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International Türkische Angriffe gegen den IS und auch gegen die PKK

In der Nacht haben türkische Kampfjets Stellungen der IS-Terrormiliz angegriffen. Auch die Kurdische Arbeiterpartei PKK wurde erstmals offiziell unter Feuer genommen. Ankara begründete sein Vorgehen als Akt der Selbstverteidigung. In der Nacht gab es Razzien und hunderte von Festnahmen.

Legende: Video Demonstranten verurteilen Angriffe auf PKK abspielen. Laufzeit 1:06 Minuten.
Aus Tagesschau am Mittag vom 26.07.2015.

Die türkische Armee hat am Freitag und in der Nacht auf Samstag neben Extremisten des Islamischen Staates (IS) auch erstmals offizielle Lager der Kurdischen Arbeiterpartei PKK angegriffen. Die Kampfflugzeuge vom Typ F-16 hoben am Freitagabend vom Luftwaffenstützpunkt Diyarbakir im Südosten des Landes ab.

Legende: Video Türkei greift PKK an abspielen. Laufzeit 1:01 Minuten.
Aus Tagesschau vom 25.07.2015.

Sie bombardierten fünf PKK-Stellungen nahe der Grenze zur Türkei, sagte ein PKK-Sprecher. Ministerpräsident Ahmet Davutoğlu erklärte, die Einsätze würde so lange fortgesetzt, wie eine Bedrohung für die Türkei bestehe. Die PKK wirft der Türkei vor, damit die seit 2013 weitgehend eingehaltene Waffenruhe gebrochen zu haben und rief ihre Anhänger zum Kampf auf.

Zuvor hatte die türkische Luftwaffe am frühen Freitagmorgen Stellungen der IS-Extremisten im Nachbarland Syrien bombardiert. Auslöser für die Militäraktionen gegen den IS war ein Selbstmordanschlag in der türkischen Grenzstadt Suruç am Montag, bei dem 32 Menschen getötet wurden.

Viel innenpolitisches Kalkül

Das harte Vorgehen jetzt auch gegen die PKK könnte politisches Kalkül der türkischen Regierung und des Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan sein, sagt ZDF-Korrespondent Luc Walpot. Der von der internationalen Gemeinschaft gefordert Kampf gegen den IS nutzt Erdoğan, um gleich mal «im eigenen Haus aufzuräumen». Dabei würden Gegner der Regierung verhaftet, rund 600 Festnahmen in den vergangenen zwei Tagen, vor allem im linken Lager und bei PKK-Unterstützern. «Bei der PKK ist es aber riskanter, denn da droht eine militärische Eskalation.»

Legende: Video ZDF-Korrespondent Luc Walpot zu den Angriffen auf die PKK abspielen. Laufzeit 2:36 Minuten.
Aus Tagesschau vom 25.07.2015.

Innenpolitisch komme die aktuelle Situation Erdoğan sogar entgegen, denn die Wahlen im Juni seien nicht so ausgegangen, wie es sich der Präsident gewünscht habe, erklärt Luc Walpot in der «Tagesschau».Erdoğans Partei AKP sei nicht so stark gewählt worden, wie er es sich gewünscht hatte, um im Parlament eine Verfassungsänderung zu erreichen, die ihn zu einer Art Superpräsidenten gemacht hätte.

«Regierungschef Davutoğlu muss nun versuchen, eine Regierungskoalition zu bilden, was schwierig ist. Eine Zuspitzung der innenpolitischen Lage könnte zu vorgezogenen Neuwahlen führen und ein Wahlsieg mit einer Erstarkung von Erdoğans Partei AKP könnte schliesslich in einer Superpräsidentschaft münden.», meint Walpot.

Die Türkei stuft die PKK als «Terrororganisation» ein, Mitglieder des bewaffneten Arms der PKK hatten sich in dieser Woche zur Tötung zweier Polizisten in der Türkei bekannt. Als Reaktion auf die jüngste Gewalt ging die türkische Polizei mit Anti-Terror-Razzien in 13 Provinzen gegen mutmassliche Extremisten vor und nahm mehrere hundert Menschen fest.

Kurden demonstrieren in Zürich mit Fahnen und Transparenten.
Legende: Auch in Zürich demonstrierten Kurden: «Internationale Solidarität mit der Bewegung in Kurdistan und der Türkei!». Keystone

Demonstrationen aufgelöst

Die türkische Polizei ist in Ankara mit Wasserwerfern und Tränengas gegen hunderte Menschen vorgegangen, die in der Hauptstadt gegen den Islamischen Staat (IS) demonstrierten. Nach Medienberichten wurden 30 Personen festgenommen. Die Demonstranten kritisierten die Regierung und verurteilten den Anschlag in Suruç, der dem IS zugeschrieben wird.

23 Kommentare

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  • Kommentar von M. Meier, Kreuzkirchen
    Unglaublich und dennoch nicht erstaunlich. Die USA unterstützen die Angriffe auf Kurden im Nordirak. Der einzige zur Zeit verlässliche Partner in dieser Region ist Kurdistan, das es seit 1920 eigentlich geben sollte. Die Alibi Angriffe auf IS sollen das eigentliche Ziel, das freie Kurdistan zu verhindern, vertuschen. Und was hört man aus Europa? Ohrenbetäubende Stille. Wie immer. Dringend: eine Weltkonferenz, die die Grenzen neu zeichnen, rep. das ehemals beschlossene umsetzt.
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  • Kommentar von m.mitulla, wil
    Das Hauptziel der Türkei ist und war es Assad zu stürzen - das kann aber im Hinblick auf den vordrängenden IS - nicht im Interesse der Minderheiten (Christen, Kurden, Alewiten, Schiiten) sein. Sollte tatsächlich Assad, wie einst Saddam Hussein im Irak, "weg" sein, dann werden noch viel grössere Probleme auf Europa zukommen, einerseits durch grössere Flüchtlingsströme und andererseits durch den Vormarsch des Terrors.
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  • Kommentar von Beat Brüggee, Altendorf
    PKK ist eine terroristische Vereinigung und der Feind der Türkei! Das darf man nicht vergessen!
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    1. Antwort von Charles Halbeisen, Bronschhofen
      Und Erdogans Staats-Terror? Ist das weniger terroristisch. Was geschieht mit politischen Gegnern Erdogans?
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    2. Antwort von Marcel Chauvet, Neustadt
      Die Kurden, wie die PKK kämpfen an vorderster Front tapfer gegen den IS. Nach dem Armeniern vergreift sich die Türkei nunmehr auch an Kurden, obwohl diese ebenso Muslime wie die Türken sind und er schwächt damit die Allianz gegen den IS. Erdogan ist unfähig sein Land im Sinne eines friedlichen Nebeneinanders verschiedener Völkerschaften zusammenzuhalten. Andererseits mischt er sich massiv in die Innenpolitik Westeuropas ein, wenn er meint, man würde den Türken dort auch nur ein Haar krümmen.
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    3. Antwort von UdoGerschler, Frankenberg
      Herr Chauvet,auf den Punkt gebracht.
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    4. Antwort von Christa wüstnet, Reinach
      Für mich ist das Völkermord an den Kurden. Und das darf man so hart sagen, wenn auch meine letzte Antwort nicht erscheinen durfte.
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    5. Antwort von Harald Girschweiler, 9500 Wil SG
      @B. Brüggee: In den Augen der EU, USA u. TK ist die PKK eine terroristische Veinigung. Wie oft haben genau diese Kreise auch schon andere terroristische Gruppen unterstützt? Denken wir nur an den Kosowo etc. Fazit: Ich lasse mir sicher nicht von diesen dreien meine Meinung zurechtbiegen und glaube auf meinem achtel Lorbeerblatt was ich will (Reinhard May)
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