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International Überraschendes Ende eines unsäglichen Justizdramas

Selbst Experten hatten nicht damit gerechnet: Nach mehr als sieben Jahren endet der italienische Justizdrama um Amanda Knox und ihren Ex-Freund Raffaele Sollecito mit einem Freispruch. Was in der Mordnacht in Perugia wirklich geschah, bleibt auch nach dem Urteil offen.

Legende: Video Freispruch für Amanda Knox abspielen. Laufzeit 1:42 Minuten.
Aus Tagesschau vom 28.03.2015.

Mehr als zehn Stunden brauchte das Oberste Gericht Italiens, um in der spektakulären Justizsaga um die Ermordung der britischen Austauschstudentin Meredith Kercher zu einem überraschenden Urteil zu kommen. Es hat die US-Amerikanerin Amanda Knox und ihren Ex-Freund Raffaele Sollecito endgültig frei gesprochen – wegen Mangels an Beweisen. Für die Familie der ermordeten Meredith Kercher ist das ein Schock.

Tatnacht bleibt im Dunkeln

Damit kommt die Justizsaga um den Mord in Perugia nach insgesamt drei Prozessen und fünf Urteilen zu einem überraschenden Ende. Die 27 Jahre alte Knox und der vier Jahre ältere Sollecito müssen nicht ins Gefängnis – doch damit stellt sich weiter die Frage, wer Kercher im November 2007 in der italienischen Stadt Perugia ermordete. Denn was in der Tatnacht geschah, bleibt somit wohl für immer im Dunkeln.

Wieso wurde die damals 21 Jahre alte Kercher mit zahlreichen Messerstichen getötet und ihr die Kehle durchschnitten? Wieso wurde sie vergewaltigt? War es ein Streit um eine verschmutzte Toilette oder waren es ausgeuferte Sexspiele im Drogenrausch, wie zunächst vermutet? Trotz des endgültigen Urteils wird dies wohl nie abschliessend geklärt werden.

Eine Person sitzt für den Fall bereits hinter Gittern

Bisher sitzt nur der ehemalige Kleinkriminelle Rudy Guede eine Gefängnisstrafe ab. Er wurde auf der Flucht in Deutschland gefasst und später in Italien in einem Schnellverfahren zu 16 Jahren Haft wegen Beihilfe zum Mord verurteilt.

Seine Anwesenheit am Tatort ist zweifelsfrei bewiesen, doch die Richter urteilten damals, dass Guede nicht alleine gehandelt habe. Aber wer waren die Mittäter? Daran bissen sich die italienischen Richter jahrelang die Zähne aus.

Legende: Video Einschätzungen von SRF-Korrespondent Philipp Zahn abspielen. Laufzeit 0:40 Minuten.
Aus Tagesschau vom 28.03.2015.

Drei Prozesse und fünf Urteile

Grund für das Hin und Her waren auch Schlampereien am Tatort. So wurden DNA-Spuren nicht ordentlich gesichert und es wurden zwielichtige Zeugen vernommen, die ihre Aussagen später zurückzogen. Auch deshalb führte der Fall zu Irritationen zwischen den USA und Italien.

Insgesamt vier Jahre verbrachten Knox und Sollecito bereits im Gefängnis, wurden einmal freigesprochen und zweimal verurteilt. Zwar wurde Knox nun zu drei Jahren wegen Verleumdung verurteilt – die Strafe hat sie jedoch schon abgesessen.

Erleichterung bei den Freigesprochenen

Knox, von der Boulevard-Presse als «Engel mit den Eisaugen» bezeichnet, verfolgte die Urteilsverkündung des Obersten Gerichts in Rom von ihrer Heimatstadt Seattle aus. Denn seit einem Freispruch aus dem Jahr 2011 ist sie zurück in den USA. «Amanda ist glücklich, wir werden Haftentschädigung fordern», sagte Knox' Anwalt. Der Italiener Sollecito erfuhr gemeinsam mit seiner Familie in seiner Heimat Apulien von dem Freispruch.

Italiens Justiz

Jahrelange Rechtsstreitigkeiten sind in Italien nicht unüblich. Ein Fall kann ohne weiteres in mehrere Berufungen gehen. Viele Verbrechen verjähren zudem, bevor es ein rechtskräftiges Urteil gibt, weshalb die Angeklagten ohne Strafe davonkommen. Auch Prominente wie etwa Silvio Berlusconi haben von dieser Tatsache profitiert.

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11 Kommentare

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  • Kommentar von Thomas Käppeli, Guatemala Ciudad
    Wäre das Ganze nicht zum Heulen, dann zum Lachen. Ich mag Telenovelas (Seifenopern) nicht, weil sie in geradezu manischer Weise, tägliches soziale Zusammenleben ad absurdum führen. Oft jenseits jeder Realität. Es heisst aber auch: „Die Ausnahme bestätigt die Regel.“ Die italienischen Behörden haben gerade das Drehbuch zur neusten Soap Opera vollendet. Sie sollten sich wenigstens die Urheberrechte/Copyrights nicht auch noch verhühnern :-(
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  • Kommentar von M. Bolder, Muhen
    Was unterscheidet srf.ch von der Boulevard-Presse, wenn jedesmal, wenn es um Amanda Knox geht, die dunkle Metapher des «Engels mit den Eisaugen» bemüht wird?
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    1. Antwort von Redaktion SRF News
      Guten Tag, wir haben nicht die Metapher selber bemüht, sondern lediglich angemerkt, wie Amanda Knox vielfach bezeichnet wurde. Siehe: «Knox, von der Boulevard-Presse als «Engel mit den Eisaugen» bezeichnet...» Ihr SRF-News-Team
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    2. Antwort von M. Bolder, Muhen
      Das habe ich durchaus wahrgenommen. Durch das Wiederholen von Boulevard-Inhalten wird Ihr Artikel aber nicht besser, vor allem nicht, wenn es immer wieder geschieht. Verzichten Sie doch ganz auf solche Hinweise, dann wirken Ihre Artikel wesentlich seriöser. Oder hat srf.ch es nötig, immer wieder die Boulevard-Presse zu bemühen?
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  • Kommentar von Andreas Passavant, Basel
    Wer sich genauer mit dem Fall befasst, wird sehen, dass es zwar keine Beweise, aber viele schwerwiegende Indizien gibt, die Knox stark belasten und die nie adäquat erklärt werden konnten. Dieses Urteil ändert nichts daran ob sie es getan hat oder nicht. Das haarsträubende an dieser ganzen Geschichte ist jedoch nicht die Propagandaschlacht um Knox, sondern die unsaubere Arbeitsweise der Ermittler und Staatsanwälte. Es ist ihnen zuzuschreiben, dass Knox nun freigesprochen werden musste.
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    1. Antwort von Ulrich Kerbel, Zürich
      NEIN! Es ist ihnen anzulasten, dass der Fall nicht geklärt wurde! Die Ermittler haben geschlampt und unsauber gearbeitet. Hätten sie alles richtig gemacht, würde heute eventuell feststehen, wer die Tat gemacht hat. Unter Umständen hätte der Freispruch von Knox bestätigt werden können.
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