Unicef: Alle fünf Minuten wird ein Kind gewaltsam getötet

Drei von vier Kindern, die einen gewaltsamen Tod sterben, kommen aus einem Land, in dem Frieden herrscht. Dies zeigt eine Untersuchung des Kinderhilfswerks Unicef.

Brasilianische Kinder halten sich als Protest die Ohren zu

Bildlegende: 15'000 Kinder starben in Brasilien seit dem Jahr 2000 durch Gewalttaten: Gegen Gewalt Protestierende in Rio de Janeiro. Keystone

Alle fünf Minuten stirbt weltweit ein Kind einen gewaltsamen Tod. Nur eine Minderheit davon werde in Kriegsgebieten getötet, heisst es in einer Untersuchung des UNO-Kinderhilfswerks Unicef.

Drei von vier Kindern kämen durch Gewalteinwirkung in Ländern zu Tode, in denen Frieden herrsche. Es sei schockierend, dass der Kampf gegen Krankheiten nicht ausreiche, um einen frühen Tod zu verhindern, sagte die Leiterin der Kinderschutzabteilung bei Unicef, Susan Bissell. «Diese Untersuchung zeigt uns, dass wir alle Ursachen für den Tod von Kindern beobachten müssen.»

Eltern trauen Justiz nicht

Zwar sei es gelungen, die Todesrate bei unter Fünfjährigen durch Krankheiten in Brasilien seit 2000 zu senken, sagte Leah Kreitzman von der britischen Unicef-Sektion. Allerdings hätten im gleichen Zeitraum 15'000 Heranwachsende ihr Leben durch Gewalttaten verloren.

In vielen Ländern würden Eltern aber Verbrechen an ihren Kindern nicht den Behörden anzeigen, weil sie glaubten, dies bleibe ohnehin folgenlos. In Kenia werde etwa eins von drei Mädchen und einer von sechs Jungen Opfer sexueller Gewalt. «Wenn die Leute wissen, dass ihre Taten straffrei bleiben, machen sie mit der Gewalt gegen Kinder weiter», sagte Kreitzman.

Schulbildung kann helfen

Besonders schlimm sei die Lage der Kinder in Kriegsgebieten. Dort, wo Mädchen und Jungen nicht viel wert seien oder wo Straffreiheit und Gesetzlosigkeit herrschten, werde die Lage für Kinder noch viel schlimmer, wenn ein bewaffneter Konflikt ausbreche, sagte Bissell.

Schulbildung kann ihren Worten nach vielen Kindern helfen. Der Schulbesuch vermittle ein Gefühl der Normalität. Zudem gebe der Schulbesuch einen gewissen Schutz vor der Zwangsanwerbung von Kindern in Milizen.

Der Rebellenführer Thomas Lubanga aus dem Kongo habe seine Kindersoldaten beispielsweise in Gegenden ohne Schulen und Gesundheitsversorgung rekrutiert. Allerdings sei auch das Bildungssystem Ziel von Angriffen. In den vergangenen fünf Jahren seien in mindestens 70 Staaten Universitäten und Schulen von Bewaffneten attackiert worden.