Türkei: Entlassung löst Diskussionen über Frauenbilder aus

Eine Fernsehmoderatorin tritt in einem Kleid mit tiefem Dekolleté auf. Nach Protesten aus konservativen Kreisen verliert sie ihren Job. Seit dies letzte Woche in der Türkei passiert ist, ist eine Debatte über das Bild der Frau in der Öffentlichkeit entbrannt.

Was soll das, fragen sich viele Türkinnen und Türken: Eine Fernsehmoderatorin wird entlassen, weil ihr Dekolleté zu tief sei. Beschwert darüber hat sich der Vizeschef der Regierungspartei AKP Hüseyin Çelik. Celik sei so etwas wie der Wadenbeisser der Regierungspartei, sagt Thomas Seibert im Gespräch mit SRF. Er lebt als Journalist und Beobachter in Istanbul. «Immer wenn es harte Worte zu verteilen gilt, muss Celik ran.»

Angesicht dessen, was die Moderatorinnen sonst im türkischen Fernsehen tragen, sei das Kleid von Gözde Kansu nicht besonders auffällig gewesen, sagt Seibert. Allerdings gehe es wahrscheinlich nicht nur um das Kleid; Kansu hat die regierungsfeindlichen Proteste im Juni unterstützt. «Es ist gut möglich, dass die Regierung sie deshalb bestraft», sagt Seibert.

Irritierende Gleichzeitigkeit

In der Türkei selbst sei die Äusserung von Celik schwer umstritten: «Es gibt viele Leute, die ihn dafür kritisiert haben, vor allem Leute aus der türkischen Unterhaltungsindustrie.» Die Politik dürfe nicht bestimmen, wer was im Fernsehen anziehe, sagen die Kritiker.

Gözde Kansu

Bildlegende: Dekolleté des Anstosses: Der Auftritt von Moderatorin Gödze Kansu sorgte für rote Köpfe. Srceenshot Youtube

Grosse Kritik hat die Aussage von Celik auch deshalb ausgelöst, weil sie praktisch gleichzeitig mit der Freigabe des muslimischen Kopftuches für Staatsangestellte publik wurde. Die AKP versuche hier, islamische-konservative Werte der Gesamtgesellschaft aufzudrücken, lautet der Grundtenor der Debatte. «Dies wurde auch in der Regierung kritisiert», sagt Seibert.