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International Tote und Verletzte beim Kampf um Slawjansk

In der Ukraine verschärft sich die Lage weiter. Entgegen der Warnungen aus Russland ging die ukrainische Armee in Slawjansk im Osten des Landes gegen pro-russische Kräfte vor. Auf beiden Seiten soll es Opfer gegeben haben. Inzwischen greifen die Unruhen auch auf den Süden des Landes über.

Legende: Video Einschätzungen von Russland-Korrespondent Christoph Wanner abspielen. Laufzeit 02:32 Minuten.
Aus Tagesschau vom 02.05.2014.

Die ukrainische Armee hat – entgegen aller Warnungen aus Russland – die pro-russischen Separatisten im Osten des Landes angegriffen. Nach den Gefechten rund um Slawjansk beklagten beide Seiten Tote und Verletzte. Zwei Kampfhubschrauber der Regierungstruppen wurden abgeschossen. Dabei kamen nach offiziellen Angaben zwei Besatzungsmitglieder ums Leben. Weitere wurden verletzt.

Karte Ostukraine
Legende: SRF

Bis zum Abend legten sich die Gefechte offenbar. Der ukrainische Übergangspräsident Alexander Turtschinow sagte, die Militäroffensive sei ins Stocken geraten.

Menschliche Schutzschilde?

Grund sei, dass die «Terroristen» sich in bewohnten Gebieten verschanzten und Zivilisten als Schutzschilde missbrauchten. Die Einsatzkräfte hätten aber alle Stellungen um die Stadt herum in ihre Gewalt gebracht und dem Gegner «schwere Verluste» zugefügt, so Turtschinow.

Die Gegenseite sprach von «mehreren Toten» in den eigenen Reihen. Konkretere Angaben machten die Separatisten nicht.

Unklar ist, wie es den seit gut einer Woche festgehaltenen OSZE-Beobachtern ergeht. Nach den Worten des Milizenführers von Slawjansk, Wjatscheslaw Ponomarjow, sind die sieben Geiseln an einen «sicheren Ort ausserhalb der Kampfzone gebracht» worden.

Slawjansk wird seit Wochen von pro-russischen Milizen kontrolliert. Sie halten dort seit Wochen Dutzende Verwaltungsgebäude besetzt und fordern mehr Autonomie für die Region.

Unruhen in Odessa

Inzwischen greifen die Unruhen auch auf andere Regionen des Landes über. In der Millionenstadt Odessa im Süden der Ukraine, wo es bislang vergleichsweise ruhig war, eskalierte die Gewalt. Nach heftigen Ausschreitungen ging dort am Abend ein Gewerkschaftsgebäude in Flammen auf. Mindestens 31 Menschen sollen dabei ums Leben gekommen sein.

Kämpfe auch in Kramatorsk

Die ukrainischen Streitkräfte haben nach Medienberichten auch in der ostukrainischen Stadt Kramatorsk Stellungen der Separatisten angegriffen. Nach unbestätigten Angaben der russischen Agentur Ria Nowosti vom Freitagabend soll es Tote und Verletzte gegeben haben.

Kramatorsk liegt im Gebiet Donezk, etwa 20 Kilometer südlich von Slawjansk. Dort hatten sich Regierungstruppen und prorussische Aufständische den ganzen Tag über schwere Gefechte geliefert.

Legende: Video Der Ukraine droht ein Bürgerkrieg abspielen. Laufzeit 08:03 Minuten.
Aus 10vor10 vom 02.05.2014.

Zu dem Kämpfen in der Ukraine hat jetzt auch ein Sprecher des russischen Präsidenten Wladimir Putin Stellung genommen. Er erklärte, die ukrainischen Sicherheitskräfte hätten aus der Luft auf Zivilisten gefeuert und mit ihrer «Strafaktion» den internationalen Friedensplan für die Ukraine torpediert.

Ukraine: Ausländische Spezialisten am Werk

Nach Angaben des ukrainischen Geheimdienstes SBU wurde ein Kampfhubschrauber mit einer tragbaren Boden-Luft-Rakete abgeschossen. Dies belege, dass «trainierte, gut ausgebildete ausländische Spezialisten» aufseiten der Separatisten kämpften. Russland hat bislang jede direkte Beteiligung an den Aufständen abgestritten.

In den vergangenen Wochen hatten prorussischen Kräfte Verwaltungsgebäude im Osten der Ukraine unter ihre Kontrolle gebracht. Die Moskauer Regierung hat erklärt, die russisch-stämmige Bevölkerung schützen zu wollen, und hat an den Landesgrenzen Truppen zusammengezogen.

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60 Kommentare

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  • Kommentar von R.Anderegg, Zürich
    Die Geschichte wiederholt sich leider immer wieder. Gleich wie in Jugoslawien im Sommer 1991. Die Parallelen sind frappant. Die EU trägt daran eine Mitschuld. Ich befürchte das schlimmste für die Ukraine in den nächsten Jahren. Europa ist nicht sicher. Armee- und Gripengener haben sich schwer getäuscht. Die EU ist kein Friedensprojekt und hat den Friedensnobelpreis nicht verdient!
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    1. Antwort von H. Frühling, Bern / Zürich
      Da haben halt viele anders gedacht und der EU den Preis verliehen. Und Ihre verkappte Gripenwerbung lässt sich mit den Vorgängen in der Ukraine nicht begründen: Gegen die Ukraine muss sich die Schweiz nicht verteidigen. Gegen die EU - und erst recht gegen Russland - genügen 22 Gripen auch nicht; da müssten Sie schon mit anderem Geschütz aufwarten. Bleiben noch unsere Nachbarn: Die haben eigene Probleme und müssen ob Ihrem Geschwätz nicht ausrasten
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    2. Antwort von R.Anderegg, Zürich
      Falsch Herr Frühling, nicht dass wir direkt angegriffen würden, aber es ist nicht ganz auszuschließen, dass auch vor unserer Grenze ein Krieg stattfinden könnte, so wie 1991 vor der österreichischen Grenze, Stichwort Abspaltung von Regionen aus einem Staat. Das österreichische Bundesheer musste 1991 eine Teilmobilisierung ausrufen, da direkt an der Grenze Kämpfe stattfanden und jugoslawische MIG 21 nach Österreich eindrangen. Zudem müssen wir unsere Konferenzen auch mit Militärjets absichern.
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    3. Antwort von E. Waeden, Kt. Zürich
      @R. Anderegg: Richtig! Seit es die EU gibt, gibt es viel mehr Konflikte in Europa. Es funktioniert hat offensichtlich nicht, wenn man ganz unterschiedliche Menschen zu einem Einheitsbrei vermischen will. Die EU ist kein Friedensprojekt, sondern nur Selbstverwirklichung von Politiker, welche sich profilieren & sich ein Denkmal setzen wollen.
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  • Kommentar von E.Beier, Hannover
    Die Welt wird nicht bedroht von den Menschen, die böse sind, sondern von denen, die das Böse zulassen. Albert Einstein
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    1. Antwort von E. Waeden, Kt. Zürich
      Aber wäre Putin wirklich in diesen Aufstand involviert, würde er nicht zulassen, dass seinen "Anhängern" böses geschieht. Würde er diesen Konflikt wirklich militärisch unterstützen, hätte die Ukrainische-Armee vermutlich nicht so weit in den Osten vordringen können, um da seine Befürworter abzuknallen. Sie wäre schon viel weiter westlich gestoppt worden.
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    2. Antwort von Hans Knecht, Torny
      E.Beier, könnten sie mir mit Namen die Menschen nennen, welche das Böse zulassen? Meines Erachtens ist nicht der Mensch an sich böse, sondern oftmals sind seine Absichten und Wertvorstellungen destruktiv.
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    3. Antwort von E.Beier, Hannover
      Hans K.: Hatte Herrn Albert Einstein zitiert. Hinter seinen Gedanken vermute ich eine höherer Intelligenz als meine.
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  • Kommentar von Heinrich Gafner, Beatenberg
    Gestern ein IWF Kredit an die Ukraine und heute Krieg. Zufälle gibts mal wieder... Natürlich, Obama und seine Banker reiben sich die Augen und verstehen gar nichts. Aber ganz sicher werden sie dann beim Aufbau helfen. Mit den eigenen Firmen. Gegen Bares natürlich. Bezahlt von uns. Warum gibt es noch Leute hier die solch widerliches Treiben noch toll finden wenn es die Amis machen?
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