Ungarn: Ermittlungen gegen Nationalbank-Chef

Kurz vor Ende seiner Amtszeit sind gegen Andras Simor Strafuntersuchungen eingeleitet worden. Er soll vertrauliche Geschäftsdaten «illegal» an den Internationalen Währungsfonds weitergegeben haben. Doch die Aktion könnte auch innenpolitische Gründe haben. Simor gilt als Intimfeind des Staatschefs.

Die ungarische Zentralbank wird laut Staatsanwaltschaft beschuldigt, vertrauliche Informationen über nationale Banken an den IWF weitergeleitet zu haben. Diesen Vorwurf hatte die Bankenaufsicht in einem vor einer Woche veröffentlichten Bericht erhoben.

Die Bankenaufsicht bezieht sich in dem Bericht auf den Zeitraum zwischen 2008 und 2009 – bevor der Nationalkonservative Viktor Orban das Amt des Regierungschefs übernahm. Ungarn hatte 2008 einen Kredit in Höhe von 20 Milliarden Euro mit IWF, EU und Weltbank ausgehandelt, durch den ein Bankrott des Landes vermieden werden konnte.

«Persönlicher Angriff»

Die Zentralbank wies den Bericht der Bankenaufsicht zurück. Sämtliche Aktivitäten der Bank seien legal. Orbans Intimfeind, Zentralbankgouverneur Andras Simor, bezeichnete den Bericht als erneuten Angriff gegen seine Person, mit der er noch vor Ablauf seine Mandats Ende März aus dem Amt gejagt werden solle.

Ein Nachfolger für Simor steht noch nicht fest. Als aussichtsreicher Kandidat gilt Wirtschaftsminister György Matolcsy von Orbans Fidesz-Partei. Orbans Regierung führt gegen die internationalen Finanzinstitutionen einen «wirtschaftlichen Unabhängigkeitskampf», wie sie selbst es formuliert.