Politik im Schulzimmer Ungarns Kinder sollen zum Militärunterricht antreten

Die Regierung von Viktor Orban plant, ein neues Pflichtfach einzuführen. Zur patriotischen Erziehung.

Kinder in einem ungarischen Klassenzimmer.

Bildlegende: Für ein neues Lebensgefühl: Ungarns Kinder sollen in militärischem Wissen geschult werden. Reuters

Um was geht es beim neuen Fach? Der Wehrkunde-Unterricht gilt als Massnahme für eine neue patriotische sowie militärische Erziehung. Er ist Teil des neuen Lehrplans für den Sportunterricht, soll diesen aber nicht ersetzen. Der Besuch wird Pflicht.

Was ist das Ziel? Im neuen Pflichtfach soll es «um einen Lebensgefühl» gehen, wie der Vize-Staatssekretär für Unterricht, Zoltan Maruzsa in der regierungsnahen Tageszeitung «Magyar Idök» zitiert wird. Dieses Lebensgefühl könne jetzt schon im Geschichts- oder Geografie-Unterricht zur Geltung kommen.

Sind die Pläne überraschend? Nein. Ministerpräsident Viktor Orban ist bekannt dafür, rechtskonservative Positionen zu vertreten – gerade auch in gesellschaftlichen Fragen. Seine Regierung hatte bereits Ende Juli entschieden, Studien für eine neue Form von Sportunterricht in Auftrag zu geben. Zudem bieten schon jetzt einige Schulen in Ungarn Wehrkunde als freiwilliges Fach an.

Wie reagieren Schulen und Eltern? Die ungarischen Lehrergewerkschaften und die Eltern sind besorgt. Sie warnen schon seit längerem vor einer drohenden Militarisierung der Schulen.

Gibt es weitere Indizien für eine «Militarisierung» der Gesellschaft? Es gibt zumindest Befürchtungen. Denn die Regierung plant, im ganzen Land rund 200 Schiessstände errichten zu lassen. Dort sollen auch Jugendliche ausgebildet werden.