Zum Inhalt springen

Künftige US-Aussenpolitik Trump bekennt sich zur Nato – und laviert zu Putin

Der US-Präsident sichert dem Militärbündnis «starke Unterstützung» zu. Und irritiert mit Aussagen über den Kreml-Chef.

Legende: Video Trump zu Putin: «Es gibt eine Menge Mörder» abspielen. Laufzeit 0:50 Minuten.
Vom 06.02.2017.

Das Wichtigste in Kürze

  • US-Präsident Donald Trump hat Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg telefonisch der «starken Unterstützung» seines Landes für das Militärbündnis versichert.
  • Thema des Gesprächs war auch eine nach Trumps Ansicht gerechtere Verteilung der finanziellen Lasten innerhalb der Nato.
  • Gleichzeitig schlägt ein TV-Interview hohe Wellen in den USA: Darin bekundet Trump erneut Respekt für Kreml-Chef Wladimir Putin.

US-Präsident Donald Trump und Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg erörterten in ihrem Telefongespräch auch, wie man alle Nato-Mitglieder «ermuntern» könnte, ihren Verpflichtungen bei den Verteidigungsausgaben nachzukommen. Das teilte das Weisse Haus nach dem Gespräch am Sonntag (Ortszeit) mit.

Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg während einer Rede im November 2016.
Legende: In einer telefonischen Unterredung mit Jens Stoltenberg bekannte sich Trump zum westlichen Militärbündnis. Reuters/Archiv

Trump reist an Nato-Gipfel

Ausserdem habe Trump seine Teilnahme an einem Nato-Gipfel Ende Mai in Europa zugesagt. Die Nato hatte schon vor längerem für 2017 einen Gipfel-Treffen in ihrem neuen Brüsseler Hauptquartier angekündigt.

Darüber hinaus sei über Möglichkeiten zur friedlichen Lösung des Konflikts an der ukrainisch-russischen Grenze gesprochen worden, heisst es in der Mitteilung. Beide Seiten hätten vereinbart, zur Bewältigung der Sicherheitsherausforderungen für die Nato weiter eng zusammenzuarbeiten.

Wir haben eine Menge Mörder. Was glauben Sie? Dass unser Land so unschuldig ist?
Autor: Donald TrumpZur Frage, ob Wladimir Putin ein «Mörder» sei

In einem Interview mit dem Sender Fox News wurde Trump derweil auf Vorwürfe gegen Putin angesprochen, dieser sei für die Ermordung von Journalisten und Dissidenten mitverantwortlich. «Es gibt viele Mörder», sagte Trump. «Wir haben viele Mörder. Denken Sie, unser Land ist so unschuldig?»

Trump bekundete zudem erneut Respekt für Putin. «Ich respektiere ihn, so wie ich viele Leute respektiere», sagte er. «Aber das heisst nicht, dass ich mich mit ihnen verstehe.»

Kritik aus den eigenen Reihen

Für seine Äusserungen erntete der US-Präsident umgehend Kritik aus der eigenen republikanischen Partei, die Putin mehrheitlich kritisch sieht. Der Senator Mitch McConnell sagte, er denke nicht, dass sich das Verhalten der Führung in Moskau und Washington vergleichen lasse. Putin sei «ein früherer KGB-Agent, ein Gangster», der nicht durch eine «glaubwürdige Wahl» an die Macht gekommen sei.

Auch der frühere US-Botschafter in Russland und Berater von Ex-Präsident Barack Obama, Michael McFaul, rügte Trump scharf: «Diese moralische Gleichwertigkeit von den USA und Russland, wie sie von Trump noch immer behauptet wird, ist ekelhaft (und ungenau)», schrieb er im Kurzmitteilungsdienst Twitter.

Der Kreml reagiert

Russland erwartet von Fox News eine Entschuldigung dafür, dass der Sender Präsident Putin in einem Interview mit Trump als Mörder bezeichnet hat. Der Journalist Bill O'Reilly hatte Putin im Zusammenhang mit der Ermordung von Journalisten und Dissidenten wegen der mutmasslichen Mitverantwortung des Präsidenten als Mörder bezeichnet.

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push Mitteilungen.

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren.

48 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Manuela Fitzi (Mano)
    Der Moderator wollte Trump aus den Reserven locken und hören, dass WP ein Mörder ist. DAS hätte ein Nachspiel gehabt, aber garantiert. Und zwar kein diplomatisches, sondern ein kaltkriegerisches. Trump hat geschickt reagiert, hat nicht gesagt, WP wäre KEIN Mörder, sondern er hat WP-s Rolle in Beseitigung von Gegnern in Relation mit Aufräumarbeiten des nunmal von himself geführten Landes gesetzt. Sehr-sehr clever reagiert! Vielen Dank erstmals, ich will nämlich keinen kalten Krieg mehr erleben.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Stanic Drago (Putinversteher)
    Wenn Trump diese Aussage wie ein Kommentar in Deutschsprachige Medien abgegeben hätte, werde diese Kommentar niemals veroffentlicht. Ich bin froh deswegen. Vielleicht wird sich jetzt jemand finden und US Rollen in Irak, Libyen, Syrien, Jemen, Sudan, Afhanistan, Bosnien, Kosova, Serbien, Ukraine, Georgien... hinterfragt
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von M. Berger (Mila)
    3. Versuch auch hier! Für ein Mal sagt Trump etwas Wahres. Gel., sich bei Trump eine eigene Meinung zu bilden, gibt es genügend, kann man doch seine Aussagen direkt verfolgen (Videos/Tweets). Zu Putin gibt es fast nur westliche Alternativfacts-Propaganda und von russ. Oligarchen, welche mithilfe westl. Einfluss Putin aushebeln möchten. Aufrichtig sind ME Beiträge von der Historikerin Gabriele Krone-Schmalz. Sie hat einen gesunden Menschenverstand und ist Kennerin Russlands UND des Westens.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen