Über 330 Tote trotz Waffenruhe in der Ukraine

Eine Waffenruhe, die keine ist: In der Ukraine sind seit dem Beginn der Feuerpause 331 Menschen ums Leben gekommen. Kiew bittet deshalb die OSZE um zusätzliche 1500 Beobachter.

Kämpfer in Treppenhaus.

Bildlegende: Mindestens drei Zivilisten seien bei Artilleriebeschuss in Lugansk in den vergangenen 24 Stunden getötet worden. Keystone

Ungeachtet der vereinbarten Waffenruhe sind im Osten der Ukraine auch im vergangenen Monat zahlreiche Zivilisten getötet oder verletzt worden. Seit dem Beginn der Feuerpause am 6. September wurden bis zum 6. Oktober nach Angaben der Vereinten Nationen 331 Todesopfer gezählt.

Insgesamt ist die Zahl der Toten seit Beginn der Kämpfe Mitte April mittlerweile auf mindestens 3660 gestiegen, wie aus einem in Genf veröffentlichten Bericht des UNO-Büros für Menschenrechte (OHCHR) hervorgeht. Weitere 8756 Menschen seien verletzt worden.

«  «Wenn die Krise noch länger andauert, wird die Situation für viele Menschen unhaltbar» »

Said Raad al-Hussein
UNO-Hochkommissar

Mehr als fünf Millionen Menschen in der Konfliktregion müssten derzeit auf fundamentale Rechte verzichten, berichtete der UNO-Hochkommissar für Menschenrechte, Said Raad al-Hussein.

Zu Beginn des Monats zählten die ukrainischen Behörden rund 376'000 Vertriebene in der Ukraine. Viele von ihnen seien seit der Waffenruhe in ihr Zuhause zurückgekehrt, teilten die Vereinten Nationen mit. Ihren Besitz hätten sie jedoch häufig zerstört oder beschädigt vorgefunden.

Nahaufnahme al-Hussein

Bildlegende: «Die Waffenruhe ist ein sehr willkommener Schritt zur Beendigung der Krise», sagt UNO-Hochkommissar al-Hussein. Keystone

«Wenn die Krise noch länger andauert, wird die Situation für viele Menschen unhaltbar», warnte der UNO-Hochkommissar. Ihre Lebensqualität habe sich bereits rapide verschlechtert. So mussten laut der UNO fast 40'000 kleine und mittlere Unternehmen ihren Betrieb einstellen. Tausende von Personen haben kein Einkommen mehr.

Ukraine fordert mehr Überwachung

Zur Überwachung der brüchigen Waffenruhe in der Ostukraine sind aus Sicht der Führung in Kiew deutlich mehr Beobachter nötig. Präsident Petro Poroschenko bat die OSZE-Botschafter bei einem Treffen am Dienstag, mindestens 1500 Mitarbeiter ins Konfliktgebiet zu schicken.

Bislang war die der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) mit rund 200 Beobachtern vertreten. Eine Ausweitung auf 500 ist angekündigt. Zudem sollen Drohnen zum Einsatz kommen. Zwei trafen am Montag in Kiew ein. Poroschenko zufolge soll die Lieferung von mindestens 29 unbemannten Fluggeräten bis zum 13. Oktober abgeschlossen sein.

Ausländische Kämpfer in der Ostukraine

Laut dem UNO-Bericht unterstützten in den zwei Wochen vor der Waffenruhe ausländische Kämpfer die bewaffneten Gruppen der selbst proklamierten Volksrepubliken Donezk und Lugansk. Viele von ihnen seien russische Staatsbürger gewesen.

Der UNO-Hochkommissar verlangte, dass alle Menschenrechtsverletzungen sowohl von Separatistengruppen als auch der ukrainischen Armee rückhaltlos untersucht und die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen würden.

«Die Waffenruhe ist ein sehr willkommener Schritt zur Beendigung der Krise in der Ostukraine», sagte er. «Ich fordere alle Parteien dazu auf, diese ernsthaft zu respektieren und aufrechtzuerhalten und die Angriffe auf Zivilisten und die zivile Infrastruktur ein für alle Male zu stoppen.»