UNO besorgt wegen sexuellen Missbrauchs durch Blauhelm-Soldaten

Die Vereinten Nationen melden einen «zutiefst besorgniserregenden» Anstieg bei Vorwürfen des sexuellen Missbrauchs durch UNO-Blauhelm Soldaten. Erstmals werden in einem Bericht auch die Herkunftsländer der Soldaten genannt – es sind über 20.

Eine Truppe von UNO-Blauhelmsoldaten vor dem Hauptgebäude der Vereinten Nationen in Abidjan.

Bildlegende: UNO-Generalsekretär Ban prangert in seinem Bericht die Straflosigkeit an. Er schlägt eine Gerichtsbarkeit vor Ort vor. Keystone

Die Vereinten Nationen schlagen Alarm wegen Vorwürfen des sexuellen Missbrauchs durch UNO-Blauhelm-Soldaten. Allein im vergangenen Jahr habe es 69 Anschuldigungen gegeben, betroffen waren Soldaten aus 21 Ländern. Der Anstieg sei «zutiefst besorgniserregend», hält UNO-Generelsekretär Ban Ki Moon im entsprechenden Bericht fest. 2014 verzeichnete die UNO 52, im Jahr davor 66 Fälle.

Erstmals werden auch die betroffenen Länder genannt. An erster Stelle der Verdachtsfälle stehen Soldaten aus der Demokratischen Republik Kongo mit sieben Beschuldigungen, gefolgt von Marokko und Südafrika mit je vier Vorwürfen.

Die meisten Beschwerden richteten sich gegen Soldaten afrikanischer Länder: Kamerun, Kongo, Tansania, Benin, Burkina Faso, Gabun, Niger, Nigeria und Togo sind betroffen. Auch gegen Polizisten aus Ruanda, Ghana, Madagaskar und Senegal gibt es Vorwürfe. Betroffen sind aber auch Polizisten aus Deutschland und Kanada, die bei UNO-Blauhelmmissionen dabei waren. Auch Polizisten aus Moldawien und der Slowakei werden aufgelistet.

Grossteil der Missbrauchsfälle in Zentralafrika und Kongo

Bei zwei UNO-Missionen gab es den Grossteil der Beschuldigungen wegen Vergewaltigung, sexuellem Missbrauch oder sexueller Ausbeutung: nämlich bei der Minusca-Truppe in der Zentralafrikanischen Republik sowie bei der Monusco in der Demokratischen Republik Kongo.

Zuletzt hatte die UNO 120 kongolesische Blauhelme aus Zentralafrika wegen neuer Vorwürfe des Kindesmissbrauchs abgezogen. Auch gegen französische Soldaten waren dort schon mehrfach schwere Vorwürfe erhoben worden. So sollen französische Blauhelme in einem Lager nahe der Hauptstadt Bangui zwischen Dezember 2013 und Juni 2014 mehrere Kinder im Alter zwischen neun und 13 Jahren missbraucht haben sollen.

Unter den Missbrauchsopfern waren laut dem jüngsten Bericht mindestens 22 Kinder, doch könnte die Zahl höher sein, weil das Alter nicht immer bestimmt werden konnte.

Straflosigkeit angeprangert

Keiner der Fälle aus dem vergangenen Jahr hatte bisher strafrechtliche Folgen für die Beschuldigten. Nach den Regelungen der UNO obliegt es dem Entsendestaat, seine Soldaten oder Polizisten zur Rechenschaft zu ziehen. Bei Vorwürfen, die das Jahr 2014 betreffen, hatte es in wenigen Einzelfällen geringe Haftstrafen gegeben. Menschenrechtsgruppen haben die weitgehende Straflosigkeit für UNO-Blauhelme angeprangert.

UNO-Generalsekretär Ban empfiehlt nun eine Begrenzung für Untersuchungen auf sechs Monate sowie Militär-Gerichtsbarkeiten vor Ort. Ausserdem sollten die Länder DNA-Proben ihrer Blauhelme zur Verfügung stellen.

Die USA bereiten eine Resolution vor, die diese Vorschläge unterstützen soll. Darüber könnte der UNO-Sicherheitsrat laut Diplomaten am 11. März beraten.