Tränengas und Protestfeuer: Krawalle in der Türkei

Die Protestwelle in der Türkei hat mittlerweile mehrere Städte erfasst. In Istanbul kam es zu einem massiven Einsatz von Tränengas durch die Sicherheitskräfte. In der Stadt soll ein Park einem umstrittenen Bauprojekt weichen. Dagegen laufen tausende Bürger Sturm.

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Tränengas und Wasserwerfer: Unruhen in Istanbul

0:39 min, vom 1.6.2013

Der Streit um die Zerstörung des Parks in der Millionenmetropole hat zu ausufernden, wütenden Protesten geführt, die sich mittlerweile über Istanbul hinaus ausgebreitet haben.

Gasgeschwängerte Stadtteile

Zehntausende aufgebrachter Bürger marschierten am Freitagabend in der türkischen Metropole rund um den zentralen Taksim-Platz. Die Polizei setzte so viel Tränengas ein, dass die Luft auch in den angrenzenden Stadtteilen gasgeschwängert war.

Einige der vorwiegend jungen Demonstranten zündeten auf dem Gelände des umstrittenen Bauprojekts, das den Platz und den Gazi-Park umfasst, Einfassungen und Container der beteiligten Baufirmen an.

Ein Polizist sprüht Tränengas auf einen Demonstranten.

Bildlegende: Tränengas aus nächster Nähe. Reuters

Dutzende Verletzte

Die Protestierenden riefen: «Die Regierung soll zurücktreten». Nach der gewaltsamen Räumung eines Protestcamps in dem Park hatten am Nachmittag in mehreren Städten der Türkei Tausende Menschen gegen Polizeigewalt und gegen Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan protestiert. Bei dem Polizeieinsatz in Istanbul wurden Dutzende verletzt.

Mit dem Protest hatten die Demonstranten seit Anfang der Woche versucht zu verhindern, dass Grünflächen für den Bau eines Einkaufszentrums mit Wohngebäuden zerstört werden.

Erdogans Image leidet

Erdogan ist zwar nach wie vor der beliebteste Politiker in der Türkei. Viele Bürger sind aber mit seinem autoritären Stil unzufrieden und beklagen etwa Beschränkungen beim Alkoholverkauf.

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International kritisierte, bei der Räumung des
 Camps sei unverhältnismässige Gewalt gegen friedliche Demonstranten eingesetzt worden. In der Bevölkerung hatte sich zuletzt viel Wut über die Politik der Regierungspartei AKP angestaut, die aus Sicht ihrer Gegner immer weniger Rücksicht auf die Interessen Andersdenkender nimmt.

Premier setzt auf Grossprojekte

Im Zuge des Wirtschaftsbooms in seinem Land setzt Erdogan auf etliche Grossprojekte, etwa eine dritte Brücke über den Bosporus, einen neuen Flughafen und weitere Bauten in Istanbul.

Stadtplaner, Wissenschafter und linke Politiker haben die Vorhaben kritisiert und argumentieren, dass es in der Millionenstadt schon jetzt nicht genügend Parks gebe. Für Erdogan sind die Bauvorhaben ein Symbol für einen Wiederaufstieg der Türkei.

Unterdessen ordnete ein Gericht in Istanbul an, die Baupläne müssten auf Eis gelegt werden.

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Strassenschlacht in Istanbul

1:48 min, aus Tagesschau Nacht vom 31.5.2013