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Umstrittene Elektrofischerei Effizient, aber nicht ohne Grund verboten

Die EU testet derzeit das Fischen mit Strom. Das sende ein falsches Signal an andere Länder, sagt Meeresbiologe Rainer Froese.

Legende: Audio Meeresbiologe Rainer Froese: «Elektrofischen ist einfach zu effizient» abspielen. Laufzeit 04:43 Minuten.
04:43 min, aus SRF 4 News aktuell vom 19.06.2018.

Darum geht es: Fischer und Umweltverbände haben zu Wochenbeginn in verschiedenen europäischen Häfen gegen das Elektrofischen protestiert. Bei der Methode werden die Fische nicht mit Netzen, sondern mit Stromstössen gefangen. Durch die Stromstösse hüpfen die Tiere vom Meeresboden auf und landen im Netz. Die EU hat die Methode im Rahmen einer Testphase erlaubt. Ein Fehler, sagen die Fischer. Denn andere Länder – die USA, Brasilien, aber auch China – haben ein generelles Elektrofischereiverbot ausgesprochen.

Das spricht dafür: Befürworter der Elektrofischerei sagen, die Methode sei schonender für die Umwelt als andere Methoden wie etwa das Fischen mit Schleppnetzen, weil sie den Boden weniger aufwühle und die Schiffe weniger Sprit verbrauchten. Krabbenfischer beispielsweise könnten die Stromstösse idealerweise so einstellen, dass nur die Krabben im Netz landen, nicht auch noch andere Meeresbewohner. Und sie können mit diesem neuen, leichteren Gerät auch in Gegenden fischen, in die sie vorher mit schwerem Gerät nicht vordringen konnten. «Für die Fischerei ist das gut», bestätigt auch Rainer Froese, Meeresbiologe am Geomar, Link öffnet in einem neuen Fenster, dem Kieler Zentrum für Ozeanforschung.

Das spricht dagegen: Froese warnt aber vor einer drastischen Überfischung, insbesondere in den Gebieten, die bisher Rückzugsgebiete für gewisse Arten waren. Er sagt: «Das Elektrofischen ist einfach zu effizient.» Und es bringe wahrscheinlich mehr Tiere um, als man wahrnehme – Tiere, die nicht im Netz auftauchten, sondern im Boden blieben, weil sie erst später sterben. «Das können alle möglichen anderen Tiere sein, die für das Ökosystem wichtig sind, zum Beispiel Würmer oder Schnecken», gibt der Ozeanforscher zu bedenken.

So geht es weiter: Die EU-Kommission will die Elektrofischerei ausweiten, das EU-Parlament will sie verbieten. Der abschliessende Entscheid des EU-Rates steht noch aus. Doch wenn dieser entscheiden sollte, die Elektrofischerei aus Effizienzgründen zu erlauben, so könnten sich andere Länder, die die Methode verboten haben, davon inspiriert fühlen, glaubt Froese. «Und die EU könnte sich dann auch nicht dagegen sperren, wenn Tiere aus der Elektrofischerei in die EU importiert werden. Denn sie selbst nutzt die Methode ja auch.» Dies sende ein völlig falsches Signal an den Rest der Welt.

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15 Kommentare

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  • Kommentar von Karl Kirchhoff (Charly)
    Wenn Fische schreien könnten.:(((
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    1. Antwort von Johannes Rösinger (JohMuc)
      Würden Sie auch im Netz an der Luft schreien. heißt nicht dass ich für E-fischen bin!
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  • Kommentar von A. Keller (eyko)
    Mehr als ein Drittel der weltweiten Fischbestände sind überfischt. Festgesetzte Fangquoten wurden nicht eingehalten, die Kontrollen der Fischer wurden nur lasch gehandhabt. Immer noch geht viel Beifang über Bord. Traurig aber wahr: Europa ist Weltmeister im Leerfischen.Bei der Elektrofischerei schädigt man alle möglichen anderen Tiere, die für das Ökosystem wichtig sind, zum Beispiel Würmer oder Schnecken. Die Fangquoten müssen reduziert werden für Nachwuchs. Die EU-Reformen haben total versagt.
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  • Kommentar von A. Keller (eyko)
    In der Nordsee pflügen Netze weite Bereiche bis zu dreimal jährlich förmlich um.Dadurch werden Seegraswiesen und in tieferen Bereichen wertvolle Kaltwasserkorallen zerstört – und damit auch die Kinderstuben der Jungfische. Mehr als die Hälfte der gefangenen Lebewesen werden wieder ins Meer geworfen. Wie viel Beifang ungenutzt wieder über Bord geht, weiss man bis heute nicht.Viele Staaten liefern nach wie vor nur sehr lückenhafte oder falsche Informationen über ihre Fischbestände und Fangmengen.
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