Unglücksfähre «Sewol»: Todesstrafe für Kapitän gefordert

Im Prozess gegen die Besatzung der im April untergegangenen südkoreanischen Fähre hat die Staatsanwaltschaft die Todesstrafe für den Kapitän gefordert. Er soll das Schiff wie andere Besatzungsmitglieder vorzeitig verlassen haben.

Die Fähre «Sewol» war am 16. April mit 476 Menschen an Bord vor Südkorea gekentert, 304 Menschen kamen ums Leben oder sind seither vermisst. Laut der südkoreanischen Nachrichtenagentur Yonhap muss Kapitän Lee Joon-Seok nun mit der Todesstrafe rechnen. Dies fordert die Staatsanwaltschaft im Prozess gegen 15 Crewmitglieder.

Neben dem Kapitän der Fähre sind drei weitere wegen des Vorwurfs der vorsätzlichen Tötung angeklagt. Sie sollen nach dem Willen der Staatsanwaltschaft zu Freiheitsstrafen zwischen 15 und 30 Jahren verurteilt werden. Elf weitere Besatzungsmitglieder sind wegen Fahrlässigkeit angeklagt.

Öffentliche Kritik an Präsidentin

Der Besatzung wird vorgeworfen, das sinkende Schiff vorzeitig verlassen zu haben. Die angeklagten Crewmitglieder hatten vor Gericht ausgesagt, dass sie davon ausgegangen waren, dass die Rettung der Passagiere Sache der Küstenwache sei. Videomaterial ihrer Flucht von Bord des sinkenden Schiffs hatte in der südkoreanischen Öffentlichkeit für Empörung gesorgt. Besonders deshalb, weil Überlebende des Unglücks berichtet hatten, dass die Passagiere wiederholt angewiesen wurden, auf dem Schiff zu bleiben.

Der Untergang der «Sewol» führte in Südkorea zu einer Welle der Trauer und zu Protesten. Auch Präsidentin Park Geun-Hye wurde für die mangelhafte Ausführung der Rettungsmassnahmen massiv kritisiert.

Der Prozess gegen die Crewmitglieder läuft seit Juni. In Südkorea wurden in den vergangenen Jahren mehrere Todesurteile ausgesprochen. Seit 1997 gab es aber keine einzige Vollstreckung mehr.