Umstrittene Seligsprechung von katholischen «Märtyrern»

Im spanischen Bürgerkrieg der 1930er-Jahre wurden zahlreiche Geistliche ermordet. Papst Franziskus hat nun mehr als 500 getötete Bischöfe, Priester und Ordensleute post mortem seliggesprochen – und lobte die «Märtyrer» als nachahmenswerte Vorbilder.

Hunderte Zuschauer vor einer Bühne, auf der Geistliche stehen

Bildlegende: Die über 500 Geistlichen seien wegen ihres Glaubens ermordet worden, sagte Kurienkardinal Angelo Amato in Tarragona. Keystone

Im nordostspanischen Tarragona hat die bisher grösste Massen-Seligsprechung der Kirchengeschichte stattgefunden. Insgesamt 522 Bischöfe, Priester, Ordensleute und katholische Laien wurden «als Märtyrer für ihren Glauben» seliggsprochen. Davon waren 520 im spanischen Bürgerkrieg (1936-1939) und zwei vor Ausbruch des Konflikts ermordet worden.

Papst Franziskus rief die Katholiken auf, sich an den «Märtyrern des 20. Jahrhunderts» ein Beispiel zu nehmen. «Wir müssen immer ein wenig sterben, um uns selbst, unseren Egoismus, unsere Behaglichkeit und unsere Bequemlichkeit zu überwinden», sagte das Oberhaupt der katholischen Kirche in einer Videobotschaft.

An der Seligsprechung nahmen mehr als 20'000 Menschen teil. Darunter waren Parlamentspräsident Jesús Posada, zwei Minister und 104 Bischöfe.

Kontroverse um Spaniens Bürgerkrieg

Der grösste Teil der nun Seliggesprochenen wurde von Soldaten und Anhängern der spanischen Republik ermordet, da die katholische Kirche in Spanien offiziell den späteren Diktator Francisco Franco (Franco-Diktatur 1939-1975) unterstützte und deshalb dem linken Lager verhasst war.

Angela Amato winkt der Menge zu

Bildlegende: Papst Franziskus wurde in Tarragona durch den Kurienkardinal Angela Amato vertreten. Keystone

Die Märtyrer seien aber keine Soldaten gewesen, sie hätten keine Waffen getragen und keine Partei unterstützt. «Sie wurden aus Hass auf die Religion ermordet, nur weil sie Katholiken, Priester, Seminaristen oder Religiöse waren und an Gott glauben», sagte Kurienkardinal Angelo Amato, der Präfekt der Römischen Kongregation für die Selig- und Heiligsprechungsprozesse.

Die Seligsprechung wurde jedoch von mehreren Laienbewegungen, Vereinigungen von Franco-Opfern und der politischen Linken kritisiert. Einzelne Gruppen beklagten, mit der Zeremonie würden nur die Kriegstoten im Lager des Diktators Franco gewürdigt. Sie hielten der katholischen Kirche in Spanien vor, ihre Rolle bei der Machtergreifung der Franco-Diktatur (1939-1975) nicht eingestanden zu haben.