Trotz Protesten in Baltimore – Polizei spricht von Erfolg

Ungeachtet der Ausgangssperre sind in Baltimore hunderte Demonstranten auf die Strassen gegangen. Dennoch zieht die Polizei eine positive Bilanz. In den sozialen Medien sorgte eine Mutter für Aufruhr, die ihren Sohn davon abhält, an den Protesten teilzunehmen.

Video «Krawalle trotz Ausgangssperre» abspielen

Demonstrationen trotz Ausgangssperre

1:18 min, aus Tagesschau am Mittag vom 29.4.2015

Trotz der nächtlichen Ausgangssperre ist es in US-Grossstadt Baltimore in der Nacht erneut zu Protesten gekommen. Die Polizei ging gegen die Demonstranten vor und verwendete dabei Rauchbomben und Pfeffergeschosse.

Wie der TV-Sender CNN berichtete, waren kurz nach Beginn der Ausgangssperre noch mehrere hundert Menschen auf den Strassen der Stadt. Auf Fernsehbildern war zu sehen, dass vor allem junge schwarze Männer sich nicht an das Ausgehverbot hielten. Laut der Polizei hat die «aggressive Menge» Objekte in Richtung der Sicherheitskräfte geworfen.

«Die Stadt ist stabil»

Dennoch sprach die Polizei an einer mitternächtlichen Pressekonferenz von einem Erfolg. «Die Ausgangssperre wirkt. Die Bürger sind sicher. Die Stadt ist stabil», sagte Polizeichef Anthony Batts. Zehn Menschen wurden wegen Verstössen gegen die Ausgangssperre festgenommen.

Dass es am Dienstagabend ruhiger zuging, wurde darauf zurückgeführt, dass freiwillige Helfer, darunter Geistliche und Aktivisten, sich zwischen Polizei und Demonstranten stellten und zu einem friedlichen Protest aufriefen.

«Nimm deine verdammte Maske ab»

Für Aufsehen in den sozialen Medien sorgte indes nicht die Polizei, sondern eine Mutter und ihr beherztes Eingreifen. Toya Graham war zum Ort der Proteste geeilt, um ihren Sohn davon abzuhalten, an den Krawallen teilzunehmen. Dabei ging sie nicht gerade zimperlich vor – sie schlug den 16-Jährigen und brüllte ihn an, er solle seine «verdammte Maske» abnehmen.

Der Sohn läuft erst davon, nimmt die Maske aber tatsächlich ab – und nimmt wohl auch nicht mehr an den Krawallen teil. Die Aktion der alleinerziehenden Mutter wurde im Netz bejubelt und Graham bereits als «Mutter des Jahres» bezeichnet.

Diese sagte später im Gespräch mit einem Fernsehsender, sie wolle nicht, dass ihr Sohn wie der verstorbene Freddie Gray ende. Dessen Tod hatte die Proteste erst ausgelöst.

3000 Beamte im Einsatz

Laut dem Gouverneur von Maryland, Larry Hogan, waren am Dienstagabend 2000 Nationalgardisten und 1000 Polizisten im Einsatz, um weitere Krawalle zu verhindern. Tags zuvor hatten Randalierer Polizeibeamte mit Steinen und Flaschen beworfen sowie 144 Autos und mehrere Gebäude in Brand gesetzt.


Lage in Baltimore bleibt angespannt

1:51 min, aus HeuteMorgen vom 29.04.2015

Derweil hat das Weisse Haus eine eigene Untersuchung eröffnet, welche die Umstände erleuchten soll, die zum Tod von Freddie Gray geführt haben.