Trotz Strommangel: Indien will Treibhausgase massiv reduzieren

Indien hat sich grosse Ziele gesetzt. Bis 2030 sollen die Treibhausgas-Emissionen um ein Drittel reduziert werden. Doch immer noch sind 400 Millionen Inder nicht am Stromnetz angeschlossen. Um dies zu ändern, setzt das Land weiterhin auf Kohlekraftwerke.

Eine mit Bussen und Autos verstopfte Strasse in Kalkutta.

Bildlegende: Indien ist der drittgrösste Verursacher von Treibhausgasemissionen. Keystone

Als letzter grosser Klimasünder hat Indien seine Pläne zur Eindämmung der Erderwärmung vorgestellt. Bis 2030 will Neu Dehli seine Treibhausgasemissionen um 33 bis 35 Prozent im Vergleich zu 2005 verringern.

Vor dem Weltklimagipfel Ende November in Paris waren alle Länder dazu aufgerufen, eigene Klimaziele zu setzen. Die indischen Absichten sind zwar weniger ambitioniert als diejenigen Chinas oder Brasiliens. Doch es ist mehr, als die USA oder Australien versprochen haben.

Umdenken in Indien

Lange Zeit wehrte man sich in Indien, strikte Obergrenzen bei den Treibhausgasemissionen festzusetzen. «Indien sprach immer von einer historischen Schuld und sagte, dass die westlichen Wirtschaftsmächte das Problem geschaffen hätten», erklärt Karin Wenger, SRF-Korrespondentin in Südasien. Man sei schlicht nicht dazu bereit gewesen, das eigene Wirtschaftswachstum mit strengen Klimaauflagen zu bremsen.

Wenger unterstreicht auch, dass Indiens Umdenken auf Druck von aussen zustande kam: «Die USA und China haben bereits im vergangenen Jahr verkündet, verbindlichere Klimaziele anzustreben, was natürlich den Druck auf Indien verstärkt hat.» Indien knüpft aber auch jetzt Bedingungen, an seine Mithilfe zur Eindämmung der Erderwärmung und verlangt Geld und Technologie aus dem Westen.

Kohlekraftwerke sorgen weiter für Energie

Der drittgrösste Verursacher von Treibhausgasen steht vor allem aufgrund seines grossen Energieverbrauchs so weit oben in dieser eher unrühmlichen Rangliste. «Die indische Regierung setzt nach wie vor auf schmutzige Kohlekraftwerke», sagt Wenger. Auch in den kommenden Jahrzenten soll rund zwei Drittel des Stroms mit Kohle produziert werden.

Es ist denn auch naheliegend, dass Indien mit seinen 1,2 Milliarden Einwohnern riesige Bedürfnisse an Energie hat. Noch heute sind laut Wenger 400 Millionen Inder nicht am Stromnetz angeschlossen und Stromunterbrüche gehören zum alltäglichen Leben. Wolle man dies ändern, müsse man die Energiegewinnung massiv erhöhen.


Indien setzt sich ambitionierte Klimaziele

3:44 min, aus SRF 4 News aktuell vom 02.10.2015

In der Sonne liegt die Kraft

Mehr Strom für die Bevölkerung und gleichzeitig eine Reduktion der Treibhausgase scheint also eine komplexe Herausforderung zu sein. Indien will dabei insbesondere auf erneuerbare Energien setzen.

So sollen Wind-, Wasserkraft und Solarenergie ausgebaut werden: «Indiens Ministerpräsident Narendra Modi hat sich sehr ambitionierte Ziele gesetzt. Bis 2022 soll die Produktion von Solarenergie verzehnfacht werden – damit könnte man mindestens Neu Dehli mit Strom versorgen.» Trotz dieser horrenden Versprechen rechnet Wenger aber nicht mit einer Kehrtwende in der indischen Energiepolitik.