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Indiskretion im Weissen Haus Trump gerät zunehmend unter Druck

Legende: Video Präsident Plappermaul abspielen. Laufzeit 3:42 Minuten.
Aus 10vor10 vom 16.05.2017.
  • US-Präsident Donald Trump hat die Weitergabe von Informationen an russische Regierungsvertreter als angemessen verteidigt.
  • Kritiker sehen darin allerdings eine massive Gefährdung der Geheimdienstarbeit.
  • Trump erklärte, er habe an den russischen Aussenminister Sergej Lawrow Fakten über Terrorismus und Flugsicherheit weitergegeben. Dazu habe er als Präsident das Recht.

Laut einem Bericht der «Washington Post» soll Trump bei dem Treffen mit Lawrow und dem russischen Botschafter Sergej Kislyak am vergangenen Mittwoch sensible Details über einen Anschlagsplan der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) offenbart haben. Die Informationen stammten von dem Geheimdienst eines mit den USA befreundeten Landes und hätten nicht weitergegeben werden dürfen. Russland dementierte die Berichte.

Die Erkenntnisse, über die nach der «Washington Post» auch die «New York Times» berichtete, stammten aus dem inneren Zirkel der Terrormiliz Islamischer Staat.

Das Material sei so sensibel, dass es nicht einmal in breiteren Kreisen der US-Regierung oder mit Verbündeten geteilt worden sei, schrieb die «New York Times». Aus dem, was Trump bei dem Treffen im Oval Office des Weissen Hauses gesagt habe, könne Russland auf die Quelle der Informationen sowie die Methode der Informationsgewinnung schliessen.

Laut einem weiteren Bericht der «New York Times» stammten die Erkenntnisse aus israelischen Geheimdienstquellen. Die Zeitung berief sich dabei auf ehemalige und gegenwärtige Mitarbeiter der US-Regierung. Ein Sprecher des israelischen Aussenministeriums wollte nicht Stellung nehmen.

Legende: Video «Die Geheimdienste fühlen sich nicht ernst genommen» abspielen. Laufzeit 2:22 Minuten.
Aus Tagesschau vom 16.05.2017.

Dass die Hinweise zumindest zum Teil aus Israel stammen könnten, hätte Brisanz. Über den Umweg Russland könnten die Informationen an den Iran gelangen – Erzfeind Israels und Verbündeter Russlands. Trump besucht im Zuge seiner ersten Auslandsreise in der nächsten Woche Jerusalem.

Der US-Präsident soll unter anderem den Namen der syrischen Stadt genannt haben, in der der Geheimdienst die Informationen gewonnen hatte. Er habe offenbar mit seinem Wissen prahlen wollen, hiess es in den Berichten. Dabei handelte es sich den Angaben zufolge um eine mögliche Bedrohung durch IS-Terroristen im Zusammenhang mit der Nutzung von Laptops an Bord von Flugzeugen.

Er hat keinen Filter: Es geht ins Ohr hinein und aus dem Mund heraus.
Autor: Anonymer InsiderGegenüber der Nachrichtenagentur Reuters

Trump begründete die Preisgabe der Informationen damit, dass er es aus «humanitären Gründen» getan habe. Ausserdem habe er Russland dazu bewegen wollen, mehr im Kampf gegen den Terrorismus zu tun.

Der nationale Sicherheitsberater Herbert Raymond McMaster sagte, Trump habe in «keiner Weise» Quellen oder Geheimdienstmethoden kompromittiert. Man sei auch nicht besorgt, dass andere Geheimdienste die Zusammenarbeit mit den USA einstellen könnten. Die Informationen, die Trump geteilt habe, seien «völlig angemessen» gewesen.

Dem US-Präsidenten ist es per Gesetz nicht verboten, Geheimnisse zu lüften. Trump hatte im Wahlkampf allerdings seiner Gegnerin Hillary Clinton vorgeworfen, durch die Nutzung eines privaten E-Mail-Servers in ihrer Zeit als Aussenministerin vertrauliche Informationen verbreitet und damit ein schweres Verbrechen begangen zu haben.

Leute, lest ihr wieder diese amerikanischen Zeitungen? Ihr braucht sie nicht zu lesen. Man kann sie auch für etwas anderes nutzen.
Autor: Maria SacharowaSprecherin des Kreml

Es handele sich um «fake news», schrieb die russische Aussenamtssprecherin. «Leute, lest ihr wieder diese amerikanischen Zeitungen? Ihr braucht sie nicht zu lesen. Man kann sie auch für etwas anderes nutzen», schrieb sie weiter. Kremlsprecher Dmitri Peskow bezeichnete die Berichte als «Unsinn».

Nicht nur von den Demokraten, sondern auch aus Trumps eigener Partei kam Kritik. Der republikanische Senator John McCain bezeichnete die Berichte als «zutiefst beunruhigend». Sein Kollege Bob Corker sagte, das Weisse Haus befinde sich «ganz offensichtlich» in einer «Abwärtsspirale». Sogar der Vorsitzende des Repräsentantenhauses, Paul Ryan, der dem Präsident bisher äusserst treu war, forderte Aufklärung von Trump.

Die Enthüllung kommt für den ohnehin krisengeplagten Präsidenten zu einer denkbar ungünstigen Zeit. Nur einen Tag vor dem Treffen mit Lawrow und Kislyak hatte der Präsident überraschend den Chef der Bundespolizei FBI, James Comey, gefeuert – ein höchst umstrittener Schritt. Das FBI untersucht Vorwürfe einer russischen Einflussnahme auf die US-Wahl sowie Kontakte zwischen Mitgliedern von Trumps Wahlkampfteam und Vertretern Russlands.

41 Kommentare

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  • Kommentar von M. Roe (M. Roe)
    Es ist ja nicht Trump der das Weisse Haus gefährdet sondern es sind die Medien die zusammen mit den Polit-Eliten der EU Trump verunglimpfen wollen. Jeder "Scheiss" wird von den Medien so vermarktet, dass man gar nicht mehr zuhören will. Sehen Sie sich einmal den Sender CNN an, die schrillen +marktschreierischen Stimmen der Kommentatoren macht einem die Ohren heiss. Das hat nichts mehr mit Presse zu tun. Das ist "Paparazzi-" +"Schund"-Presse. Jugendlichen wird in Europa solcher "Schund" verboten.
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  • Kommentar von Kerzenmacher Boris (zombie1969)
    Ob D. Trumps Verhalten in dieser Sache klug war, sei dahingestellt. Erheblich problematischer ist, dass einige mehr oder weniger unverhohlen verlangen, Infos zur Bekämpfung des Daesh (IS) bzw. zur Verringerung terroristischer Gefahren möglichst für sich behalten wollen. Entweder der Daesh wird als eine Bedrohung des Weltfriedens betrachtet und gemeinsam bekämpft, auch bei politischen Meinungsverschiedenheiten in anderen Fragen. Dann ist Russland in alle dafür relevanten Dinge einzubeziehen.
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    1. Antwort von Kerzenmacher Boris (zombie1969)
      2) Oder der Daesh ist Mittel zum Zweck und wird gegebenenfalls auch als "Waffe" gegen andere, hier Russland, eingesetzt, auch um den Preis ziviler Opfer auf der Gegenseite. Dann wiederum hat die Geheimhaltung Sinn. Auf welcher Seite stehen die Kritiker in diesem Fall?
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    2. Antwort von James Klausner (Harder11)
      Sie haben nicht verstanden. Die Erkenntnisse über die Laptop-Bomben wurden durch den Mossad im Vertrauen weitergegeben. Durch das Ausplappern hat Trump das Vertrauen geschädigt und Mossad-Agenten, die den IS infiltriert haben gefährdet. Das Dementi und die Rettungsversuche durch Mc Masters wurden wiederum durch die Tweets von Trump selbst sabotiert. Ob Trumps Verhalten klug war, lässt sich eindeutig beantworten! Genüsslich demütigt Putin nun Trump und der Mann merkt es nicht... DESASTER!
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  • Kommentar von Niklaus Bächler (quod erat demonstrandum)
    Wollte dieser Trump nicht H. Clinton wegen ihren Emails vor Gericht ziehen? Trump ist für mich schon heute der unfähigste Präsident ever... Wie lange erträgt sein Volk diese Figur noch?
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    1. Antwort von Benedikt Walchli (Benedikt Walchli)
      Nur keine falschen Hoffnungen Hr. Bächler, sie wird hinter Gitter kommen. Dies kann etwas warten, weil es wichtigeres zu erledigen gab. Es sind aber vor allem die US Bürger die nun wirklich wissen wollen ob alle gleich sind vor dem Gesetzt!
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    2. Antwort von Karl Kirchhoff (Charly)
      @walchli Auch das waren nur "Wahlkampf-Sprüche" von Supertrump, wie alles!
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