Türkei zieht im Kampf gegen den IS die Daumenschrauben an

Nach dem Massaker in Gaziantep wird in der Türkei die Bekämpfung des IS und der kurdischen Kämpfer verschärft. Die türkische Armee beschiesst verschiedene Ziele im Norden Syriens.

IS-Kämpfer mit Flagge im Irak.

Bildlegende: Der türkischen Regierung sind die IS-Kämpfer ein Dorn im Auge. Reuters / Archiv

Die türkische Armee hat in der Nacht auf Dienstag Stellungen der Terrormiliz Islamischer Staat sowie des syrischen Ablegers der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK im Grenzgebiet zu Syrien beschossen.

Die Scharmützel im türkisch-syrischen Grenzgebiet dauerten auch tagsüber an. In der türkischen Grenzstadt Kilis schlugen erstmals seit Monaten wieder Raketen ein. Ausserdem trafen mehrere, mutmasslich von IS-Gebiet aus abgefeuerte Mörsergranaten den weiter östlich liegenden Grenzort Karkamis. Menschen kamen in beiden Fällen nicht zu Schaden. Die türkische Armee reagierte auf den Mörserangriff laut Regierungskreisen mit weiterem Beschuss von IS-Stellungen.

«Unsere Grenze muss vollständig von Daesh (IS) gesäubert werden», sagte Aussenminister Mevlüt Cavusoglu vor Journalisten in Ankara – zwei Tage nach dem Massaker im südosttürkischen Gaziantep. Der türkische Ministerpräsident Binali Yildirim erklärte zudem laut Medienangaben nach einer Ministerratssitzung: «Wir können keinen kurdischen Korridor an unserer Südgrenze zulassen.»

Türkei bekämpft PKK-Ableger

Die von den USA unterstützten kurdischen Volksschutzeinheiten (YPG) in der nordsyrischen Region Manbidsch wurden am Montag vom türkischen Militär bombardiert. Die Türkei habe Stellungen rund 20 Kilometer von der Grenze entfernt beschossen, sagte ein Sprecher der Kurden in der Region, Scherwan Darwish.

Der Vormarsch der YPG, des syrischen PKK-Ablegers, ist der Türkei ein Dorn im Auge. Erst kürzlich hatte die Regierung vor einem weiteren Vorrücken der Kurden in der Region gewarnt. Ein zusammenhängendes kurdisches Gebiet an der Grenze zur Türkei könnte auch die Unabhängigkeitsbestrebungen der Kurden in der Türkei befeuern, so die Befürchtung Ankaras.

Vor allem Kinder unter den Opfern

Die Türkei macht den IS für das Attentat am Samstagabend verantwortlich, bei dem mindestens 54 Menschen getötet wurden. Unter den Opfern sind vor allem Kinder und Jugendliche. Der Sender CNN Türk berichtete, 29 der bereits identifizierten Toten seien unter 18 Jahre alt. Zweifel gibt es mittlerweile darüber, ob es sich beim Attentäter tatsächlich um ein Kind handelte, wie ursprünglich behauptet wurde.

Die Terrormiliz IS beherrscht grosse Gebiete auf der syrischen Seite an der Grenze zur Türkei. Ein weiterer grosser Teil der 911 Kilometer langen Grenze zu Syrien wird von den YPG kontrolliert.

Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

  • Zugriff trotz Warnung

    Aus Rundschau vom 24.8.2016

    Beim Sturm der Sondereinheit «Luchs» auf eine Wohnung in Malters erschoss sich im März eine 65-jährige Frau. Ein Suizid mit Ankündigung. Laut Recherchen der «Rundschau» riet der Polizeipsychologe der Einsatzleitung dringend, die Selbstmorddrohungen der Frau ernst zu nehmen und weiter zu verhandeln. Der Polizeikommandant hat die Bevölkerung im Nachhinein unvollständig über den Einsatz informiert.

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  • FOKUS: Der IS setzt auf minderjährige Selbstmordattentäter

    Aus 10vor10 vom 22.8.2016

    Die Terrormiliz IS soll in der letzten Zeit die Rekrutierung von Kindersoldaten intensiviert haben. Vermutet wird, dass sich beim Anschlag in der Türkei am Samstag ein Knabe in die Luft gesprengt hat.