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Suche nach MH370 eingestellt «Unendlich schwer für die Hinterbliebenen»

Der Abbruch der Suche nach der Boeing 777 der Malaysia Airlines sei ein harter Schlag für die Hinterbliebenen, sagt Daniel Knecht, der Leiter der Schweizer Unfalluntersuchungsstelle. Und: Der Fall des Fluges MH370 werde den Ruf nach permanenter Übermittlung von Flugdaten an Bodenstationen befeuern.

Anzeige der ankommenden Flüge im Flughafen von Peking
Legende: Ankunftsanzeige in Peking Nochmals vergebliches Warten: Nun, wenigstens auf das Finden der Unglücksmaschine Reuters/Symbolbild

SRF News: Hat Sie der Abbruch der Suche nach der abgestürzten Boeing 777 der Malaysia Airlines überrascht?

Daniel Knecht: Nein, leider war das zu erwarten. Ich habe den Fall intensiv mitverfolgt und muss sagen, dass man schon eine Weile mit diesem Ergebnis rechnen musste.

Weil das Suchgebiet so gross und so komplex war?

Ich bin kein Spezialist für Unterwasseruntersuchungen, aber mich hat vor allem die Grösse des Gebiets veranlasst, an einem erfolgreichen Finden der Maschine zu zweifeln.

Ist es nicht einfach zu teuer geworden? Es handelt sich um die teuerste Suche der Geschichte.

Das ist sicher nicht im Vordergrund gestanden. Aber nach einer gewissen Zeit müssen sich die beteiligten Staaten die Kostenfrage selbstverständlich auch stellen.

Die Angehörigen der 239 Menschen an Bord der abgestürzten Maschine sagen, es sei am falschen Ort gesucht worden. Könnte da nicht was dran sein?

Das wird man sicher nochmals prüfen. Aber aufgrund meiner Beobachtung sehe ich keinen Grund zum Zweifel an der Seriosität dieser gigantischen Suche. Da wurde aus meiner Sicht von den zuständigen Behörden sehr seriös gearbeitet.

Kann man auch ohne gefundene Maschine relevante Ergebnisse der Untersuchung erwarten? Oder bleibt der Absturz ein Rätsel?

Vielleicht gibt es aus dem Umfeld der Besatzungen beispielsweise noch Hintergrundinformationen, die etwas Relevantes aussagen, aber insgesamt ist zu befürchten, dass die Untersuchung nicht zu befriedigenden Aussagen über die Absturzursache führen also – wie Sie sagen – ein Rätsel bleiben wird.

Was heisst das für die Hinterbliebenen der Absturz-Opfer?

Das ist der zentrale Punkt beim Abbruch der Suche: Die Hinterbliebenen. Eine Untersuchung kann das Leid von Hinterbliebenen nicht heilen, aber eine Untersuchung mit einem Ergebnis ist eine ganz wichtige Linderung ihres Schmerzes. Das wird nun unendlich schwer für die Hinterbliebenen. Und entsprechend verstehe ich den Protest gegen das Einstellen der Untersuchung auch so.

Kann dieser Absturz also keine Lerneffekte für die Sicherheit der Luftfahrt haben?

Der Absturz wird ein Rätsel bleiben
Autor: Daniel KnechtLeiter der Schweizerischen Unfalluntersuchungsstelle

Doch durchaus: Vor allem wird nun die laufende Diskussion, ob Daten von Flugzeugen laufend an den Boden übermittelt werden, ganz sicher verstärkt werden. Wenn das Standard wäre, könnte man das Verschwinden eines Flugzeugs so wie beim Flug MH 370 ausschliessen.

Warum wird das noch nicht gemacht?

Technisch ist das zwar anspruchsvoll, aber möglich. Es ist erstens eine Kostenfrage, auch weil man viele ältere Flugzeuge nachrüsten müsste. Und vor allem wird das nur passieren, falls das zweitens allgemein oder für die grossen Flugzeuge als Standard vorgeschrieben wird. Und da sind die Europäischen und amerikanischen Zulassungsbehörden gefragt.

Das Gespräch führte Lukas Schmutz

Daniel Knecht

Daniel Knecht
Legende: Keystone/Archiv

Daniel Knecht leitet den Untersuchungsdienst der SUST, der staatlichen Behörde der Eidgenossenschaft, die Unfälle und Fast-Unfälle untersucht. Er ist selbst Linien- und Militärpilot.

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