«Trumps Kandidatur ist Krebs für die Konservativen»

Trump, Trump und nochmals Trump: Die Kandidatenkür der Republikaner war bisher eine Ein-Mann-Show des Donald Trump. Bei der ersten TV-Debatte der Republikaner muss er sich erstmals seinen Kontrahenten stellen – und auch die sind nicht auf den Mund gefallen.

US-Präsidentschaft: Kandidaten und Interessierte

Center Stage – so wird der beste Platz auf dem Podium bezeichnet, auf dem die erste TV-Debatte der republikanischen Präsidentschaftskandidaten stattfindet. Auf dem besten Platz soll sitzen – Donald Trump. Angesichts der aktuellen Popularitätswerte konnte die Wahl nur auf den 69-jährigen Immobilientycoon fallen.

Neben der Center Stage nehmen neun weitere Republikaner auf der Bühne in Cleveland Platz. Zur Debatte zugelassen sind ‹nur› zehn der 17 offiziellen Kandidaten der Republikaner für das Weisse Haus. Der konservative Sender «Fox News» hat diese mittels aktueller Umfragewerte ausgesucht.

Trump teilt aus

In allen Umfragen liegt bislang Donald Trump klar vorne. Der Quer-Einsteiger hat mit Immobilien Milliarden verdient und reist gerne mit dem eigenen Flugzeug oder Helikopter – und er teilt aus.

Über Senator und Vietnam-Veteran John McCain sagte er: «Er ist ein Kriegsheld, weil er gefangen wurde – ich mag Leute, die sich nicht fangen lassen.» Auch die demokratische Präsidentschaftskandidatin und Ex-Aussenministerin Hillary Clinton bekam ihr Fett weg. «Hillary Clinton war die schlechteste Aussenministerin in der Geschichte unseres Landes.»

Etablierte Politiker kritisieren und beleidigen – das ist Teil des Trump'schen Erfolgskonzepts.

Teil zwei – der Inhalt – besteht zu grossen Teilen aus dem Thema Immigration. Trump bezeichnet mexikanische Einwanderer als Vergewaltiger und besucht PR-trächtig die mexikanische Grenze, die er mit hohen Mauern sichern will.

Anne Gearan ist politische Analystin bei der «Washington Post». Sie sagt, dass das republikanische Lager so unübersichtlich sei, dass Trump sich mit seinen extremen Aussagen ins Rampenlicht rücken konnte. «Trump ist viel besser unterwegs, als er das je erwartet hätte – und jetzt will er das weiterziehen», erklärt sie bei «10vor10». Als Geschäftsmann könne er diese PR brauchen. «Seine Haltung gegen das Establishment ist sehr populär in seiner Partei. Aber das reicht nicht, um sich bei den Republikanern durchzusetzen, geschweige denn bei nationalen Wahlen», so Gearan.

Auch die Kontrahenten schiessen verbal scharf

Rick Perry gestikulierend

Bildlegende: Rick Perrx bezeichnet Donald Trump als «Krebs für die Konservativen». Keystone

Konkurrent Rick Perry, Ex-Gouverneur von Texas, richtet trotzdem scharfe Worte in Richtung Trump. «Trumps Kandidatur ist Krebs für die Konservativen, der bekämpft und besiegt werden muss.» Lindsey Graham, Senator aus South Carolina und selber kein Kandidat für das Weisse Haus, erklärt, dass Trump kandidieren soll, «ohne den grössten Esel zu spielen».

Dabei ist Trump längst nicht der einzige Kandidat der Republikaner, der mit fragwürdigen Aussagen auffällt. Mike Huckabee kritisierte Präsident Barack Obamas Iran-Deal mit den Worten: «Er führt die Isarelis an die Ofentür.» Für Anne Gearan steckt hinter solchen Ausagen ein klares Kalkül. «Solche Aussagen sind genau kalkuliert von den Kandidaten. Sie wissen genau, dass sie so ihre Basis – und ganz wichtig – ihre Geldgeber erreichen.»

Bush hält sich noch zurück

Auffällig zurückhaltend präsentiert sich bislang der vermeintliche Favorit Jeb Bush. Bezugnehmend auf die Rethorik seiner Konkurrenten warnt er: «Wenn wir diese hässliche Sprache benutzen, werden wir nie gewinnen.» Bushs Taktik erklärt Expertin Anne Gaearan so: «Er hat genügend Geld, er läuft nicht Gefahr, verdrängt zu werden und schneidet in den Umfragen ja auch ziemlich gut ab.» Und vor allem spiele er auf Zeit, beobachte das Ganze und beteilige sich nicht an der Schlammschlacht, in die ihn Trump gerne verwickeln würde.

Schlammschlacht oder ernsthafte politische Debatte. In Cleveland werden die Republikaner ihre erste Visitenkarte ausspielen müssen.

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Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

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    Er liess kein gutes Haar an mexikanischen Immigranten. Als Multimilliardär Donald Trump vergangene Woche seine Präsidentschaftskandidatur verkündete, schoss er verbal in Richtung Mexiko. «Sie bringen Drogen, Verbrechen, Vergewaltiger», sagte der Immobilienunternehmer über die südlichen Nachbarn der USA. Seine Äusserungen lösten unter den «Hispanics» in den Vereinigten Staaten und in Lateinamerika Empörung aus. Das grösste spanischsrpachige TV-Unternehmen der USA kippt die «Miss-USA-Wahl» vom Sender.