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International Ukraine-Krise: Es droht eine diplomatische Eiszeit

Die Verhandlungen zwischen Moskau und Kiew drohen zu scheitern. Der bevorstehende Lieferstopp von russischem Gas und der Abschuss eines ukrainischen Militärflugzeugs durch pro-russische Separatisten lassen eine baldige Entspannung der Krise in die Ferne rücken.

Legende: Video «Verhandlungen in der Ukraine drohen zu scheitern» abspielen. Laufzeit 0:53 Minuten.
Aus Tagesschau am Mittag vom 15.06.2014.

Es sind gleich mehrere Fronten, an denen die Beziehungen zwischen Russland und der Ukraine einer Zerreissprobe unterstellt werden. Da ist der Streit um ausstehende Zahlungen Kiews an den russischen Energiekonzern Gazprom, welche erneut ergebnislos vertagt wurden. Wird bis morgen keine Einigung erzielt, droht ein Lieferstopp.

Gleichzeitig haben pro-russische Separatisten mit dem Abschuss einer Militärmaschine der ukrainischen Regierung einen herben Schlag versetzt. Beim Angriff kamen 49 Menschen ums Leben. Vor der russischen Botschaft in Kiew kam es zu Ausschreitungen, als wütende Ukrainer gegen die Regierung im Nachbarland demonstrierten.

Umgekehrte Autos an einer Demonstration in Kiew.
Legende: Wütende Ukrainer demonstrierten vor der russischen Botschaft in Kiew. Reuters

Ende der diplomatischen Beziehungen?

Kiew macht Russland indirekt für die Attacke verantwortlich, da es Moskau vorwirft, die Separatisten mit Waffen und Ausrüstung zu beliefern. Die Ukraine hat Russland mit einem Abbruch der diplomatischen Beziehungen gedroht.

Falls Russland weiterhin zur Verschärfung der Lage im Osten der Ex-Sowjetrepublik beitrage, müsse die Ukraine zu diesem «äussersten Mittel» greifen, sagte Aussenminister Andrej Deschtschiza in Kiew. Er wünsche sich dies aber nicht, denn sonst würden wichtige Gespräche mit Moskau noch schwieriger werden.

Russland verhindere aber nicht, dass über die gemeinsame Grenze Verstärkung für die Aufständischen gelange. Der Sicherheitsrat in Kiew werde daher am Montag über eine Schliessung der Grenze beraten, sagte Deschtschiza.

Russland bestreitet derweil mit Nachdruck, Einfluss auf die Aufständischen im Nachbarland zu haben.

Keine Schonfrist für Poroschenko

Unter hohem Druck steht derweil der frisch gewählte Präsident der Ukraine, Petro Poroschenko. Der Präsident strebt ein engeres Verhältnis zu Moskau an, während Stimmen in seinem Umfeld immer lauter werden, die eine Verhängung des Kriegsrechts in den umkämpften Gebieten Lugansk und Donezk fordern.

Die ukrainischen Truppen haben derweil mit tagelangen Luftangriffen auf Stellungen militanter Gruppen ihre Offensive fortgesetzt. Bei einem Angriff auf Kramatorsk seien mehr 50 Separatisten getötet und etwa 150 verletzt worden, sagte Armeesprecher Wladislaw Selesnjow.

Viele der Kämpfer stammten aus dem benachbarten russischen Konfliktgebiet Nordkaukasus. Über die Opferzahlen hatte es in der letzten Zeit aber häufig abweichende Angaben gegeben.

14 Kommentare

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  • Kommentar von Felix Buchmann, Bättwil
    Die Gerüchteküche brodelt, die Propagandamaschine läuft auf Hochtouren.... Wem soll das etwas bringen? Sicher nicht der ukrainischen Bevölkerung, die dringend Frieden und Stabilität braucht, um sich an den Aufbau des in den Janukowitsch-Jahren vor die Hunde gegangenen Landes machen zu können!
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  • Kommentar von Roger Stahn, Fraubrunnen
    Noch zu Ihrem "russischen Sommermärchen"[sic] Herr Stump. Wie Sie ersehen können, habe ich die Namen der freiberuflichen Journalisten in Klammern angegeben. Frau Bauchina wurde vormals bei ZEIT ONLINE kalt gestellt, weil sie vormals 4 Monate für die Stimme Russlands (Radio) gearbeitet hat («Code of Ethics»). Zusammen gründeten sie nun den crowdfinanzierten und das unabhängige Presseprojekt FACES of Ukraine. Aktuell befinden sie sich in der Ukraine und liefern Informationen aus erster Hand.
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  • Kommentar von Roger Stahn, Fraubrunnen
    Wie wäre wohl die Empörung im Westen, wenn es sich um eine US-Botschaft handeln würde? Und eine Stimme aus dem Osten: Swetlana erzählt von einer humanitären Katastrophe in Slawjansk und von älteren Menschen, ihren Nachbarn, denen in der verwüsteten Stadt ein hungriger und bitterer Tod bevorsteht. "Wie kann man nach dem Ganzen in einer vereinten Ukraine leben?", fragt ihr Mann. "Kiew bombardiert die Zivilbevölkerung und Europa schweigt." (Alisa Bauchina und Simon Erhardt 15.06.2014)
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    1. Antwort von Juha Stump, Zürich
      Angesichts dessen, was geschehen ist, finde ich die Reaktion der Krawallanten sogar noch gemässigt. Sie hätten die Botschaft auch mit Brandbomben bewerfen können, schliesslich herrscht jetzt KRIEG - so sehen das auch die vermummten pro-russischen Banditen im Osten, die diesen Krieg begonnen haben. - Was Sie unten beschreiben, ist ein weiteres russisches Sommermärchen, und falls es doch stimmt, sei nochmals in Erinnerung gerufen, wer dort mit den Kämpfen begonnen hat - siehe oben.
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    2. Antwort von Roger Stahn, Fraubrunnen
      Die Reihenfolge ist eine andere Herr Stump, beim Sturz von Janukowitsch bezahlten über 100 Menschen mit ihrem Leben, umgebracht von "unbekannten" Scharfschützen. Aufgeklärt ist es bis heute nicht. Am nächsten Tag protestierten die Bevölkerung im Süden und Osten gegen die illegitime Übergangsregierung in Kiew, mit der sie überhaupt nicht einverstanden waren. Dann formierte sich bewaffneter Widerstand gegen die losgeschickten ukrainischen Streitkräften, die später durch ATO intensiviert wurde...
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    3. Antwort von Roger Stahn, Fraubrunnen
      Wie finden Sie denn die verbalen Aussetzer (Fäkalsprache) vom ukrainischen Aussenminister Andrej Deschtschiza im Gespräch mit den Protestanten vor der russichen Botschaft? Laut der Nachrichtenagentur Reuters sagte er: "Ja, Putin ist ein A..., ja" und MP Nikolay Rudkovsky liess sich von den Protestanten überreden ein Stein gegen die Botschaft zu werfen. Finden Sie das alles auch gemässigt, und was ist mit den Hitlerkreuzen auf Autos und Wänden, Herr Stump?
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    4. Antwort von c.jaschko, Bern
      Herr Stumpf ich zumindest habe Sie ganz und total verstanden: Die Ukrainer die Ukrainische Polizisten erschossen haben "auf dem Maidan" sind Helden. Die Ukrainer die danach das Grundrecht auf eigene Sprache um die 25 Milionen nicht Ukrainern abgenommen haben sind auch Helden. Die Ukrainer die jetzt die eigenen Landsleute die sie als "nicht Ukrainer ansehen" mit schweren Waffen in Kaltblut vertreiben sind auch Helden. Ich sende meine Liebe zu Ihnen und allen Russen & allen Ukrainern!
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