US-Bürger stürmen Waffengeschäfte

Furcht vor strikterer Regulierung und ein aufgrund von Terrorattacken erhöhtes Bedürfnis nach Selbstverteidigung haben in den USA einen regelrechten Sturm auf Pistolen und Gewehre ausgelöst. Das zeigen jüngste Daten des FBI und die Quartalszahlen einer Waffenschmiede.

Eine Pistole liegt in einer Hand

Bildlegende: Waffen des US-Herstellers Smith & Wesson waren im vergangenen Quartal besonders beliebt. Keystone

Neben Terrorangst und dem Bedürfnis nach Selbstschutz hat auch der US-Wahlkampf den Waffenverkaufs-Boom zusätzlich befeuert.

Bilanzielle Volltreffer bei Smith & Wesson

Der anhaltende Andrang der Amerikaner auf die Waffenläden lässt beim US-Branchenführer Smith & Wesson die Kassen klingeln. Der Überschuss schoss im Geschäftsquartal bis Ende Juli verglichen mit dem Vorjahr von 14,4 auf 32,6 Mio. Dollar nach oben, teilte das Unternehmen mit. Den Umsatz steigerte der Hersteller von Handfeuerwaffen wie Pistolen und Gewehren um 40 Prozent auf 207 Millionen Dollar.

«Wir sind sehr zufrieden mit unseren Quartalsergebnissen, die unsere eigenen Prognosen übertroffen haben», verkündete Vorstandschef James Debney und schraubte die Geschäftsziele für das Gesamtjahr gleich nochmals nach oben. Die Zahlen lagen auch deutlich über den Erwartungen der Analysten von der Wall Street.

Rekordnachfrage in Reichweite

Die US-Waffenschmieden profitieren seit Monaten von einem regelrechten Sturm auf Pistolen und Gewehre. Das FBI meldete für Juli einen 28-prozentigen Anstieg der «NICS Background Checks» genannten Überprüfungen, die vor Waffenkäufen gemacht werden.


Waffenkäufe im Darknet ohne Kontrolle

4:13 min, aus SRF 4 News aktuell vom 25.07.2016

Insgesamt gab es 2016 bereits mehr als 16 Millionen dieser Anträge, die als zuverlässiger Indikator für Waffenverkäufe an Privatpersonen gelten. Die Branche ist damit auf Kurs, den Rekordwert von 23,1 Millionen aus dem Vorjahr zu übertreffen.

Terrorattacken und Amokläufe

Als Hauptgründe für die boomende Nachfrage gilt das nach Terrorattacken und Amokläufen gestiegene Bedürfnis der Amerikaner nach Selbstverteidigung und die Furcht vor verschärfter Regulierung.

Nach Einschätzung von Experte Robert Spitzer, Politik-Professor der State University New York in Cortland, spielt der US-Wahlkampf hier eine wichtige Rolle. «Der Trend wird angetrieben von der Angst, dass es neue, striktere Waffengesetze geben könnte.» Angestachelt von Donald Trump, dem Präsidentschaftskandidaten der Republikaner, fürchten Waffenfans härteres Durchgreifen, sollte seine Gegnerin Hillary Clinton von den Demokraten an die Macht kommen.

Börse feiert Waffenschmieden

Der Finanzchef des US-Waffenherstellers Sturm, Ruger & Co., der ebenfalls stark vom Waffenboom profitiert, hatte die Situation jüngst als historisch einzigartig bezeichnet. Mit Clinton gebe es erstmals eine aussichtsreiche Kandidatin, die das Recht anzweifle, zur Selbstverteidigung eine Waffe im Haus zu haben.

An der Börse wird der Waffenproduzent Smith & Wesson schon länger gefeiert. Seit Jahresbeginn hat die Aktie um etwa 35 Prozent zugelegt. Am Donnerstag schloss der Kurs mit fünf Prozent im Plus.