Über 100'000 Malier flüchten ins Ausland

Der Konflikt treibt die Malier aus ihrer Heimat in die Nachbarstaaten. Und vorerst wird wohl keine Ruhe einkehren. Der UNO-Sicherheitsrat hat inzwischen das militärische Eingreifen Frankreichs in Mali gutgeheissen – einstimmig. Gar Russland und China stellen sich hinter die Operation.

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Unterstützung für Frankreich-Einsatz in Mali

1:25 min, aus Tagesschau am Mittag vom 15.1.2013

Mauretanien, Niger und Burkina Faso – das sind die Hauptaufnahmeländer von Flüchtlingen aus Mali. Das teilte das UNO-Hochkommissariat für Flüchtlinge (UNHCR) mit. Die Zahl der ins Ausland Geflohenen wird derzeit auf knapp 150'000 beziffert. Weitere 230'000 Menschen hätten zwar ihre Wohnorte verlassen, sich aber an andere Orte innerhalb Malis begeben.

Das Welternährungsprogramm teilte mit, für die Versorgung der Malier mit Lebensmitteln würden 129 Millionen Dollar benötigt.

UNO-Sicherheitsrat stärkt Frankreich den Rücken

In der Nacht stellte sich der UNO-Sicherheitsrat hinter Frankreichs Einsatz in Mali. «Alle Mitglieder haben ihre Unterstützung für die französische Position ausgedrückt», sagte der französische UNO-Botschafter nach einer Sondersitzung des Gremiums.

Alle Ratsmitglieder hätten anerkannt, «dass wir uns hundertprozentig auf dem Boden des Völkerrechts bewegen», sagte der Franzose. Die Russen hätten gelobt, dass Frankreich im Sinne der UNO-Resolutionen handele.

Frankreich fliegt seit Ende vergangener Woche Luftangriffe gegen Islamisten, die auf ihrem Vormarsch Richtung Süden die Armee des afrikanischen Landes in Bedrängnis gebracht haben. Laut Präsident François Hollande sind 750 französische Soldaten im Einsatz.

Frankreich will die Streitkräfte in seiner ehemaligen Kolonie auf insgesamt 2500 Soldaten aufstocken. Aus den Nachbarländern Malis sollen einem Interventionsplan der UNO zufolge 3300 Soldaten kommen.

Afrikanische Truppen beiziehen

Die Franzosen verlangen, dass rasch afrikanische Truppen eingesetzt werden. Deren Oberbefehlshaber, ein nigerianischer General, sei schon in der Hauptstadt Bamako.

Allerdings gelten diese westafrikanischen Truppen als wenig kampfstark. Doch mit konkreter militärischer Unterstützung hapert es. Vor allem logistische Hilfe sei zugesichert worden, etwa Transportflugzeuge. Die USA, Kanada, Grossbritannien, Belgien, Dänemark und vielleicht Deutschland haben laut Frankreich Hilfen zugesagt.

Keine Operationsbasis für die Al-Kaida

Der US-Verteidigungsminister will auch mit Geheimdienst-Informationen helfen. Al-Kaida dürfe keine Operationsbasis in Nordafrika und Mali errichten, erklärte er.

Deutschland ist nach anfänglichem Zögern ebenfalls zu logistischer Hilfe bereit. Allerdings will sich Deutschland nicht mit Kampftruppen beteiligen.

Soldaten befestigen einen Panzer in einem Flugzeug.

Bildlegende: Während sich Frankreich rüstet, flüchtet Malis Bevölkerung ins Ausland. Reuters

Entsendung von 200 EU-Militärausbildern

Die EU will so schnell wie möglich Militärausbilder nach Mali schicken. Die EU-Aussenminister wollen noch in dieser Woche über die Lage in Mali beraten. Sie werden diskutieren, ob sie rasch 200 EU-Militärausbilder nach Mali entsenden wollen.

Mit ihren Luftangriffen auf strategisch wichtige Städte im Norden haben die Franzosen nach malischen Angaben die Rebellen aus Gao, Kidal und Timbuktu vertrieben. Allerdings brachten die Rebellen am Montag die im Süden gelegene Stadt Diabali unter ihre Kontrolle.

Wie lange der französische Militäreinsatz dauern wird, ist für Frankreich unklar. Klar ist jedoch, dass wir letztlich eine politische Lösung in Mali brauchen. Frankreich unterstützt deshalb Dialog und Aussöhnung», sagte der französische Botschafter.