkl. Demonstrationen, welche oft in Gewalt ausarten & dies in praktisch allen 28 Mitglied-Staaten der EU. Und Dank der offenen Grenzen "beklagen" viele Länder den ansteigenden Kriminal-Tourismus. Offene Grenzen = Fluch & Segen! Aber Fakt ist: Die Amerikaner haben sich hier NICHT einzumischen! Diesen Konflikt müssen die Europäer untereinander lösen. Und zwar ohne Gewalt!
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  • Kommentar von René Wagner, Möriken
    Die Faschisten in Kiew sprechen von "Krieg mit Russland" und gehen mit Militärgewalt gegen die die eigne Bevölkerung in der Ostukraine vor. Unterstützt wird die wirre Putschistenregierung in Kiew von den Führern der G 7. Diese haben durch unüberlegte Provokationen gegen Russland die Krise in der Ukraine verursacht. Wenn demokratisch gewählte Regierungen Faschisten, Antisemiten und Rassisten zu Bündnispartnern machen, kann das nie gut ausgehen. Deshalb: Stoppt die Kriegstreiber. Sofort!
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    1. Antwort von Hans Haller, Kölliken
      René Wagner, Möriken - Stoppt die Kriegstreiber, nur wer stoppt die EU, welche da offensichtlich ziemlich heftig mit-mischelt und erst diese prekäre Lage akut gemacht hat ???
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  • Kommentar von Peter Beutler, Beatenberg
    Oft bleibt bei solchen Konflikten die Wahrheit bei der Berichterstattung auf der Strecke. Besser: Blieb auf der Strecke. Wer die Stichworte "Ostukraine, Unruhen" in Suchmaschinen eingibt, kommt schnell zu Informationen, die denen unserer Mainstreammedien widersprechen. Z.B. dass nichts geworden ist aus der groß angekündigten "Antiterroroffensive" gegen die ostukrainischen Separatisten. Im Gegenteil. Im Laufe des Tages fielen immer mehr Städte an die Separatisten, überall wehen russische Fahnen.
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