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International Überwältigende Mehrheit: Slowenen verbieten die Homo-Ehe

Rückschlag für Homosexuelle in Slowenien: Bei einem Referendum zur Einführung der gleichgeschlechtlichen Ehe hat sich die Mehrheit der Abstimmenden für die Rücknahme eines entsprechenden Gesetzes ausgesprochen. Opposition und Kirche hatten die Abstimmung erzwungen.

Aktivisten warten auf Resultate
Legende: Enttäuschung bei Aktivisten: Die Mehrheit der Slowenen stimmte gegen gleichgeschlechtliche Eheschliessungen. Keystone

Slowenien schafft die Ehe für gleichgeschlechtliche Paare wieder ab. 63,12 Prozent der Abstimmenden votierten gegen die Gleichstellung homosexueller Paare, wie die Wahlkommission in Ljubljana nach der Auszählung fast aller Stimmen mitteilte. Die Befürworter der Homo-Ehe konnten 36,88 Prozent der Stimmen auf sich vereinen.

Bei dem Referendum wurde darüber abgestimmt, ob ein im März vom slowenischen Parlament beschlossenes Gesetz zur Einführung der Homo-Ehe umgesetzt oder annulliert werden soll. Die Abstimmung war von der rechtsgerichteten Opposition und der Kirche initiiert worden.

An dem Referendum beteiligten sich nur 35,65 Prozent der Wahlberechtigten. Damit wurde aber das für die Gültigkeit des Volksentscheids notwendige Quorum von mindestens 20 Prozent der Wahlberechtigten erreicht.

Niederlage für Regierung

Slowenien war das erste Land im früheren kommunistischen Ostblock, das die Ehe für homosexuelle Paare öffnete. Für das entsprechende Gesetz stimmte im Parlament im März eine grosse Mehrheit aus linken Abgeordneten und Abgeordneten der zentristischen Partei von Ministerpräsident Miro Cerar.

Das Gesetz regelte neben der Möglichkeit der Eheschliessung auch, dass Schwule und Lesben gleich wie Heterosexuelle Kinder adoptieren dürfen.

Vor allem an diesem Punkt störten sich die Gegner des Gesetzes. Sie sammelten die nötigen 40'000 Unterschriften, um einen Volksentscheid herbeizuführen. Dem hielten Regierungsanhänger entgegen, Slowenien schaffe mit einem Nein eine «Diskriminierungsgesellschaft».

In dem im März verabschiedeten Gesetz hiess es, die Ehe sei eine «Verbindung zwischen zwei Menschen ungeachtet ihres Geschlechts». Künftig müssen sich Schwule und Lesben in Slowenien wieder mit einer eingetragenen Lebenspartnerschaft zufrieden geben. Das ist schon seit mehreren Jahren möglich.

Homo-Ehe in mehreren europäischen Staaten

Gleichgeschlechtliche Ehen sind bislang von mehr als zwei Dutzend Staaten in Europa erlaubt worden. Die Niederlande waren 2001 mit der weltweit ersten standesamtlichen homosexuellen Ehe der Vorreiter.

Seitdem folgten Länder wie Belgien, Dänemark, Schweden und Finnland, aber auch grosse Flächenstaaten wie Frankreich und Grossbritannien im Jahr 2013. Selbst in vorwiegend katholischen Ländern wie Spanien (seit 2005) und Portugal (seit 2010) dürfen Schwule und Lesben im Standesamt die Ehe schliessen.

In der Schweiz können gleichgeschlechtliche Paare bislang nur eine eingetragene Lebenspartnerschaft eingehen, die der Ehe rechtlich nicht gleichgestellt ist.

20 Kommentare

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  • Kommentar von m. mitulla (m.mitulla)
    Vielleicht brauchen doe osteuropäischen Länder noch etwas mehr Zeit, um alla Freiheiten uneingeschränkt zu tolerieren. Bei uns ist die Besserstellung gleichgeschlechtlicher Paare auch noch nicht lange her... Ich finde, wir sollten allen Völkern genug Zeit lassen, ihre Kultur eigenständig zu entwickeln. Wir beanspruchen das schliesslich für uns selber auch. Alles andere ist Diktatur.
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  • Kommentar von Peter Escher (Peter)
    Hanspeter Ritter / ".. rechtsstaatliche VERNUNFT .." ? - um Himmels Willen .. !
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  • Kommentar von Christian Szabo (C. Szabo)
    Zuerst ist es eine demokratische Entscheidung. Im Kern ging es um das Adoptionsrecht für Homopaare. Das ist nach wie vor ein heikles Thema, dass bei vielen Menschen alte Instinkte auslöst, die auch von der Kirche gerne bedient werden. Leider hat die Kirche trotz ihrer Verfehlungen in gewissen Kreisen nach wie vor grossen Einfluss. Solche Entscheidungen sind auch Gefühlen unterworfen, die selten rational sind. Soziale Entwicklungen brauchen manchmal viel Zeit für allgemeine Akzeptanz.
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