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Terroranschlag in Québec «Über das Motiv wissen wir bisher gar nichts»

Nach dem Anschlag in einer kanadischen Moschee haben die Behörden einen 27-jährigen Studenten angeklagt. Laut Aussagen von Bekannten vertritt er offen rechtsextreme Ansichten. Journalist Gerd Braune in Ottawa sieht in dem Anschlag einen Weckruf für die Politik.

Legende: Video Kanada: Tatverdächtiger mit rechtsextremen Ansichten abspielen. Laufzeit 01:18 Minuten.
Aus Tagesschau vom 31.01.2017.

SRF News: Was ist bisher über den Täter bekannt?

Gerd Braune: Wir wissen nicht, seit wann sich der junge Mann mit rechtsgerichteten Ideen befasst hat oder eine fremden- und einwanderungsfeindliche Haltung angenommen hat. Aber aus seinem Umfeld ist nun zu hören, dass der Besuch der französischen Nationalistin Marine Le Pen in Québec im Frühjahr vergangenen Jahres möglicherweise einen ganz starken Eindruck auf ihn gemacht haben könnte. Denn danach hat er offenbar online rechtsextreme Ideen verbreitet. Das ist bisher bekannt. Aber das war offenbar nicht genug, um die Polizei auf ihn aufmerksam zu machen, bevor er diese Tat verübt hat.

Die Opfer sind alles kanadische Muslime. Was weiss man über das Motiv der Tat?

Über das Motiv wissen wir bisher überhaupt nichts. Die Polizei muss jetzt den jungen Mann befragen. Wir wissen nur diese Bruchstücke aus seinem Werdegang und wie er sich in den sozialen Medien geäussert hat. Wir wissen aber nicht, wie es dazu kam, dass er zu dieser Tat schritt und was er denn damit nun wirklich erreichen wollte. Da müssen abwarten, was die weiteren Ermittlungen der Polizei ergeben.

Diese Tat ist ein Weckruf für die Politik.

Welche Folgen könnte nun dieser Anschlag auf die Politik Kanadas haben?

Er wird sicherlich nicht die Folge haben, dass sich die Politik völlig neu orientiert. Im Gegenteil: Alle Politiker haben im Parlament bekräftigt, dass die kanadischen Werte hochgehalten werden – Toleranz, Offenheit.

Man will ein Land sein, das weiterhin Migranten und Flüchtlinge aufnimmt und sie auch in die Gesellschaft integriert. Aber die Ereignisse zeigen, dass das Land damit eine gewaltige Aufgabe hat. Es kann sich nicht einfach zurücklehnen und selbstzufrieden sein.

In gewisser Weise ist diese Tat ein Weckruf. Wie können diese Einwanderer noch besser integriert werden; wie kann man sich den Flüchtlingen öffnen? Da gibt es viel zu tun für die kanadische Gesellschaft, für die Politik. Wir müssen sehen, wie die Diskussionen jetzt laufen und was man konkret an Massnahmen ergreifen wird.

Das Gespräch führte Claudia Weber.

Gerd Braune

Gerd Braune

Der Journalist Gerd Braune lebt seit 1997 in Ottawa. Aus der kanadischen Hauptstadt berichtet er für diverse deutsche Medien. Der Arktis gilt sein besonderes Interesse. Daneben schreibt Braune auch über Themen wie den Multikulturalismus, die Robbenjagd oder über die Rohstoffgewinnung in Kanada.

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23 Kommentare

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  • Kommentar von Niklaus Bächler (Brücken- statt Mauerbau!)
    Dieser Anschlag auf eine Moschee,verübt von einem rechtsradikalen Weißen scheint niemanden in der westlichen Welt zu interessieren.Offensichtlich ist das Leben von Muslimen nicht so viel Wert wie die eines Christen,wie wäre die mediale Abstinenz sonst zu erklären?Keine bitterbösen Anschuldigungen,man nimmt dies einfach zur Kenntnis.Es gab sogar voreilige Blogger,die wollten den Anschlag gegen die Muslime verwenden & verbreiteten Unwahrheiten,ohne Konsequenzen.Mensch ist nicht gleich Mensch!
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  • Kommentar von Niklaus Bächler (Brücken- statt Mauerbau!)
    Wo sind hier all die rechten Blogger, die sich gegen Gewalt einsetzen? Wo sind die selbstkritischen Kommentare all jener, welche gegen Muslime hetzen?Der Attentäter kommt aus der rechtsradikalen Ecke. Dies scheint offensichtlich goutiert zu werden. Welch verlogene Gesellschaft! - Keine Reaktionen, keine Verurteilungen, keine Empörung! Dies alles lässt tief blicken. Offensichtlich sind nicht alle Opfer in unserer Wahrnehmung gleich wichtig. Schäbig!
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  • Kommentar von Mark Stalden (Mark)
    Die Rechtsextremen gab es schon immer aber durch die Hetze der RP wird es wieder Salonfähig gegen Ausländer,andere Religionen und nicht Weisse zu Hetzen. Alle diese Mitläufer die Parolen ihrer Partei zum Bestengeben tragen eine Mitschuld mit ihrer Täglichen Propaganda. Es wird noch mehr solche unmenschliche Morde geben durch Rechte und ihre Mitläufer.Wir alle haben eine Stimme um die Einpartei Diktatur abzuwenden,wenn wir es nicht tun wer dann.
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