Zum Inhalt springen

International Ukrainischer Präsident geht auf pro-russische Demonstranten zu

Versöhnungsversuch oder Kalkül? Kiew bietet den pro-russischen Protestlern im Osten des Landes die Hand. Wenn sie die besetzten Regierungsgebäude verlassen, bleiben sie straffrei – so das Versprechen. Putin warnt unterdessen vor Lieferproblemen von Gas.

Legende: Video Keine Entspannung in der Ukraine abspielen. Laufzeit 1:07 Minuten.
Aus Tagesschau am Mittag vom 10.04.2014.

Der ukrainische Übergangspräsident Alexander Turtschinow hat den Separatisten im Osten des Landes Straffreiheit zugesagt. Bedingung dafür ist aber, dass sie ihre Aktionen beenden. Die pro-russischen Kräfte würden nicht angeklagt, insofern sie ihre Waffen abgäben und die besetzten Regierungsgebäude verliessen, sagte Turtschinow.

Am Mittwoch hatte die Regierung in Kiew den Separatisten ein Ultimatum von 48 Stunden gestellt, ihre Aktionen zu beenden. Andernfalls drohe ein gewaltsames Ende. Die pro-russischen Kräfte fordern nach dem Vorbild der Halbinsel Krim eine Abspaltung der russisch geprägten ost-ukrainischen Gebiete. Der Westen wirft Russland vor, hinter den Aktionen zu stehen.

Putin will mit Gasabnehmern reden

Kremlchef Wladimir Putin hat unterdessen mehrere Staats- und Regierungschefs der EU über die kritische Lage in der Ukraine wegen wachsender Gasschulden bei Russland informiert. Der Präsident habe in dem Brief vor den Folgen für den Gastransit gewarnt und zugleich einen Dialog für eine Krisenlösung vorgeschlagen, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow nach Angaben der Agentur Interfax.

Das Schreiben sei an die Abnehmerstaaten von russischem Gas gegangen. Die Ukraine ist das wichtigste Transitland für Gas in den Westen. Wegen unbezahlter Rechnungen hatte Russland der Ukraine zuletzt 2009 das Gas abgestellt, was auch zu Lieferengpässen in der EU geführt hatte.

«Sinnlose Sanktionen»

Russlands Vizepräsident Igor Schuwalow hat zeitgleich die Sanktionen gegen sein Land als sinnlos kritisiert und den Willen zu einer Partnerschaft mit dem Westen betont. «Je striktere Sanktionen verhängt werden, desto fester wird die russische Gesellschaft sich verhalten», sagte Schuwalow.

Drohungen würden weder Putin noch andere zu einer Haltung bringen, wie die USA oder Deutschland oder andere westliche Partner es sich wünschten. Er warnte zudem davor, die Ukraine in die westliche Richtung zerren zu wollen. Das sei «regelrecht verbrecherisch».

Bereit zum Einsatz?

Russische Kampfjets im Grenzgebiet zur Ukraine.
Legende: Russische Kampfjets im Grenzgebiet zur Ukraine. Keystone

Gegen 40'000 russische Soldaten sind laut der Nato an der Grenze zur Ukraine aufmarschiert. Satellitenbilder würden dies beweisen. Mehr als 100 Standorte haben die Militärexperten ausgemacht. Über die Absicht Russlands wird derweil gerätselt. Die Nato hat angekündigt, im Gebiet ebenfalls ihre Militärpräsenz verstärken.

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen.

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren.

6 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von m.mitulla, wil
    Die prorussischen Separatisten akzeptieren die neue Regierung in Kiev nicht. Deren Worte werden deshalb nicht gehört. Herr Alexander Turtschinow wäre sicher gut beraten auf hoher Ebene das Gespräch mit Russland zu suchen. Sonst ist die Gefahr wirklich sehr gross, dass sich die Ukraine spaltet. Ohne die Hilfe Russlands wird das Land nicht zu einen sein. Vielleicht wäre der Neutralitätsstatus für die Ukraine die richtige Form. Allerdings müssten ALLE Beteiligten einwilligen.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von E.Jakob, Zürich
    Ich bin für ein föderalistisches und neutrales System der Ukraine nach dem Model Schweiz. Aber die heutige Ukraine wird niemals in der Lage sein, einen Föderalistischen Staat unabhängig und neutral zu regieren, da sie zu sehr von Ost und Westmächten gestachelt wird und eine der korruptesten Politikersysteme der Welt hat, egal ob sie Timoschenko oder Yanukovic heissen (die eine ist nicht besser als der andere). Darum macht eine Abspaltung am meisten Sinn. Dann wird dort mehr Ruhe eintreten.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Harald Girschweiler, 9500 Wil SG
      So lange das Volk nicht in einer von der UN übewachte u. organisierte Wahl befragt wird, ist die USA, EU, NATO, etc. nicht legitimiert in der Ukraine irgend welche Einflussnahmen durchzuziehen. Falls sich dann heraustellt, dass die Abstimmungsresultate eine weitere Abstimmung zur Abspaltung od. Autonomie der Ostukraine nahe legen, ist auch dieses Referendum ohne Wenn und Aber durchzuziehen. Sehr wohl möglich, dass von der Mehrheit eine föderale Lösung mit neutralem Status gewünscht wird.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Albert Planta, Chur
    Die Streithähne sollten sich an einen Tisch setzen und beratschlagen, wie künftig die Ukraine organisiert werden soll. Wenn die Bevölkerung der Ostukraine eine Abspaltung und einen Anschluss an Russland verlangt soll dies geschehen. Es wird dann die Situation eintreten, dass sich die Westukraine schon aus wirtschaftlichen Gründen an den Westen annähern wird. So könnte einen Konflikt, der in einen Krieg eskalieren könnte vermieden werden. Aber über den eigenen Schatten zu springen ist schwer.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Juha Stump, Zürich
      Ich behaupte nach wie vor, dass eine Mehrheit der Ostukrainer sich bei einer wirklich freien und sauberen Abstimmung für einen weiteren Verbleib in der Ukraine aussprechen würde. Was in den Medien verbreitet wird - im Westen leben fast nur Ukrainer, im Osten fast nur Russen - stimmt nur zur Hälfte. Es gibt auf beiden Seiten viele Mischfamilien, zudem gibt es noch andere ethnische Minderheiten und die grossen Städte, darunter auch Kiew und Odessa, sind überwiegend russisch geprägt.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    2. Antwort von E. Waeden, Kt. Zürich
      @J. Stump: Klar, wünscht sich die Mehrheit der Ost-Ukrainer den Verbleib in der Ukraine. Aber nicht in Anbindung an die EU. Sie bevorzugen die Anbindung an Russland & eine Gleichbehandlung. Doch die Übergangsregierung in Kiew gewährt sie ihnen nicht. Deshalb, & das habe ich schon ganz am Anfang der Unruhen in Kiew "behauptet", wird es zu einer Abspaltung der West- & Ost-Ukraine kommen. Und wie damals angekündigt: Eine neue Abspaltung zischen Ost (Russland) & Westen haben wir nun schon.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen