Zum Inhalt springen
Inhalt

Treffen an koreanischer Grenze «Der Süden ist für den Norden nur Mittel zum Zweck»

Legende: Audio Nordkoreas Signal an die USA abspielen. Laufzeit 02:22 Minuten.
02:22 min, aus Echo der Zeit vom 06.03.2018.

Ende April soll es zwischen dem nordkoreanischen Machthaber Kim Jong-un und dem südkoreanischen Präsidenten Moon Jae-in ein Gipfeltreffen geben. Martin Fritz, Ostasien-Mitarbeiter von SRF, hat keine hohen Erwartungen.

SRF News: Nordkorea provoziert immer wieder mit Raketentests. Nun soll es zu einem Treffen mit Südkorea kommen. Wie ist das einzuordnen?

Martin Fritz: Man sollte sich da keine Illusionen machen. Nordkoreas Führer Kim Jong-un hat gesagt, er könne seine Atomwaffen gegen eine Sicherheitsgarantie für sein Regime eintauschen. Das ist natürlich eindeutig ein Lockangebot. Denn die Feindseligkeiten zwischen Pjöngjang und Washington sind derzeit viel zu gross. Er bietet auch an, keine Atombomben und Raketen während dieser Gespräche zu testen. Er erwartet dafür, dass in dieser Zeit die wirtschaftlichen Sanktionen gegen sein Land nicht weiter durchgesetzt werden. Das heisst, er will sich Zeit und Luft verschaffen.

Was könnte sonst noch dahinterstecken?

Kim hofft vielleicht auch, dass die jährlichen Militärmanöver der USA und Südkoreas ausgesetzt werden. Die sollen ab Mitte März nach den paralympischen Winterspielen durchgeführt werden. Aber wenn dieser Gipfel Ende April stattfinden soll, würde eine solche Übung die Entspannung vergiften. Und sicher spielt auch eine Rolle, dass Kim versuchen will, wie schon sein Vater und sein Grossvater, einen Keil in die Front seiner Gegner zu treiben. Es gab dieses Abendessen mit der südkoreanischen Delegation. Daran haben auch Kims Ehefrau und seine Schwester teilgenommen. Man hat den Geist der koreanischen Verwandtschaft beschworen. Das Signal ist: Südkorea soll diese ethnische Gemeinsamkeit über die Machtinteressen der USA stellen.

Der Süden wird vom Norden immer nur benutzt, um gegenüber den USA etwas zu erreichen. In diesem Fall geht es darum, einen Keil zwischen Washington und Seoul zu treiben.

Welche Rolle spielt Südkorea?

Der Süden ist für den Norden nur Mittel zum Zweck. Der Süden wird vom Norden immer nur benutzt, um gegenüber den USA etwas zu erreichen. In diesem Fall geht es darum, einen Keil zwischen Washington und Seoul zu treiben. Sozusagen den Südkoreanern klar zu machen, dass doch das innerkoreanische, gemeinsame Interesse an einer Wiedervereinigung viel grösser sei als jenes an den Machtinteressen der USA in Südostasien.

Das Gespräch führte Simone Hulliger.

Martin Fritz

Martin Fritz

Freier Journalist

Personen-Box aufklappenPersonen-Box zuklappen

Der Journalist Martin Fritz arbeitete als Radio-Korrespondent für die ARD in Tokio. Als freier Journalist berichtet er auch über Nord- und Südkorea. Vorher war er fünf Jahre lang Südasien-Korrespondent in Neu-Delhi.

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen.

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren.

13 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Markus Guggisberg (gugmar)
    Die USA haben in Ostasien nichts verloren, also sind es seit je die Amis die die Menschen entzweien. Wir brauchen keine US " Mission", CENTCOM, cruise missiles, THAD, CIA, NSA und wie sie alle heissen. Es wäre angezeigt die wahren Aggressoren endlich zu benennen !
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von E. Waeden (E. W.)
      Stimmt. Diese Meinung haben auch viele Südkoreaner. Anlässlich der olympischen Spiele danach gefragt, sind viele Südkoreaner der Meinung, dass sie viel weniger Probleme mit Nordkorea hätten , wenn sich die USA & China nicht immer einmischen würden.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Patrik Müller (P.Müller)
    Was für Deutschland ging, kann auch mit Korea gehen. Es kann durchaus sein, dass Trump im Hinterhof nicht diesen Konflikt braucht, es brennt an genug anderen Fronten. Wir in Europa sollten uns besser intensiv der Türkei oder der Ukraine zuwenden. Was dort aufgegleist wird ist für uns viel entscheidender. Und da sollten wir, anstelle immer auf Trump, auch der EU (Stichwort europ. Streitkräfte) sehr genau auf die Finger geschaut werden. Russland darf sich bedroht fühlen.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Hans Haller (panasawan)
      Das in Korea kann man gar nicht mit der Wiedervereinigung in Deutschland vergleichen. So einfach ist es nun nun auch wieder nicht. Das ist Deutschland war nun wirklich ein Zufall, sogar ein Gluecksfall. In Korea sieht es aber grundlegend anders aus.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Sebastian Mallmann (mallmann)
    Ich erlaube mir, beim letzten Zitat 2-3 Wörter umzutauschen: "Der Süden wird von den USA immer nur benutzt, um gegenüber dem Norden etwas zu erreichen. In diesem Fall geht es darum, einen Keil zwischen Seoul und Pjöngjang zu treiben." So ist es zwar nicht mehr das Zitat von M. Fritz, beschreibt aber eigentlich den langen Konflikt zwischen den beiden Koreas gar nicht so schlecht.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Hans Haller (panasawan)
      Ideologische Variante...! Die Realität sieht aber ganz anders aus.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen