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International Ukrainische Armee in «voller Kampfbereitschaft»

Im Osten der Ukraine demonstrierten Tausende für einen Anschluss der Region an Russland. Pro-russische Demonstranten haben in der Stadt Donezk ein weiteres Gebäude stürmen wollen. Die Regierung führt derweil die Wehrpflicht wieder ein.

Rund 300 pro-russische Demonstranten wollten das Gebäude der Regionalstaatsanwaltschaft stürmen. Es kam zu heftigen Auseinandersetzungen mit der Polizei. Sie warfen Steine auf rund einhundert Bereitschaftspolizisten, die das Gebäude bewachten. Die Sicherheitskräfte setzten darauf Tränengas und Blendgranaten ein.

Mehrere Polizisten wurden entwaffnet und geschlagen. Die Menge beschimpfte die Beamten in Sprechchören als «Faschisten». Mindestens vier Polizisten wurden verletzt, wie ein Reporter der Nachrichtenagentur AFP berichtete.

Die Krim als Vorbild

Die Agentur Interfax meldete, die Polizei habe sich in das Gebäude zurückgezogen. Zuvor waren Tausende durch die Stadt marschiert und hatten in Sprechchören einen Anschluss an Russland nach dem Vorbild der Halbinsel Krim gefordert.

Legende: Video SRF-Korrespondent Christof Franzen zur Lage in der Ukraine abspielen. Laufzeit 1:49 Minuten.
Aus Tagesschau vom 01.05.2014.

Die Regierung will eine Volksbefragung – das fordern die Separatisten im Osten schon seit Wochen. SRF-Korrespondent Christof Franzen befürchtet aber, dass man sich in diesem Vorhaben näher gekommen ist.

Denn die Positionen seien grundsätzlich verschieden, so Franzen weiter. «Hier in Kiew ist man durchaus bereit, den Städten und Gemeinden mehr Steuergelder zur Verfügung zu stellen und ihnen auch mehr Machtbefugnisse zu geben. Das alles aber nur innerhalb eines ukrainischen Einheitsstaates.» Ganz anders sehe es der Kreml und die pro-russischen Kräfte im Osten. Sie würden eine Föderalisierung mit einer weitgehenden Autonomie fordern.

Eine Volksbefragung brauche nach Ansicht von Franzen eine breite Diskussion über die verschiedenen Möglichkeiten. «Es sind aber vor allem die Kräfte im Osten, die eine solche Diskussion mit immer wieder neuen Konfliktherden verhindern,» urteilt Franzen. Kiew verfüge zurzeit nicht über die Mittel, solche Abspaltungsbemühungen zu stoppen.

Armee im Grosseinsatz

Die Millionenmetropole Donezk in der Schwerindustrie- und Kohleregion Donbass ist die Hauptstadt der von den prorussischen Aktivisten ausgerufenen «Republik Donezk». Das Gebäude der Regionalverwaltung wurde am 6. April besetzt, das Rathaus zehn Tage später. Im Osten der Ukraine kontrollieren prorussische Milizen
inzwischen mehr als ein Dutzend Städte.

Die ukrainische Übergangsregierung in Kiew versetzte die Armee in «volle Kampfbereitschaft». Interimspräsident Alexander Turtschinow räumte jedoch gleichzeitig ein, die Sicherheitskräfte seien «hilflos» gegenüber den prorussischen
Separatisten.

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8 Kommentare

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  • Kommentar von Walter Staub, Schwerzenbach
    Es sieht stark danach aus, dass der vor 25 Jahren geschaffene neue Staat namens Ukraine definitiv auseinander brechen wird. Die Krim ist schon weg, die Ost-Ukraine wird folgen und die Süd-Ukraine wird sich auch noch zu entscheiden haben. Wenn das vorbei ist, sollen die West-Ukrainer schauen, ob sie mit dem Anschluss an den Westen glücklicher werden. Das ganze haben sich die Putschisten in Kiew und der liebe Westen wohl etwas anders vorgestellt.
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  • Kommentar von Marcel Duchamp, Zürich
    Herdenverhalten
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  • Kommentar von Eddy Dreier, Burgdorf
    Die Ukraine hatte schon vorher nicht viel. Und mit dem von Westen unterstützte Putsch einer gewählten Regierung ist's ja nun entgültig vorbei mit der Ukraine. Geld, Lebensmittel, Energie, Ordnung und Friede sind weg. Die keineswegs demokratische, selbsternannte jetztige Regierung hat nicht das Militär gegen die eigene Bevölkerung zu schicken, sondern zurück zu treten. Allenfalls ist es nicht erstaunlich, warum das Volk zu Russland will; man will wieder Arbeit, einen Lohn, Frieden und Sicherheit.
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    1. Antwort von Jean-Pierre Bex, Kyiv, Ukraine
      Kommen Sie doch bei uns vorbei und sehen Sie sich um.... Die Ukraine hat sehr viel zu bieten, ist immer noch Kornkammer, wichtiger Produzent von Mais und Sonnenblumenoel... Uebrigens Janukovich ist mit 32 Milliarden USD abgehauen, das Staatsbudget betraet 31.5 Milliarden... ein schoener Betrag, um die Separatisten zu kaufen.
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    2. Antwort von Eddy Dreier, Burgdorf
      Ich glaube nicht, dass die Separatisten gekauft wurden. Die Einen sind halt realistisch. Und die anderen träumen. Die Einen sind glücklich, ein Bier in der Hand zu haben. Die anderen jagen einem Lichtlein hinterher, das sie nie einfangen werden. Und sie werden für immer leere Hände haben und unglücklich bleiben...
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    3. Antwort von peter müller, zürich
      Wenn die Ukraine nach 25 Jahren ausserhalb Russlands ein Pro Kopf Einkommen von 3500 USD hat gerundet - und Russland eines von 14000 dann ist etwas falsch gelaufen. Es war jetzt nicht immer so, dass es Rund lief in Russland wenn man an die Jelzin Jahre denkt. Die Werte der Ukraine sind extrem schlecht auch bei den Arbeitslosenzahlen verglichen mit Russland oder z.B Kazakhstan Ukraine 8% + die beiden anderen etwas über 5 %. Kazakhstan hat seit 2005 die Zahlen halbiert.
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    4. Antwort von E. Waeden, Kt. Zürich
      Nur bringen diese Gewalttätigkeiten diese 32 Milliarden der Ukraine auch nicht wieder zurück. Und hat nicht der Schokoladenkönig, welcher neuer Präsident der Ukraine werden will, die Separatisten & den Aufstand in Kiew bezahlt & die Demonstranten dafür "eingekauft"? Aber Gewalt ist prinzipiell nicht die Lösung. Egal von welcher Seite sie angewendet wird. Und Drohungen, sowie Sanktionen ist eben auch eine Form von Gewaltanwendung. Beide sind zu verurteilen.
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    5. Antwort von Werner Christmann, Stein am Rhein
      J-P Bex: Wieviele Milliarden hat denn die Frau Timoschenko ihrer Kornkammer gestohlen? Aber die ist ja wieder salonfähig.
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