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UNO-Blauhelme Nur wer zuerst schiesst, überlebt

Legende: Audio Weiter wie bisher ist keine Option abspielen. Laufzeit 4:13 Minuten.
4:13 min, aus Rendez-vous vom 09.02.2018.

Die UNO hat ein Problem: Ihre Blauhelm-Einsätze werden immer gefährlicher. Im letzten Jahr sind fast doppelt so viele Blauhelmsoldaten getötet worden wie 2016. Deshalb überlegt sich UNO-Generalsekretär Antonio Guterres, was zu tun sei, um die derzeit 110'000 im Einsatz befindlichen UNO-Friedenssoldaten besser zu schützen.

Die Gründe für die zunehmend gefährlichen Einsätze: Die UNO-Blauhelmsoldaten und -Polizisten werden immer öfter in Ländern eingesetzt, in denen noch gar kein Frieden herrscht. Die Friedenssoldaten haben also nicht bloss die Aufgabe, einen Frieden zu sichern, sondern müssen einen solchen überhaupt erst schaffen oder sogar erzwingen. So etwa im Kongo, in Zentralafrika oder in Mali. Dadurch geraten sie öfters in die Schusslinie der Kriegsparteien.

Bewaffnete Blauhelme auf einem Pick-up unterwegs.
Legende: Sollen sie aggressiver auftreten? Blauhelm-Soldaten in der Elfenbeinküste. Keystone

Ein Hardliner auf Lösungssuche: UNO-Generalsekretär Guterres beauftragte den brasilianischen General Carlos Alberto dos Santos Cruz damit abzuklären, was zu tun sei. Der Mann mit 40 Jahren Erfahrung als Soldat und Offizier nahm seine Aufgabe stets sehr ernst, Zivilisten und die eigenen Soldaten zu schützen. Cruz, der unter anderem die UNO-Blauhelmeinsätze in Haiti und im Kongo befehligte, verfolgte sein Ziel stets mit robustem Engagement.

Feinde nehmen UNO-Soldaten nicht ernst: General Cruz nimmt in seinem Bericht kein Blatt vor den Mund: Die UNO habe sich bisher nicht der neuen Wirklichkeit gestellt. Sie glaube immer noch, die blauen Helme und die UNO-Flagge allein böten genug Schutz. Die UNO-Soldaten verhielten sich zu passiv. Dadurch bestimme allein der Feind, wo und wann er die Blauhelme attackieren wolle. «Unsere Schwäche tötet unsere eigenen Leute», schreibt Cruz.

Bericht mit politischem Zündstoff: Viele der Akteure in Krisengebieten verstünden leider einzig die Sprache der Gewalt, so der brasilianische General weiter. Deshalb müsse auch die UNO vermehrt Gewalt ausüben, kommt er zum Schluss. Anders ausgedrückt: Zuerst töten, um nicht getötet zu werden. Würden die Ratschläge des Cruz-Berichts eins zu eins umgesetzt, würde das für die UNO-Friedensoperationen nichts weniger als eine Revolution bedeuten.

Legende:
Im Friedensdienst getötet: So viele UNO-Blauhelme sind in den letzten Jahren durch Feindeinwirkung ums Leben gekommen.

Werden Blauhelme jetzt aggressiver? Der Chef der UNO-Blauhelme, Jean-Pierre Lacroix begrüsst Cruz' Papier: «Der Bericht ist überaus deutlich und direkt ausgefallen – doch genau das ist nötig.» Man sei grundsätzlich willens, die Empfehlungen umzusetzen. Damit werde nun begonnen.

Es herrscht keineswegs Einigkeit: Gewichtige Stimmen fordern allerdings, die UNO sollte sich bei Blauhelm-Einsätzen wieder stärker zurückhalten. Sie solle nur noch dort tätig werden, wo ein Konflikt bereits beendet sei und es primär darum gehe, den Frieden abzusichern. Andere hingegen fordern genau das Gegenteil: robustere Mandate für UNO-Blauhelme und ein aggressiveres Vorgehen gegen jene, die Friedenssoldaten und Zivilisten angreifen.

Was wird UNO-Chef Guterres tun? Noch lässt sich der UNO-Generalsekretär nicht in die Karten blicken. Klar scheint einzig: Weiter wie bisher ist angesichts der steigenden Zahl getöteter Blauhelme keine Option.

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6 Kommentare

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  • Kommentar von Charles Dupond (Egalite)
    Gegen organisierten aktiven Widerstand helfen nur weit ueberlegene militaerische Mittel wirklich. Es duerften dafuer weder zu schwache militaerische oder gar nur polizeiliche Kraefte (ausgenommen militaerisch ausgebildete und ausgeruestete Bereitschaftspolizeibat) aufs Spiel gesetzt werden. Prioritaet hat dabei die Eigensicherung vor der Paemperung von Terroristen, Hochverraetern und Landfriedensbrechern. Und das nicht nur, aber ganz besonders, wenn Wehrpflichtige dafuer eingesetzt werden....
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  • Kommentar von Ida Fischer (Ida Fiischer)
    Jeder Lesekundige kann auf der Original-Website der Europäischen Kommission über http://europa.eu/rapid/press-release_IP-16-2434_de.htm nachlesen was der EU-Kommissar für Migration Inneres und Bürgerschaft Dimitris Avramopoulos sagte und ebenso keineswegs von vermeintlich zeitlich begrenzter Schutzgewährung sondern unverhohlen von somit dauerhaften Neuansiedlungszusagen sprich. Das sind die Folgen dieser Kriege im Namen der Demokratie.
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  • Kommentar von Ida Fischer (Ida Fiischer)
    Die UNO ist es auch die pro Jahr eine Million Afrikaner nach Europa umsiedeln möchte. Sie nennen das Ersatz Migration als Lösung für die abnehmende und alternde Bevölkerung https://www.unric.org/de/pressemitteilungen/4637 Die Zahl der Flüchtlinge in der Welt war noch nie so hoch. Europa ist zum Weltsozialamt geworden an dem Europa zerbrechen wird.
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    1. Antwort von antigone kunz (antigonekunz)
      Es sollte aber auch klar sein, dass was Europa erntet sind die Folgen vergangenem Kolonialismus, wo sich Frankreich, Belgien, Italien und Deutschland besonders hervorgetan haben Und auch die neuen Früchte eines beispiellosen korporativen Neokolonialismus. Warum werden Gesamteuropäisch, die wahren Verursacher nie zur Verantwortung gezogen, die Konzerne? Warum kommen die ungeschoren davon? Im Gegenteil jede Nation buhlt mit Steuergeschenken noch um sie.
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