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International Überraschung, Ratlosigkeit und Sorge

Die Griechen reagieren mit Überraschung, Ratlosigkeit und Sorge auf die Ankündigung eines Referendums ihres Ministerpräsidenten Tsipras. Viele Griechen haben Angst vor der Ungewissheit, was nach der Volksabstimmung geschieht.

Lange Schlangen vor den Geldautomaten Athens und des ganzen Landes.
Legende: Anzeichen der Furcht: Lange Schlangen vor den Geldautomaten Athens und des ganzen Landes. Keystone

Vor den Geldautomaten in Athen und Thessaloniki bildeten sich lange Schlangen, ebenso an den Tankstellen. Die beiden Geldautomaten im griechischen Parlament waren komplett geleert, wie mehrere Quellen der Nachrichtenagentur AFP berichteten. Auch spuken bereits einige Bankautomaten in Thessaloniki kein Geld mehr aus. Dafür wurde die Schlange vor der Nationalbank immer länger.

Legende: Video Werner Van Gent: «Run auf Banken ist enorm» abspielen. Laufzeit 03:04 Minuten.
Aus Tagesschau Spätausgabe Wochenende vom 27.06.2015.

«Ich habe einen Laden. Ich brauche das Geld, um ihn am Laufen zu halten», sagt eine der Wartenden, die 42-jährige Maria Kalpakidou. «Wenn wir bis 4. Juli kein Abkommen haben, wird unser Bankensystem zusammenbrechen», glaubt sie und fügt hinzu: «Wir kennen die Drachme, wir hatten sie schon einmal».

Der 52-jährige Nikos stimmt ihr zu: «Es gibt eine Menge Angst vor dem, was passieren wird». Er habe beim letzten Mal Syriza gewählt, sagt er: «Aber wir haben für sie gestimmt, damit sie entscheiden, und nicht, damit sie die Verantwortung uns übertragen».

wir haben für Syriza gestimmt, damit sie entscheiden, und nicht, damit sie die Verantwortung uns übertragen
Autor: NikosLaden-Besitzer

Giannis Monogios, ein junger Händler, ist genervt: Die Regierung sei «unverantwortlich und heuchlerisch», schimpft er. «Was bedeutet schon ein Ja oder Nein zu Massnahmen, wenn wir die Konsequenzen nicht kennen?» Auch Amalia Notara hält die Regierung für feige: das Referendum sei eine «indirekte Form, Nein zu sagen, ohne die Verantwortung zu übernehmen».

Griechenland hat keine Übung mit Referenden, das letzte liegt mehr als vierzig Jahre zurück. Damals, am 8. Dezember 1974, sollte die Bevölkerung zwischen Monarchie und Republik wählen, sie entschied sich für die Republik.
Taxifahrer Anastrasios Marcatos ärgert sich: «Das ist ja toll, dass sie uns jetzt nach unserer Meinung fragen. Als wir Europa beigetreten sind, hat uns niemand gefragt».

Euro oder Drachmen?

So einig sich die Menschen auf der Strasse in ihrer Ablehnung des Referendums sind, so uneins sind sie darüber, wie sie sich entscheiden sollen.
Vor einem Kiosk in Athen steht der Informatiker Takis Bezaitis und studiert die Schlagzeilen der Zeitungen. «Euro oder Drachme» titelt die rechtsgerichtete «Eleftheros Typos». Bazaitis lacht: «Den Schweizer Franken», sagt der 40-Jährige. Dann wird er ernst. Die Wahl zwischen Ja und Nein lasse ihn ratlos, sagt er: «Für beide Seiten gibt es gute Argumente».

Anwältin Notara will für die Sparmassnahmen der Gläubiger stimmen. Ein Nein, so fürchtet sie, werde Griechenland in den Bankrott führen und auf viele Jahre isolieren. Giorgos dagegen will mit Nein stimmen: «Die wollen uns nur reinlegen, das lassen wir nicht mit uns machen», sagt der 27-Jährige. Er verdächtigt die grossen Länder, die Kontrolle über Griechenland übernehmen zu wollen.

«Für uns kommt es auf dasselbe heraus»

Damit ist Giorgos einer Meinung mit der linksgerichteten Zeitung «Efimerida ton Syntakton»: «Sie wollen, dass wir eine Kolonie werden», titelt das Blatt und ersetzt in einer Karikatur den griechischen Sitz in der Eurogruppe durch einen Elektrischen Stuhl.

Viele Griechen aber sind nach den jahrelangen Diskussionen und immer neuen Sparmassnahmen nur noch müde. Sie glauben schon lange nicht mehr an eine bessere Zukunft - wie Dimitris Darras, einer der vielen Arbeitslosen in Athen: «Ob die Lösung, für die wir uns entscheiden, schlecht sein wird oder sehr schlecht, für uns kommt es auf dasselbe heraus», sagt er und zuckt fatalistisch mit den Schultern.

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16 Kommentare

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  • Kommentar von Rolf Künzi, Winterthur
    Nun die Griechen pokern bis zum Schluss, nur in Argentienien oder anderswo gab es ja auch schon solche Wechsel von einer Währung zu einer billigeren. Das kann dann sehr schnell die Wirtschaft extrem anregen da die Produkte extrem günstig sind. Der Tourismus würde wohl explodieren und falls man Produkte anzubieten hat auch diese sehr nachgefragt. Es ist also nicht alles nur düster bei einem Ausstieg, nur die Übergangszeit wäre eher unangenehm. Die EU hat also sehr wohl etwas zu verlieren.
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    1. Antwort von A.Käser, Zürich
      R.K./Auch die inländische Bauindustrie(Infrastrukturen,etc.)würde davon profitieren.Unterhalt,Umbauten,Neubauten von Ferienhäuser,Hotels,etc.Parallel dazu mit der MWSt.runterfahren.Würde die inländische Kaufkraft und den Konsum durch Touristen anreizen,erhöhen.
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  • Kommentar von Reto v.Gunten, Thun
    Gutes Beispiel dafür, dass man ein Volk mit gewissen Entscheidungen völlig überfordern kann. Die Griechen geben das wenigstens zu und meinen nicht, sie seien alle Politprofis, wie bei uns jeder Stammtischler, der gerade mal 1+2 zusammenzählen kann. Nicht einmal die Fachleute können vorhersagen, was bei welcher Entscheidun passiert, wie soll denn das Volk das beurteilen. Riesensauerei einer unfähigen, feigen Populisten-Regierung.
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    1. Antwort von Jürg Sand, Zürich
      Ja, Herr von Gunten, wenn nicht einmal "Fachleute" wissen was falsch oder richtig ist, dann kann ja genau so gut das "Volch" entscheiden, es trägt ja auch die Folgen!
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    2. Antwort von m.mitulla, wil
      Ja, so sieht das Demokratieverständnis der "EU-Fans" aus, R.v.Gunten. Die Technokraten und gut verdienenden Verwaltungsangestellten in Brüssel stellen politische Regeln auf, welche Investoren und Wirtschaft schützen - hingegen ärmere teile der Bevölkerung ausbluten lässt. Aktuellste Forderung: Minimalrente kürzen von 250 auf 225 €! Die Trioka sollte für die Griechische Volksabstimmung mit den Details herausrücken... Das würde wahrscheinlich vieles in einem anderen Licht erscheinen lassen.
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    3. Antwort von S. Meier, Adliswil
      Dies Fachleute die sie erwähnen erhalten aber meist eine sehr sehr gute Entschädigung für ihr Nichtwissen. Man sollte eine Bevölkerung nicht immer als dumm hinstellen, Herr v.Gunten.
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  • Kommentar von R.Anderegg, Zürich
    Es geht nicht darum, ob das griechische Volk über so etwas entscheiden kann oder nicht, sondern um den Zeitpunkt, da Herr Tsipras reichlich spät kommt mit diesem Vorschlag. Besser wäre es wenn Griechenland endgültig Pleite geht, Schluss mit diesem dummen Theater, lieber ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende, Argentinien verschwand nach der Staatspleite auch nicht von der Landkarte.
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