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Unberechenbares Pjöngjang Nachbarn fürchten Nordkoreas B-Waffen

Sollte Kims Regime in Bedrängnis geraten, würde es jede verfügbare Waffengattung einsetzen. Davon sind Japan & Co. überzeugt.

Legende: Audio Nordkorea betreibt mutmasslich auch ein B-Waffen-Programm abspielen. Laufzeit 4:16 Minuten.
4:16 min, aus Rendez-vous vom 07.02.2018.

Darum geht es: Nordkorea betreibt nicht nur ein Atom- und Raketenprogramm. Kein Geheimnis ist, dass das Regime von Kim Jong-Un auch über Chemiewaffen verfügt. Geheimnisumwittert ist dagegen ein mögliches Programm zur Herstellung von biologischen Waffen. Nordkoreas Nachbarn Südkorea, Japan und China fürchten sich vor diesen äusserst tückischen Massenvernichtungswaffen.

Konkrete Hinweise: Die US-Expertin Melissa Hanham vom Middlebury Institute in Kalifornien hat mittels Auswertung von Luftbildern einen Fabrikkomplex ausgemacht, in dem offiziell Unkrautvertilgungsmittel hergestellt werden. Die Fabrik wurde in den letzten Jahren ständig ausgebaut, 2015 beehrte Diktator Kim Jong Un sie mit einem Besuch. Auch sei es nicht sehr anspruchsvoll, aus einer Pestizidfabrik eine Installation zur Herstellung von B-Waffen zu machen, sagt etwa Lanhee Chen von der Universität Stanford.

Kim in schwarzem Mantel mit Hut klatscht und lacht vor einer begeisterten Menschenmenge.
Legende: Beim eigenen Volk beliebt, von den Nachbarn gefürchtet: Nordkoreas Diktator Kim Jong Un. Reuters

So weit ist Nordkorea: Die südkoreanische Regierung ist überzeugt, dass Nordkorea inzwischen 13 Sorten Bakterien und Viren zur Nutzung als B-Waffen besitzt. Allerdings verfügt das Land nach Meinung von Experten noch nicht über Raketen, die sich mit biologischen Waffen bestücken lassen. Eine detaillierte Studie über Nordkoreas B-Waffen-Aktivitäten gibt es neuerdings vom Belfer Center an der Universität Harvard. Pikant: Pjöngjang hat schon 1987 die B-Waffenkonvention unterzeichnet, welche den Besitz von biologischen Waffen verbietet.

So bedrohlich sind die B-Waffen: Der frühere US-Staatssekretär im Pentagon, Andrew Weber traut Nordkorea zu, bei der Zusammenführung von chemischen und biologischen Waffen relativ weit fortgeschritten zu sein. Seiner Ansicht nach wird ein in Bedrängnis geratenes Regime eher biologische als atomare Waffen einsetzen, denn dies lässt sich leichter abstreiten, als das bei Atomwaffen der Fall ist. Dabei denkt Weber etwa an den Einsatz von Anthrax, zu deutsch Milzbrand.

Biologische Waffen sind Terrorwaffen: In den Nachbarländern Nordkoreas ist man überzeugt, das Regime in Pjöngjang werde alle verfügbaren Waffen einsetzen, wenn ihm der Sturz droht. Dazu gehören auch C- und B-Waffen. Beide Waffengattungen haben psychologisch möglicherweise eine grössere Wirkung als militärisch. Die Angst der Menschen vor Verseuchung oder Vergiftung ist tief in der Psyche verankert. Man nennt B-Waffen daher oft Terrorwaffen. Sie helfen dem nordkoreanischen Regime zu verhindern, dass irgendjemand es wagt, es anzugreifen. Egal wie krass Pjöngjang das Völkerrecht verletzt.

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3 Kommentare

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  • Kommentar von Hans Haller (panasawan)
    Es gibt da vor allem eine medial inszenierte Provokationspolitik auf allen Seiten und Ebenen. Das wird in den nächsten Jahren so weiter gehen. Kim Jong Un fürchtet sich nicht so sehr angegriffen zu werden, sondern er fürchtet sich vor allem davor, das sein eigenes Regime zusammenbricht wie seinerzeit die DDR. Ohne Hilfe von aussen, wird das auch irgendwie so passieren. Mit dieser Provokationspolitik versucht Kim Jong Un nur sein eigenes Regime zu stabilisieren. Mehr läuft da zur Zeit nicht.
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  • Kommentar von Christa Wüstner (Saleve2)
    Er hat uns alle in der Hand. Zu spät jetzt noch irgend etwas gegen ihn zu unternehmen. Dazu kommt sein psych. Zustand,seine Unberechenbarkeit. Immer waren alle der Meinung,der droht doch nur. Auch jetzt droht er und der Rest der Welt muss das hinnehmen. Und China unterstützt ihn noch und hilft ihm , Sanktionen zu umgehen. Auch Russland ist nicht unschuldig daran, welche Taktik führt Putin. Er ist wie immer Undurchschaubar. Nur seine Worte: einen Atomkrieg würden wir alle nicht überleben.
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    1. Antwort von Hans Haller (panasawan)
      Keine Angst, der wird nicht losschlagen, und die USA werden es auch nicht. Die Risiken sind fuer beide Seiten viel zu gross. Zur Zeit gibt es lediglich einen medialen "Krieg der Worte", und Kim Jong Un kann dabei auch auf die Rückendeckung aus Moskau und Peking zählen. Kim Jong Un muss sich eher davor fürchten, dass sich sein Regime in Nordkorea selber ruiniert. Das wird aber noch eine Weile dauern. Die Zeit arbeitet gegen Kim Jong Un, auch wenn er Nordkorea weiterhin so abschottet.
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