Unruhen in Baltimore: Bevölkerung wirft Stadt Unfähigkeit vor

Nach dem Begräbnis eines Schwarzen, der in Polizeigewahrsam starb, ist es in der US-Stadt Baltimore zu schweren Unruhen gekommen. Droht Baltimore ein zweites Ferguson? Nein, sagt SRF-Korrespondent Beat Soltermann. In Baltimore gehe es nicht in erster Linie um die Hautfarbe.

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Blankes Chaos in Baltimore

3:27 min, aus Tagesschau vom 28.4.2015

In der US-Ostküstenstadt Baltimore haben die Behörden eine nächtliche Ausgangssperre verhängt. Dies, nachdem es wegen dem Tod eines Schwarzen in Polizeigewahrsam zu Krawallen gekommen war. Zudem hat der Gouverneur von Maryland angekündigt, die Nationalgarde nach Baltimore zu schicken. Bis zu 5000 Nationalgardisten sollen zum Einsatz kommen.

Es handle sich bei den Unruhen nicht um Proteste. «Das sind Gangs und Diebe, die durch die Strassen ziehen.» Das könne nicht toleriert werden, sagte der Gouverneur Larry Hogan. «Inzwischen ist die Lage ruhig», sagt SRF-Korrespondent Beat Soltermann. Er befindet sich derzeit in Baltimore.

Plünderungen nach friedlichen Protesten

In der Nacht zum Dienstag waren die zunächst friedlichen Proteste in offene Gewalt umgeschlagen. Gebäude gingen in Flammen auf, Geschäfte wurden geplündert, Polizisten mit Steinen angegriffen. Mindestens 15 Beamte wurden verletzt. Die Polizei sprach von den schwersten Unruhen in der Metropole seit Jahrzehnten. Augenzeugen meinten, Teile der Stadt seien in eine «Kriegszone» verwandelt worden.

Reporter berichteten von vermummten Jugendlichen auf den Strassen; Rauch ziehe durch Strassenzüge, Hubschrauber kreisten am nächtlichen Himmel. Tausende Polizisten waren im Einsatz, es gab mehr als zwei Dutzend Festnahmen.

Bürgermeisterin Stephanie Rawlings-Blake verurteilte die Plünderungen und erklärte dem Sender CNN, diese hätten nichts mit den Demonstrationen zu tun. Polizeichef Anthony Batts, wie Rawlings-Blake selbst schwarz, sprach von kriminellen Handlungen.

Unruhen in Baltimore

Polizisten suspendiert

Die Krawalle folgten dem Begräbnis des 25-jährigen Afroamerikaner Freddie Gray. Dieser war am 12. April festgenommen worden; wenig später erlitt er in Polizeigewahrsam eine Rückenmarkverletzung.

Die genauen Umstände seines Todes sind noch unklar. Auf Videos ist aber zu sehen, wie Polizisten Gray zu Boden drücken, bevor sie den vor Schmerz schreienden jungen Mann zu einem Polizeibus schleifen. Kurz darauf fiel er im Spital ins Koma. Die beteiligten sechs Polizisten wurden zunächst vom Dienst suspendiert. Das Justizministerium leitete Ermittlungen ein.

Ferguson sollte nie wieder passieren

Die Polizisten, die Gray verhafteten, sollen alle weiss sein. Das wisse man von Videoaufnahmen, sagt Soltermann. Allerdings sei dies offiziell noch nicht bestätigt. Aber man könne sagen, dass es sich um einen neuen Fall von Polizeigewalt gegen eine Minderheit handle. «Obwohl in den letzten Monaten die Regierung viel unternommen hat, auch in den Polizeicorps überall im Land, damit Ferguson nie wieder passiert», sagt Soltermann.

«  War in Ferguson die Hautfarbe das grosse Thema, ist es in Baltimore eher die Unfähigkeit der Stadtführung. »

Beat Soltermann
SRF-USA-Korrespondent

Allerdings sei die Situation anders als in Ferguson. «Die Polizei in Baltimore ist nicht zu 99 Prozent weiss und die Bevölkerung zu 99 Prozent schwarz.» Auch der Polizeichef und die Bürgermeisterin von Baltimore sind selber Afroamerikaner. «War in Ferguson die Hautfarbe das grosse Thema, ist es in Baltimore eher die Unfähigkeit der Stadtführung.»