UNO: Situation in Ostukraine «extrem alarmierend»

Über tausend Tote, noch mehr Verletzte in drei Monaten: Die Bevölkerung der Ostukraine leidet laut UNO unter den pro-russischen Separatisten. Noch ungeklärt ist der Absturz des Passagierflugzeugs MH17. Russland wünscht sich, dass die UNO diesen Vorfall untersucht.

Video «Uno wirft Separatisten Schreckensherrschaft vor» abspielen

Uno wirft Separatisten Schreckensherrschaft vor

2:09 min, aus Tagesschau vom 28.7.2014

Die Bevölkerung der Ostukraine leidet nach Angaben der UNO unter einer Schreckensherrschaft pro-russischer Separatisten. Um ihre Macht zu sichern, würden die bewaffneten Gruppen Menschen entführen, einsperren, foltern und exekutieren. Das teilten UNO-Beobachter in ihrem vierten Monatsbericht mit, der in Genf vorgelegt wurde.

Die UNO-Hochkommissarin für Menschenrechte, Navi Pillay, sprach angesichts der eskalierenden Kämpfe um Donezk und Luhansk im Osten des Landes von einer extrem alarmierenden Situation. «Beide Seiten müssen verhindern, dass noch mehr Zivilisten getötet werden», forderte Pillay. Das Vorgehen sowohl der Separatisten, als auch der ukrainischen Armee müsse unter Umständen als Verletzung des humanitären Völkerrechts eingestuft und verfolgt werden.

Russland: UNO soll MH17-Absturz untersuchen

Der mutmassliche Abschuss eines malaysischen Passagierflugzeugs über der Ostukraine Mitte Juli könnte nach Pillays Worten als Kriegsverbrechen angesehen werden. Wer die Maschine abgeschossen haben könnte, ist allerdings noch immer unklar. Russland hat sich inzwischen für Ermittlungen unter der Leitung der UNO ausgesprochen.

«  Beide Seiten müssen verhindern, dass noch mehr Zivilisten getötet werden. »

Navi Pillay
UNO-Hochkommissarin für Menschenrechte

Eine solche Untersuchung sollte möglichst schnell beginnen, sagte der russische Aussenminister Sergej Lawrow in Moskau. Russland sehe mit Besorgnis, dass einige Beteiligte versuchten, mit der Ukraine auf bilateralem Weg eine Untersuchung der Tragödie vom 17. April zu vereinbaren. Er warnte davor, dass Spuren verwischt werden könnten.

Russland gibt der Ukraine die Verantwortung für den Flugzeugabsturz. Die Ukraine dagegen wirft den pro-russischen Separatisten die Tragödie vor. Bei dem Absturz der Maschine durch eine Rakete starben fast 300 Menschen.

Nach Angaben der UNO sind im Ukraine-Konflikt seit Mitte April mindestens 1129 seien getötet und 3442 verletzt worden.

Sendungsbeitrag zu diesem Artikel

  • Immer mehr Menschen versuchen aus der Region um Donezk zu flüchten.

    Gewalt und Terror im Osten der Ukraine

    Aus Echo der Zeit vom 28.7.2014

    In den von pro-russischen Separatisten beherrschten Gebieten in der Ukraine sollen gemäss einem UNO-Bericht seit Mitte April mehr als 800 Menschen entführt und mehr als 1100 getötet worden sein. Die ukrainische Armee steht unterdessen mit schwerer Artillerie vor der Millionenstadt Donezk.

    Christian Wehrschütz