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International Ukraine: Bürgerkrieg oder ein Ende der Krise?

Das Land steht vor der Staatspleite, die Krim ist schon weg und der Osten strebt nach Unabhängigkeit. Keine einfache Ausgangslage für den Job des künftigen Präsidenten der Ukraine. Dennoch stellen sich 21 Kandidaten zur Wahl mit unterschiedlichsten Siegeschancen.

Die Ukraine steht vor einer Schicksalswahl. Bürgerkrieg oder ein Ende der Krise. Sämtliche Bemühungen, den Konflikt am Runden Tisch zu lösen, blieben bislang erfolglos.

Die Menschen in der Ukraine wollen keinen Krieg und sehnen sich nach einem besseren Leben.
Autor: Christof FranzenSRF-Korrespondent

«Viele Menschen im Land verbinden die Wahl mit der Aussicht auf ein besseres Leben und auf wirtschaftlichen Aufschwung», sagt SRF-Korrespondent Christof Franzen. Der Staat steht finanziell am Abgrund, seit Ausbruch der Krise hat der Griwna stark an Wert verloren und die Lebenshaltungskosten sowie Importe und Gaspreis haben sich massiv verteuert.

Favorit Poroschenko

Wer soll nun das Land aus der Krise führen? Die besten Aussichten hat derzeit Pjotr Poroschenko. Einige Umfragen sagen dem Süsswaren-Fabrikant sogar einen Wahlsieg in der ersten Runde voraus.

Der 48-Jährige war der einzige Oligarch im Land, der sich von Janukowitsch distanzierte und klar hinter die pro-europäische Protestbewegung vom Maidan stellte. Sein Fernsehsender Kanal 5 bot den Demonstranten im Gegensatz zum Staatsfernsehen ein Forum.

Der ehemalige Wirtschafts- und Aussenminister steht klar für einen pro-westlichen Kurs und eine Normalisierung der Beziehungen zu Russland. Den Neustart der Politik sollen Parlamentswahlen im Herbst garantieren.

Legende: Video Die Ukraine vor der Präsidentenwahl abspielen. Laufzeit 1:55 Minuten.
Aus Tagesschau vom 24.05.2014.

Timoschenkos Chancen stehen schlecht

Die frühere Ministerpräsidentin Julia Timoschenko liegt zwar in den Umfragen auf Platz zwei, eine Siegeschance räumt Franzen der einstigen Ikone der Orangen Revolution aber nicht ein. «In der Ukraine gilt sie als Frau von gestern». sagt Franzen. Einen Neustart unter ihrer Führung trauen Timoschenko nur wenige zu.

Auf Platz drei liegt Sergej Tigipko. Auch er verfügt über Regierungserfahrung. Das frühere Mitglied der Partei der Regionen, die einst von Janukowitsch geführt wurde, tritt als unabhängiger Kandidat an.

Der 44-jährige Geschäftsmann und frühere Gouverneur der ost-ukrainischen Stadt und Region Charkow, Michailo Dobkin, ist der Kandidat der Partei der Regionen. Er hat die Proteste auf dem Maidan in Kiew scharf kritisiert und stellt die Legitimität der Übergangsregierung in Frage.

Sein Wahlkampf wurde finanziert vom reichsten Mann der Ukraine, dem Kohle- und Stahlmagnaten Rinat Achmetow, der zuletzt auch die Aktionen pro-russischer Separatisten verurteilte und Proteste gegen sie organisierte.

Grösste Beobachtermission der OSZE

Die Schicksalswahl in der Ukraine findet aber unter schwierigen Umständen statt. Im Osten des Landes wird noch immer gekämpft und die selbsternannte Republik Donbass erkennt die Wahl nicht an, will sie sogar verhindern.

Die Übergangsregierung in Kiew will mit einem Grossaufgebot von Sicherheitskräften für einen geordneten Ablauf der Wahl sorgen. 55'000 Polizisten und 20'000 Freiwillige wurden dafür aufgeboten. Die OSZE begleitet den Urnengang mit der grössten Mission ihrer Geschichte. Mehrere tausend Beobachter sollen Wahllokale und Urnen überwachen.

Der Schlüssel liegt in Moskau

Für viele Experten wird der Neustart der Ukraine nicht von den 35 Millionen Wahlberechtigen entschieden, sondern in Russland. Zwar ordnete Putin einen Truppenrückzug an, äussert aber gleichzeitig Zweifel an der Legitimität der Wahl.

Es werde für Russland schwer, Beziehungen zu einer ukrainischen Führung aufzubauen, die in einer Zeit wachsender Spannungen an die Macht komme, sagte Putin am Mittwoch während seines China-Besuchs in Shanghai.

«Mit seiner abwartenden Haltung behält sich Putin sämtliche Optionen offen», analysiert Christof Franzen. «Kommt es tatsächlich nach dem 25. Mai zu Parlamentswahlen und einer neuen Regierung, wird die Berücksichtigung des Ostens eine entscheidende Rolle spielen.»

Tweets zur Lage in der Ukraine

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22 Kommentare

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  • Kommentar von F.Riedo, Bern
    Europa und deren Bürger brauchen keine westlich orientierte Ukraine. Vielleicht die Wirtschaftsbosse, welche auf der Suche nach noch billigeren Arbeitskräften und Lohndumping sind. Auch kulturell und gesellschaftlich gehört die Ukraine keinesfalls zu Mittel- und Westeuropa, wie es die EU Politiker ihren Bürgern vorgeben. EU, Hände weg von der Ukraine, keine Partnerschaften etc. und morgen wird in der Ukraine Frieden einkehren. Die ukrainischen Bürger brauchen Frieden und keine EU und umgekehrt.
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  • Kommentar von S. Meier, Adliswil
    Transparente Wahlurnen! War da nicht mal was......?
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    1. Antwort von Lucas Kunz, Sallneck
      Ja da war mal was, und das hatte sich damals auch geklärt. Gläserne Wahlurnen mit eingeworfenen Couverts, welche Wahlzettel enthalten, die in Wahlkabinen ausgefüllt wurden - ganz im Gegensatz zu der "Wahl" in der Ostukraine, wo es gläserne Urnen, keine Wahlkabinen, dafür neben der Urne stehende Maskierte mit Maschinengewehren, keine Couverts und nur offene Wahlzettel - also alles in Allem eine Nicht-geheime Wahl. Eine Farce!
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    2. Antwort von W. Helfer, Zürich
      L. Kunz. Völliger Quatsch. Die fehlenden Couverts wurden zwar bemängelt, aber das hat die Leute nicht gestört. Es waren zahlreiche Wahlbeobachter aus VIELEN Ländern vor Ort. Übrigens wurde auch die OSZE eingeladen, aber Die lehnten ab, weil die Einladung nicht von Kiew kam. Und die bewaffneten Sicherheitskräfte haben lediglich die WählerInnen vor Übergriffen der Schlägertrupps aus Kiew geschützt. Sie standen übrigens vor den Gebäuden. Das Volk hat so entschieden u das sollte man akzeptieren!
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    3. Antwort von S. Meier, Adliswil
      Lucas Kunz, Auf Twitter habe ich gelesen, dass auch bei dieser Wahl, bewaffnete "Sicherheitskräfte" vor den Lokalen im ganzen Land nötig waren????
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    4. Antwort von Lucas Kunz, Sallneck
      Herr Helfer, also es gab genügend Bildbeispiele in den Medien - von einer geheimen Wahl zu sprechen, ist einfach nur Hohn - stellen Sie sich mal vor, so würde auch nur eine Wahl in der CH abgehalten werden! War eine Wahl, wie sie in Diktaturen anzutreffen ist - mit bekanntem Wahlergebnis von 100% minus ein paar Schönheitszerquetschte lange im Voraus.
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    5. Antwort von W. Helfer, Zürich
      L. Kunz. Ich habe nicht von einer geheimen Wahl gesprochen sondern, dass es die Leute nicht gestört hat. Sie wollten einfach weg von der gefährlichen, antirussischen "Regierung" in Kiew. Das ist nun wirklich schon längst erwiesen und sie sind dankbar, dass man ihnen das Selbstbestimmungsrecht gegeben hat, zu wem sie gehören wollen.
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    6. Antwort von Lucas Kunz, Sallneck
      Herr Helfer, woher wollen Sie denn wissen, ob's nicht uferlos viele Leute massiv gestört hat? Meinen Sie, man will an die Urne gehen und sich danach massakrieren lassen? Fragen Sie sich mal, weshalb die Vermummten keine geheime Wahl, welche internationalen demokratischen Standards gerecht wird, abgehalten haben! Und fragen Sie sich einmal, weshalb sie die heutige Wahl unterbunden haben ...
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  • Kommentar von Elena Althaus, Bern
    Dort sind keinen "Prorussische Separatisten" sondern sind die Menschen, die mit neuen proukrainischen Regierung in Kiew nichts zu tun haben wollen !!! Dort sterben junge Leute, die nicht einmal schissen gelernt haben, nur weil sie Ihren Nächsten schützen wollen! Und kein Putin kann Ihnen helfen. Sie haben nicht mehr genug Medikamenten zum Versorgung, sauberes Wasser und essen. Dort wurde richtiges Bürgerkrieg ausgelöst.
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    1. Antwort von UdoGerschler, Frankenberg
      Solange die Division Galizien marschiert und wie am 28.04.2014 feiert, wird keine Ruhe einkehren.
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    2. Antwort von Juha Stump, Zürich
      @Udo Gerschler: Solange Sie keine klaren Beweise vorbringen, sollten Sie mit solchen ungeheuerlichen Beschuldigungen sehr vorsichtig sein. Ich habe es langsam satt, dass alles, was von einer gewissen Linie abweicht, gleich mit dem Faschismus in Verbindung gebracht wird. Oder gehören auch Sie zu denen, die es immer noch nicht überwinden können, dass die "progressive" Seite bei der "Wende" den ideolgischen Krieg verloren hat? Dann leben Sie auch hier im Forum in "guter" Gesellschaft.
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    3. Antwort von W. Helfer, Zürich
      J. Stump. Könnten Sie sich auch mal zur aktuellen Situation in der Ukraine äussern? Sie haben doch angeblich Freunde dort. Was sagen Sie u Ihre Freunde zu den Massakern z.B. auf dem Maidan, in Odessa u Mariupol? Oder zu den rechtsextremen Prawi u Swoboda u deren weiteren Anhängern, welche kräftig von Kiew, resp. der USA/NATO unterstützt werden?
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    4. Antwort von UdoGerschler, Frankenberg
      @Stump Einfach mal im Netz eingeben und lesen.
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