Ukrainische Armee intensiviert Offensive gegen Separatisten

Die Lage in der Ostukraine spitzt sich immer mehr zu. Die ukrainische Armee hat bei fünf gezielten Luftschlägen Dutzende Separatisten getötet. Tausende Zivilisten sind auf der Flucht.

Ein ukrainischer Panzer steht auf einer Strasse in der Stadt Seversk. Das Zielrohr ist gegen die Fotokamera gerichtet. (reuters)

Bildlegende: Wie Moskau auf das erste Todesopfer in Russland reagieren wird, ist noch unklar. Reuters

Die ukrainische Luftwaffe hat nach Angaben des Verteidigungsministeriums in Kiew erneut Separatistenstellungen angegriffen. Allein bei zwei der insgesamt fünf gezielten Luftschläge seien bis zu 40 Separatisten getötet worden. Für die übrigen Angriffe nannte das Ministerium zunächst keine Opferzahlen. Zudem sei Technik der «Terroristen» zerstört worden.

Granate tötet Mann in Russland

Nach Angaben aus Moskau ist auch erstmals ein Todesopfer auf russischem Staatsgebiet zu beklagen. Ein 45 Jahre alter Mann sei beim Einschlag einer Granate in seinem Haus im Gebiet Rostow getötet worden, seine Frau sei dabei schwer verletzt worden.

Die Familie lebt in der Ortschaft Donetsk in Russland, 2,5 Kilometer von der russisch-ukrainischen Grenze entfernt.

Moskaus Vize-Aussenminister Grigori Karassin kritisierte die neuerliche Grenzverletzung. Die eskalierende Gewalt sei eine «Gefahr für unsere Bürger nun auch auf unserem Territorium. Es ist klar, dass das natürlich nicht ohne Reaktion bleiben wird», drohte Karassin. Der Vorfall zeige, dass dringend eine neue Waffenruhe sowie die Rückkehr zum Verhandlungstisch nötig seien.

Das russische Aussenamt überreichte dem Geschäftsführer der ukrainischen Botschaft eine Protestnote gegen den «Akt der Aggression». Moskau hatte Kiew angesichts des wiederholten Grenzbeschusses bereits mit Konsequenzen gedroht. Diese «äusserst gefährliche Eskalation der Spannungen an der russisch-ukrainischen Grenze» könne «unumkehrbare Folgen» haben, für die Kiew die Verantwortung trage. Russland hatte damit gedroht, zum Schutz seiner Bürger notfalls auch sein Militär in der Ukraine einmarschieren zu lassen.

Kiew dementiert

Die ukrainische Regierung dementierte, für den Beschuss verantwortlich zu sein. Ukrainische Sicherheitskräfte würden nicht über die Grenze schiessen, erklärte der Sprecher des nationalen Sicherheits- und Verteidigungsrates, Andrej Lissenko. «Wir haben nicht geschossen.»

Dutzende Tote, Tausende auf der Flucht

Zentrum des Blutvergiessens ist weiter die Stadt Donetsk mit ihren Vororten. Aus Angst vor einer Offensive der ukrainischen Armee haben nach Angaben des selbsternannten Regierungschefs der Rebellen, Alexander Borodaj, flüchteten mehr als 70'000 Einwohner aus Donetsk.

Laut Stadtverwaltung sind bei Gefechten am Samstag in zwei Stadtteilen zwölf Menschen getötet und mehrere verletzt worden. Für den Ortsteil Marjinka wurde die Zahl mit sechs getöteten Zivilisten angegeben, nachdem Separatisten zuvor von 30 Toten gesprochen hatten. Auch in der Grossstadt Lugansk seien mindestens sechs Menschen getötet worden.

Die Kämpfe in der Ostukraine dauern seit Mitte April an. Die ukrainische Führung will mit dem militärischen Vorgehen verhindern, dass sich die nicht anerkannten «Volksrepubliken» Donetsk und Lugansk komplett von der Ukraine abspalten. Die russisch geprägte Region Donbass erkennt die pro-europäische Führung in Kiew nicht an.

Sendungsbeitrag zu diesem Artikel

  • Schwere Menschenrechtsverletzungen in der Ostukraine

    Aus Tagesschau vom 11.7.2014

    Weiterhin ungelöst ist auch der Konflikt im Osten der Ukraine. Die ukrainische Armee hat zwar einige Gebiete zurückerobert, den Kampf um die Vorherrschaft im Osten hat die Armee damit aber noch nicht gewonnen. Der Konflikt fordert auch Opfer unter der Zivilbevölkerung. Das zeigt ein Bericht von Amnesty International. Dokumentiert sind da gravierende Menschenrechtsverletzungen.