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International «Ungewöhnlich, dass ein so grosses Flugzeug verschwindet»

Vor fünf Tagen ist in Asien ein Passagierflugzeug mit 239 Menschen an Bord einfach vom Radar verschwunden. Seitdem ist es verschollen. Das beschäftigt Untersuchungsbehörden ebenso wie Piloten. Daniel Knecht ist beides: Leiter der Schweizerischen Unfalluntersuchungsstelle und Linienpilot.

Seit Tagen fehlt von einem malaysischen Passagierflugzeug jede Spur. Unterdessen kursieren die unterschiedlichsten Theorien. Daniel Knecht ist Linienpilot und Leiter der Schweizerischen Unfalluntersuchungsstelle Sust. Er hat jahrelange Erfahrung mit der Untersuchung von Flugunfällen.

Einer seiner ersten Fälle war der Absturz der Swissair 111 in Kanada, seine erste grosse Unfallstelle jene der Crossair bei Nassenwil. Die Sust ist zwar nicht in die Suche nach der vermissten Boeing 777 involviert. Trotzdem verfolgt man den Fall dort genau.

SRF: Was denken Sie über das seit Tagen verschwundene Passagierflugzeug?

Daniel Knecht: Das ist sicher sehr aussergewöhnlich. Vor allem wenn es sich um ein Verkehrsflugzeug von dieser Grösse handelt, in einem durchaus dicht beflogenen und überwachten Luftraum. Bei kleineren Flugzeugen ist es schon möglich, auch bei uns in der Schweiz, dass beispielsweise ein Segel- oder Motorflugzeug für ein paar Tage oder Wochen verschwunden bleibt. Bei so einer grossen Maschine aber nicht.

Wie genau verfolgen Sie den aktuellen Fall? Lesen Sie jedes Detail darüber?

Ich habe bestimmt eine gewisse berufliche Neugier. Es ist jedoch ein Fall, in den die Schweiz nicht involviert ist. Deshalb werden wir nicht bei den betroffenen Untersuchungsbehörden nachfragen, wie der Stand der Dinge ist. Die haben Wichtigeres zu tun. Aber es ist klar, dass so ein Fall uns interessiert.

Bei all den Überwachungsmöglichkeiten heutzutage: Müsste das Flugzeug nicht längst irgendwo aufgetaucht sein?

Im ersten Moment ist es tatsächlich erstaunlich. Auf der anderen Seite dürfen Sie nicht vergessen, dass zum Beispiel ein Radarsystem ganz grob gesagt nur etwa soweit sieht, wie die Sichtlinie ist. Das heisst, man hat immer Bereiche, die im Radarschatten liegen. Und es gibt auch sehr grosse Gebiete, über dem Meer zum Beispiel, die kein Radarsystem abdeckt. Es gibt natürlich Mittel, um das zu korrigieren: Man hat heute in den meisten modernen Verkehrsflugzeugen ein System, das aktiv die eigene Position übermittelt. Aber solche Systeme können entweder ausfallen oder ausgeschaltet werden. Dann kann die Situation eintreffen, dass ein Flugzeug nicht mehr durch einen Radar erfasst werden kann, und es auch keine Antwort mehr gibt, wo es ist.

Das heisst, der Pilot oder der Co-Pilot könnten sich im Cockpit entscheiden, das System auszuschalten?

Ja, man kann das System unter Umständen ausschalten oder eine Sicherung ziehen, an die das System angehängt ist, wenn man das unbedingt will. Selbstverständlich ist das überhaupt nicht vorgesehen. Das wird im normalen Flugbetrieb auch nicht passieren.

Das Gespräch führte Susanne Brunner.

4 Kommentare

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  • Kommentar von Marlene Zelger, 6370 Stans
    Könnte es nicht sein, dass das Flugzeug von Entführern soweit hinauf "beordert" wurde, dass es aus dem Bereich der Anziehungskraft geriet und nun im Weltraum herumirrt?
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    1. Antwort von T.Hofer, Rosshäusern
      Klar, darum baute die NASA für zig Milliarden Spaceshuttles, weil man mit jedem handelsüblichen Verkehrsflugzeug einfach so ins All fliegen kann...
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    2. Antwort von tim zahler, bern
      Standard-Turbinen der Linienflieger sind nicht dafür konstruiert, bzw. sind sie gar nicht fähig so weit hinauf zu fliegen. Propeller und Turbinen brauchen Luft um sich "vorranzustossen", und die gibt es schon lange vor Austritt der Gravitation nicht mehr...
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  • Kommentar von R.Anderegg, Zürich
    Auf der Suche nach dem vermissten Malaysia Airlines Flug 370 hat China drei große Objekte auf Position N6.7, E105.63 entdeckt. Das berichtet der „Aviation Herald” unter Berufung auf das China State Administration of Science Institut (SASTIND). Diese Koordinaten liegen rund 121 nautische Meilen ost-südöstlich der letzten bekannten Position der vermissten Boeing 777-200. Die drei Objekte sind demnach 13x18, 14x19 und 24x22 Meter groß und sollen sich in einem Radius von 20 Kilometern befinden.
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