UBS-Chef: Negativzinsen bedrohlicher als Pleite in Athen

Die vielbeschworene Staatspleite Griechenlands macht der Grossbank UBS offenbar kein Kopfzerbrechen. Es wäre ein «vernachlässigbares Ereignis», sagt der Präsident des Finanzinstituts, Axel Weber. Sorgen bereiten ihm aber die Negativzinsen in der Schweiz.

Axel Weber

Bildlegende: Negativzinsen problematischer als Staatspleite Griechenlands: Axel Weber. Keystone

Für die Grossbank UBS wäre eine Pleite des verschuldeten Griechenlands ein «vernachlässigbares Ereignis». Diese Risiken habe die Bank schon lange abgebaut, sagte Präsident Axel Weber.

«Ich komme gerade vom Treffen des Internationalen Währungsfonds zurück. Da lautet der Konsens zunehmend, dass ein Zahlungsausfall Griechenlands auch systemisch beherrschbar wäre», sagte Weber gegenüber der «Neuen Zürcher Zeitung».

Falsche Anreize durch Negativzinsen

Sorgen bereiten ihm hingegen die Folgen der Negativzins-Politik in der Schweiz. Sie würden falsche Anreize für Sparer und Pensionskassen schaffen. «Die niedrigen, teilweise sogar negativen Zinsen treiben diese in riskantere Anlagen».

«  Das kann auf Dauer nicht gutgehen »

Axel Weber
UBS-Präsident

Früher sei null Ertrag auf Bargeld die absolute Untergrenze gewesen. Wenn Preise wie heute fallen, sei Bargeld plötzlich gar keine so schlechte Anlage mehr. «Das kann auf Dauer nicht gutgehen», sagte Weber. Erneut mahnte er, Europa müsse seine strukturellen Probleme lösen. Dann werde auch der Druck auf den Franken abnehmen.

Weber stellte sich zudem hinter die strengeren Kapitalanforderungen für Banken. «Die Schweiz kann und sollte keine Abstriche beim Kapitalregime machen», sagte er. «Für uns ist mehr Kapital ein Wettbewerbsvorteil.» Wenn der Rest der Welt sich dem Schweizer Standard annähere, werde die ganze Welt sicherer.

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