Türkei lässt kurdische Peschmerga-Kämpfer nach Syrien

Die Türkei hat den Weg für kurdische Peschmerga-Kämpfer in die umkämpfte Grenzstadt Kobane freigemacht. 200 kurdische Soldaten dürfen jetzt aus dem Nordirak über türkisches Gebiet nach Syrien passieren. Sie sollen die kurdischen Volksschutzeinheiten (YPG) in Kobane gegen den IS unterstützen.

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Kobane steht vor einer Grossoffensive

0:37 min, vom 23.10.2014

Die Türkei lässt nach wochenlanger Weigerung erstmals militärische Hilfe für die eingeschlossenen Kurden in der Grenzstadt Kobane zu. Damit ist der Weg über die Grenze frei für rund 200 kurdische Peschmerga-Kämpfer, die über die Türkei nach Syrien in die Grenzstadt Kobane einrücken dürfen.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan gab bekannt, dass mit dem irakisch-kurdische Parlament eine entsprechende Einigung erzielt worden sei. Die Autonome Region Kurdistan im Norden Iraks mit einer eigene Regierung und Parlament führt mit den Peschmerga auch eigene Streitkräfte.

Ein Peschmerga-Kämpfer mit Sturmgewehr und Feldstecher vor einer Flagge Kurdistans.

Bildlegende: Die Peschmerga sind die Streitkräfte der Autonomen Region Kurdistan, die in Kobane militärisch eingreifen wollen. Keystone

Es ist das erste Mal, dass sich die Peschmerga auch in Syrien am Kampf gegen den Islamischen Staat (IS) beteiligen. Die militärische Verstärkung aus dem Nordirak soll innerhalb von wenigen Tagen in Kobane ankommen.

IS hat bereits Wind bekommen

Vor dem Hintergrund dieses Entscheides haben Einheiten des IS eine Grossoffensive zur Übernahme von Kobane begonnen. Der IS hat inzwischen den bisher von den kurdischen Volksschutzeinheiten (YPG) gehaltenen Westen der Stadt Kobane eingenommen. Es handle sich um einen rund drei Kilometer langen Korridor von dem Hügel Tell Schair bis zur Stadtgrenze, sagte der Leiter der syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte. Dieser Korridor diente bislang als Landestelle für die Waffen, die US-Flugzeuge aus der Luft abwerfen.

Gegenwärtig würde der IS die Stadt weiter von Nordwesten her angreifen und versuchen, die Enklave von ihrem Grenzzugang zur Türkei abzuschneiden. Kurdische Kämpfer leisten seit mehr als einem Monat mit Luftunterstützung der internationalen Anti-IS-Koalition erbitterten Widerstand gegen die Dschihadisten. Die YPG halten somit nur noch den knapp drei Quadratkilometer grossen Stadtkern Kobanes.

Opfer auf beiden Seiten

Die US-Streitkräfte bombardierten auch IS-Stellungen nahe von Kobane. Laut der syrischen Menschenrechtsgruppe starben in Syrien mindestens 553 Menschen, darunter 32 Zivilisten seit dem Beginn der Luftangriffe vor genau einem Monat. Auf der Seite der Angreifer starben mindestens 464 IS-Dschihadisten und 57 Kämpfer der Al-Nusra-Front. Bei den meisten Getöteten handle es sich nicht um Syrer, sondern um ausländische Kämpfer, die sich dem IS und der Al-Nusra-Front angeschlossen hatten.

Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

  • Kurden im Krieg

    Aus Rundschau vom 22.10.2014

    Viele Kurden in der Schweiz wollen nicht länger zuschauen, wie ihre Familien in Syrien von IS-Terroristen umgebracht werden. Jetzt sammeln sie Geld für Medikamente, Kleider - und für Waffen. Wem das nicht ausreicht, der macht sich aus der Schweiz auf den Weg ins Kampfgebiet. Die Rundschau-Reportage über Kurden, die sich von der Schweiz aus in den Krieg einmischen wollen.

  • Kampf um Kobane

    Aus Tagesschau vom 18.10.2014

    Absprachen zwischen Kurden und der internationalen Allianz gegen den IS haben Rückschläge der Terrormiliz in Kobane bewirkt. Trotz Erfolgen ist die kurdische Stadt nach monatelanger Belagerung aber nicht mehr wiederzuerkennen.