Zum Inhalt springen

Umweltschutz in China Frieren für den blauen Himmel

Legende: Audio Blauer Himmel über Peking abspielen.
3:44 min, aus SRF 4 News aktuell vom 19.12.2017.

SRF News: Ist der Himmel über Peking wirklich blau? Das ist eine Überraschung für eine Stadt, die normalerweise in dieser Jahreszeit unter einer Dunstglocke liegt.

Smogglocke über Peking
Legende: Peking liegt normalerweise Ende Jahr unter einer Smogglocke. Reuters

Martin Aldrovandi: Ja, und offenbar schon, und das seit einiger Zeit. Bekannte haben mir ein Foto von ihrem Balkon geschickt, mit stahlblauem Himmel über Peking. Dass dieser Himmel blau ist, dass das möglich ist, das sehen die Menschen ja jeweils, wenn es grosse und wichtige politische Veranstaltungen gibt. Da werden auf Anordnung der Regierung auch Fabriken im Umland geschlossen und der Verkehr wird stark eingeschränkt.

Diese kurzfristige Massnahme der Regierung hat Wirkung gezeigt?

In diesem Fall ist es eine längerfristige Massnahme. Die Idee ist, von schmutzigen Kohleheizungen wegkommen und auf sauberes Gas umzustellen. Das Problem ist aber, dass die Nachfrage zu hoch ist. Es ist zu wenig Erdgas vorhanden. In der Provinz Hebei in Nordchina, in der es sehr kalt werden kann, standen viele Menschen ohne funktionierende Heizungen da. Sie durften auch nicht mehr mit Kohle heizen.

Die Idee ist, von schmutzigen Kohleheizungen wegkommen und auf sauberes Gas umzustellen. Das Problem ist aber, dass die Nachfrage zu hoch ist.

Viele Menschen mussten also frieren, weil sie die Häuser nicht richtig heizen können?

Ja, das kann man leider so sagen. Die Provinzregierung von Hebei war etwas übereifrig, um die Vorgaben von Peking zu erfüllen. Das kommt von dieser top-down-Politik, in der oben bestimmt wird und man das irgendwie ausführen muss. Mehrere Millionen Haushalte mussten von Kohle auf Gas umstellen. Das sieht auf dem Papier sehr gut aus, aber in der Praxis hat man sich verplant. Es gab in der Zwischenzeit auch einen Rückzieher dieser Order. Die betroffenen Haushalte dürfen wieder mit Kohle heizen. Gleichzeitig will man aber die Nordprovinzen mit mehr Gas versorgen. Dafür müssen nun grosse Fabriken ihren Gaskonsum drosseln, um den Engpässen in den Haushalten entgegenzuwirken.

Die Provinzregierung von Hebei war etwas übereifrig, um die Vorgaben von Peking zu erfüllen.

Gibt es denn langfristige Pläne der Regierung, um das Smog-Problem zu lösen?

Ja, die Absicht, von der Kohle wegzukommen, ist sehr positiv. Die chinesische Regierung hat sich den Umweltschutz schon seit einigen Jahren auf die Fahne geschrieben. Und der Plan der Regierung ist, dass bis 2021 in Nordchina sauber geheizt wird. Bis 2019 soll bereits die Hälfte von Nordchina umgestellt haben. Dass man aber die langfristigen Ziele erreicht, wird schwierig, das hat diese Hauruck-Aktion gut gezeigt.

Das Gespräch führte Salvador Atasoy.

Martin Aldrovandi

Personen-Box aufklappen Personen-Box zuklappen
Martin Aldrovandi

Martin Aldrovandi ist seit 2016 Korrespondent für Radio SRF in Nordostasien mit Sitz in Schanghai. Zuvor hatte er mehrere Jahre lang als freier Journalist aus dem chinesischsprachigen Raum berichtet.

1 Kommentar

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.