Nukleare Aufrüstung Trump will Atomarsenal ausbauen

«Solange Staaten Atomwaffen haben, werden wir im Rudel ganz oben stehen», sagt Trump und kündigt nukleare Aufrüstung an.

Donald Trump

Bildlegende: Donald Trump will punkto Atomwaffen die Nummer 1 sein. Keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • «Solange Staaten Atomwaffen haben, werden wir im Rudel ganz oben stehen», kündigt der US-Präsident an.
  • Trump kritisiert das Abrüstungsabkommen New START mit Moskau als «weiteres schlechtes Geschäft».
  • Das US-Militär hat bereits mit der Modernisierung des Atomarsenals begonnen, die auf Jahrzehnte angelegt ist.
  • Scharfe Kritik übt Trump an Nordkorea, das eine sehr gefährliche Lage heraufbeschworen habe.

US-Präsident Donald Trump will das Atomwaffenarsenal der USA ausbauen. Amerika müsse immer die führende Atommacht sein, selbst vor befreundeten Nationen, sagte Trump.

«Wieder ganz nach oben kommen»

Er wolle das Atomwaffenarsenal der USA ausbauen. Sein Land sei hier zurückgefallen und müsste wieder «ganz nach oben» kommen. Zugleich kritisierte er, dass Russland Marschflugkörper stationiert und damit Abrüstungsabkommen verletzt habe. Dies werde er mit Präsident Wladimir Putin erörtern, sollte er diesen treffen.

«Es wäre wunderbar, es wäre ein Traum, wenn kein Staat Atomwaffen hätte», sagte Trump. «Aber solange Staaten Atomwaffen haben, werden wir im Rudel ganz oben stehen.» Die USA seien auf diesem Gebiet zurückgefallen.

Kritik an Abrüstungsabkommen mit Moskau

Er kritisierte, dass Russland durch die Stationierung von Marschflugkörpern ein Abrüstungsabkommen von 1987 verletzt habe. Das mit der Regierung in Moskau 2010 geschlossene neue strategische Abrüstungsabkommen New START sei für die USA «ein weiteres schlechtes Geschäft» gewesen. «Wir werden damit anfangen, gute Geschäfte abzuschliessen.»

Es handelt sich um Trumps erste Äusserungen zum US-Atomwaffenarsenal seit seinem Amtsantritt. Zuvor hatte er im Wahlkampf bereits zu Nuklearwaffen Stellung bezogen.

In ersten Reaktionen kritisierten Abrüstungsbefürworter die aktuelle Ankündigung. «Die Geschichte des Kalten Krieges zeigt, dass bei einem Rüstungswettlauf und einer waghalsigen Atompolitik niemand ‹im Rudel› nach ‹ganz oben› kommt», sagte Daryl Kimball, Direktor der überparteilichen Arms Control Association. Die USA und Russland verfügten bereits über weitaus mehr Atomwaffen als zur Abschreckung nötig.

Modernisierung des Atomarsenals angelaufen

Nach Angaben der Abrüstungsgruppe Ploughshares Fund verfügen die USA über 6970 atomare Sprengköpfe und liegen damit hinter Russland mit 7300 Sprengköpfen. Gegenwärtig unternimmt das amerikanische Militär eine auf 30 Jahre angelegte Modernisierung seines Atomarsenals im Umfang von einer Billion Dollar. Viele Experten halten die Kosten des Programms für untragbar.

Das seit 2011 geltende New-START-Abkommen sieht vor, dass die USA und Russland ab Februar 2018 ihre Atomarsenale gleich gross halten. Experten haben die Frage aufgeworfen, ob Trump die Vereinbarung ausser Kraft setzen oder weitere Kernwaffen stationieren will.

Trump über Nordkorea «sehr wütend»

Trump kritisierte in dem Interview die jüngsten Raketentests von Nordkorea. «Wir sind sehr wütend», sagte er. Eine denkbare Antwort darauf sei ein schnellerer Aufbau von Raketenabwehrsystemen für die verbündeten Staaten Japan und Südkorea. Es werde auch über sehr viel weitergehende Optionen diskutiert. Die Lage sei sehr gefährlich.

Der US-Präsident nahm dabei die Regierung in Peking in die Pflicht: «Meiner Meinung nach könnte China das sehr schnell zu Ende bringen.» Dass es mit Nordkorea so weit gekommen sei, sei auch die Schuld seines Vorgängers Barack Obama: «Ehrlich gesagt hätte sich schon die Obama-Regierung darum kümmern müssen.»

Stärkung der Raketenabwehr

Trump hatte schon im Wahlkampf eine Stärkung der Raketenabwehr angekündigt. Sofort nach seiner Vereidigung am 20. Januar erklärte das Präsidialamt, man werde ein entsprechendes Programm gegen Angriffe aus Nordkorea und dem Iran auflegen. Einzelheiten wurden nicht bekannt.

Japanischen Medienberichten zufolge will die Regierung in Tokio Gespräche über die Stationierung von US-Abwehrsystemen der Typen Thaad und Aegis Ashore aufnehmen. Die Nachrichtenagentur Reuters hatte im vergangenen Jahr aus japanischen Regierungskreisen erfahren, dass Japan die geplanten Ausgaben von etwa einer Milliarde Dollar für derartige Verteidigungssysteme forcieren wolle.

Weltweite Nuklearbewaffnung

In einem neuen Report hat die Federation amerikanischer Wissenschaftler den Status der aktuellen Arsenale der Atomwaffenstaaten und deren Entwicklung dokumentiert.