Türkei: Nasen- und Fingerbruch bei Abstimmung über Justizreform

Das türkische Parlament hat ein Gesetz gebilligt, dass der Regierung mehr Einfluss auf die Ernennung von Richtern und Staatsanwälten verleiht. Während der Sitzung kam es zu wüsten Handgreiflichkeiten.

Türkische Parlamentarier gehen aufeinander los.

Bildlegende: Tohuwabohu im türkischen Parlament. Keystone

Ein Mitglied der Opposition musste ins Spital eingeliefert werden. Medien berichteten, der Abgeordnete habe einen Nasenbeinbruch erlitten. Einem anderen Abgeordneten wurde ein Finger gebrochen.

Kontrolle durch den Justizminister gestärkt

In einer Nachtsitzung beschloss das Parlament am Samstagmorgen eine Änderung des Gesetzes über den Hohen Rat der Richter und Staatsanwälte (HSYK), wie türkische Medien berichteten. Der Rat ist für die Disziplinarkontrolle sowie die Ernennung und Beförderung von Richtern und Staatsanwälten zuständig.

Mit der Gesetzesreform werden Befugnisse und Freiheiten des Hohen Rates eingeschränkt. Dagegen wird die Kontrolle durch den Justizminister gestärkt.

Machtkampf zwischen Erdogan und Gülen

Der Streit über die Kontrolle des Justizapparats steht im Zentrum eines Machtkampfs zwischen dem türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdogan und Anhängern seines Rivalen Fethullah Gülen, der nach einer Klage in den USA lebt. Gülen hat über Jahrzehnte seinen Einfluss auf Polizei und das türkische Justizsystem ausgeweitet.

Erdogan macht Gülen für Korruptionsermittlungen verantwortlich, die er als Verschwörung gegen seine Regierung sieht. Im Zuge der Ermittlungen waren unter anderem die Söhne von Ministern festgenommen worden.