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International Tote und Verletzte trotz Feuerpause in der Ukraine

Die Waffenruhe in der Ostukraine ist brüchig – trotz Friedensbeteuerungen der Konfliktparteien. In der südöstlichen Stadt Mariupol wurde eine Frau von einer Granate tödlich getroffen. Drei weitere Personen wurden schwer verletzt. Auch in der Rebellen-Hochburg Donezk kam es erneut zu Kämpfen.

Legende: Video Waffenruhe in der Ukraine hält nicht abspielen. Laufzeit 01:08 Minuten.
Aus Tagesschau vom 07.09.2014.

Trotz einer vereinbarten Waffenruhe zwischen Armee und Aufständischen in der Ukraine ist beim Beschuss der Hafenstadt Mariupol eine Frau ums Leben gekommen.

Die 33-Jährige sei von Splittern einer Granate getroffen worden und im Krankenhaus gestorben, teilte die Stadtverwaltung von Mariupol mit. Drei weitere Zivilisten seien schwer verletzt worden.

Es sind die ersten bestätigten Opfer seit Beginn der beidseitigen Waffenruhe am Freitagabend. Wer die Granaten in der Nacht abfeuerte, ist unklar. Regierungseinheiten und pro-russische Separatisten werfen sich gegenseitig Verstösse gegen die Waffenruhe vor.

Das gegenseitige Misstrauen der Konfliktparteien sei sehr gross, sagte Peter Gysling, SRF-Korrespondent in Moskau, in der Sendung «Echo der Zeit». So wurde in den letzten 24 Stunden auch geschossen. Von einem generellen Scheitern der Waffenruhe will er aber nicht sprechen.

«Wenn man sich die Situation vor Ort vor Augen hält, beispielsweise die komplizierten Befehlsstrukturen bei den Separatisten, dann musste man davon ausgehen, dass trotz des Abkommens von Minsk da und dort geschossen wird. Auch wenn dies zu bedauern ist.»

Kämpfe in der Nacht

In den Vororten von Mariupol hatte es in der Nacht auf Sonntag mehrere schwere Explosionen gegeben. Laut Korrespondenten der Nachrichtenagentur Reuters gab es dann am Morgen auch in der Nähe des Flughafens von Donezk anhaltendes Artilleriefeuer. Der Flughafen war zuletzt wieder unter die Kontrolle der Regierungstruppen gekommen.

Karte Ukraine
Legende: Die beiden Kampfgebiete in der Ukraine. SRF

«Wir sassen gerade mit verschiedenen Journalisten beim Nachtessen, als es auf einmal in der Nähe geknallt hat», schildert SRF-Korrespondent Christof Franzen die Situation in Mariupol. Für den Moment habe es so ausgesehen, als ob es zum Einmarsch komme. Doch am Ende sei es ruhig geblieben.

Franzen ordnet das in der Nacht Geschehene unter «Psycho-Spielchen» ein, die möglicherweise von beiden Seiten gespielt würden. Habe sich gestern ein Gefühl der Erleichterung unter den Einwohnern von Mariupol breitgemacht, sei die Stimmung heute gedrückt. «Am Stadtrand halten sich die Leute deshalb wieder in den Kellern versteckt. Viele befürchten, dass die Kämpfe vielleicht doch wieder losgehen könnten.»

Präzisierungen nötig

Im Abkommen von Minsk über die Waffenruhe steht, dass alle ungesetzlich bewaffneten Formationen die Ukraine verlassen sollen. Laut SRF-Korrespondent Gysling wird dieser Passus von den Streitparteien unterschiedlich interpretiert. «Für Kiew sind die bewaffneten Separatisten und insbesondere die russischen Söldner und Verbände ungesetzlich, für die Rebellenführer die kämpfenden ukrainischen Freiwilligenverbände und letzlich auch die ukrainische Armee.»

Das Minsker Protokoll müsse von den Streitparteien noch präzisiert werden, habe ihm die OSZE-Vertreterin Heidi Tagliavini gesagt, so Gysling. Das Protokoll sei eine politische Absichtserklärung die ernst zu nehmen sei, die aber noch präzisiert werden müsse. Das solle nun in den nächsten Tagen geschehen.

Erste Gefangene freigelassen

Am Samstag begannen die pro-russischen Aufständischen der Regierung in Kiew zufolge, Gefangene freizulassen. Mehrere Soldaten seien in der Nähe der Separatisten-Hochburg Lugansk übergeben worden, sagte ein Regierungssprecher.

Die pro-westliche Führung der Ex-Sowjetrepublik will ihrerseits vermutlich an diesem Montag erste Gefangene freilassen. Die Aufständischen haben Schätzungen zufolge etwa 1000 Soldaten in ihrer Hand, die Regierungstruppen demnach etwa 200 moskautreue Kämpfer.

Karte: Mariupol

Kriegsverbrechen verübt?

Im Ukraine-Konflikt begehen nach Meinung von Amnesty International Kämpfer beider Parteien Kriegsverbrechen. «Alle Seiten in diesem Konflikt haben Missachtung für das Leben von Zivilisten gezeigt und verletzen eklatant ihre internationalen Verpflichtungen» Die ukrainische Regierung müsse die Fälle untersuchen und die Täter zur Rechenschaft ziehen.

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92 Kommentare

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  • Kommentar von P.Eigenmann, KT.ST.Gallen
    Vielen Dank Herr Bernoulli da haben sie natürlich recht es gibt sicher auf beiden Seiten Gräueltaten ich danke ihnen für den Hinweis Sorry.
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  • Kommentar von Juha Stump, Zürich
    Gerade gestern habe ich zwei Interviews gehört - mit Männern, die nicht die Mischsprache Surschik sprachen, sondern ein astreines Russisch, und trotzdem unter der ukr. Flagge kämpfen. Einer sagte: "Die von drüben werden sicher noch versuchen, einen Korridor zur Krim freizukämpfen, bald greifen sie wohl auch von der Krim selber an. Wir werden versuchen, das zu verhindern. Wir glauben immer noch an die Einheit der Ukraine." - Da bleibt ihr Moskowiter platt - Russen sprechen so!!
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  • Kommentar von P.Eigenmann, KT.ST.Gallen
    Schönen guten Tag Herr Bernoulli und CO.Ich weiss es eben aus erster Hand mein Bruder und seine Frau wahren dort und haben es selber gesehen wie der Russische Geheimdienst die Namensschilder von den Kreuzen geschlagen hat und weg geworfen und die Leuten an den Trauerfeiern eingeschüchtert hat. Glauben sie mir jetzt ihr lieben Frauen und Männer " PUTINFRUNDE" so ist es halt immer noch i8m Heutigen Russland.
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    1. Antwort von H. Bernoulli, Zürich
      Dann haben Sie recht bezüglich Wahrheitsgehalt dieser Meldung und ich danke Ihnen für die Präzisierung! Es bleibt aber dabei, dass diese Gräueltaten in den westlichen Medien in Vordergrund gerückt werden, während wenig bis nichts von den Gräueltaten der Gegenseite berichtet wird. In einem Krieg begehen meist alle Involvierten Taten, welche an die Öffentlichkeit gebracht, für Schock und Emotionen sorgen. Durch Filterung der Berichterstattung kann eine gewünschte Stimmung verstärkt werden.
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    2. Antwort von H. Bernoulli, Zürich
      Viel wichtiger als die Frage, wer welche Gräueltaten begeht ist die Frage, wer verhindert warum eine friedliche Lösung. Der Krieg ist abscheulich und erzeugt überall unnötiges Leiden. Warum wird der Krieg nicht raschmöglichst beendet? Warum wurde damit überhaupt angefangen?
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    3. Antwort von W. Helfer, Zürich
      P.E. es ist ja längst bekannt, dass AUCH auf ukr. Seite rus. Söldner kämpfen. Was macht Sie denn so sicher, dass der rus. Geheimdienst die toten Soldaten verschleiern will u nicht die ukr. Armee, resp. die Einkäufer dieser Söldner wie z.B. Kolomoisky? Wie erkannten denn Ihr Bruder u seine Frau den rus. Geheimdienst?
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    4. Antwort von Günter Krug, Berlin
      Es ist schon unglaublich mit welcher Ignoranz und Verblendung Putinfreunde alles wegleugnen und verniedlichen was die Invasion der Ukraine betrifft. Gestern habe ich eine Dukumentation über das 3. Reich der 30er Jahre gesehen und schaue fassunglos auf den ignorierten Beginn der Katastrophe, heute im Zeitalter der grenzenlosen Information reagieren Putinfreunde wie die Menschen damals - mit Naivität, Verblendung und Rechthaberei, obwohl sie es besser wissen können. Hat Dummheit denn nie ein Ende?
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