Ukraine: Tote nach Waffenabzugs-Vereinbarung

In Berlin haben sich die Aussenminister Russlands und der Ukraine auf den Abzug schwerer Waffen aus der umkämpften Zone geeinigt. Derweil starben bei einem Granateinschlag an einer Bushaltestelle in Donezk mehrere Menschen. Die Konfliktparteien machen sich gegenseitig dafür verantwortlich.

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Neun Tote bei Granatenangriff auf Bus

1:07 min, aus Tagesschau vom 22.1.2015

In der ostukrainischen Stadt Donezk sind beim Einschlag einer Granate an einer Bushaltestelle zahlreiche Zivilisten getötet worden. Die prorussischen Aufständischen sprachen von mindestens neun Toten und neun Verwundeten.

Wer hat geschossen?

Sie machten die Armee für den Beschuss verantwortlich. «Das Feuern auf zivile Ziele und der Tod friedlicher Bürger erschweren die Gespräche mit der Regierung in Kiew», sagte Denis Puschilin, ein Separatistenvertreter.

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Einschätzungen von Peter Gysling, SRF-Korrespondent in Moskau

12 min, aus Tagesschau vom 22.1.2015

Die ukrainische Regierung spricht von 13 Toten und macht ihrerseits die prorussischen Rebellen für den Beschuss des Busses verantwortlich. Der Oberleitungsbus sei von Separatisten beschossen worden in einem Stadtviertel, in dem es bislang keine Kämpfe gegeben habe, hiess es in einer Erklärung des ukrainischen Verteidigungsministeriums.

Der Ort liege mehr als 15 Kilometer von den Gebieten entfernt, in denen ukrainische Truppen gegen prorussische Rebellen kämpften. «Alle Fakten» deuteten darauf hin, dass Separatisten aus von ihnen besetzten Wohngebieten in Donezk auf Zivilisten geschossen hätten, erklärte das Ministerium weiter.

Keine schweren Waffen mehr

In Berlin hatten erst am Vorabend die Aussenminister von Deutschland, Russland, der Ukraine und Frankreich den Abzug schwerer Waffen aus der Krisenzone vereinbart. Puschilin kritisierte das Treffen: «Einerseits sollen wir in Verhandlungen eintreten, andererseits unternimmt Kiew alles, damit der Friedensprozess abbricht.»

Ausgehend von einer Demarkationslinie sollen die Regierungstruppen und die Separatisten jeweils 15 Kilometer weit ihre Waffen mit einem Kaliber von mehr 100 Millimetern abziehen. Dadurch soll ein insgesamt 30 Kilometer breiter entmilitarisierter Korridor entstehen. Darauf hatten sich die Konfliktparteien im September in der weissrussischen Hauptstadt Minsk geeinigt.

Zweiter Anlauf für entmilitarisierte Zone

Allerdings war der Plan damals nicht umgesetzt worden. Die Berliner Vereinbarung liesse nun neue Hoffnung aufkommen, sagt SRF-Korrespondent Peter Gysling. «Man hat in äusserst schwierigen Verhandlungen gestern Abend bestätigt, was in Minsk bereits verbindlich vereinbart worden war.»

Die Kontaktgruppe unter der Leitung der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) solle sich nun so schnell wie möglich treffen, um das weitere Prozedere zu vereinbaren. Zudem solle diese mehrere Arbeitsgruppen einrichten, die sich mit den wichtigsten noch offenen Fragen befassten.

Flughafen weiter hart umkämpft

Bei heftigen Gefechten am zerstörten Flughafen von Donezk starben unterdessen den Konfliktparteien zufolge mindestens acht Aufständische und sechs Armeesoldaten. Etwa 16 Militärangehörige seien zudem verletzt worden, teilte das Verteidigungsministerium in Kiew mit. Auf Seiten der Aufständischen seien bei den Kämpfen an dem strategisch wichtigen Airport ebenfalls rund 16 Menschen verletzt worden, sagte Separatistensprecher Eduard Bassurin.