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International US-Flugzeuge werfen Waffen für Kurden in Nordsyrien ab

Die amerikanische Luftwaffe hat über Kobane Waffen für die kurdischen Verteidiger von Kobane abgeworfen. Daran hat die Türkei wenig Freude. Doch immerhin ermöglicht Ankara irakischen Kurden nun, ihre Brüder in Kobane militärisch gegen die IS-Terroristen zu unterstützen.

Legende: Video Türkei hadert mit Unterstützung der Kurden abspielen. Laufzeit 1:06 Minuten.
Aus Tagesschau am Vorabend vom 20.10.2014.

US-Flugzeuge haben erstmals Waffen für die kurdischen Kämpfer gegen die Terrormiliz IS in Nordsyrien abgeworfen. Transportmaschinen versorgten die Kurden Sonntagnacht in Kobane mit mehreren Ladungen an Waffen, Munition und medizinischen Gütern. Der genaue Umfang der Lieferungen sei unklar.

Was man jedoch wisse, sei, dass es sich um Waffen aus dem Nordirak handle. Sie stammten von der Regierung des Kurdenpräsidenten Massud Barsani in Erbil, erklärt SRF-Mitarbeiterin Iren Meier in Istanbul. «Da sie nicht über die Türkei nach Kobane geliefert werden konnten, wurden sie nun offenbar von den Amerikanern abgeworfen.»

Die Aktion solle eine bessere Verteidigung der Stadt Kobane gegen die Angriffe des IS ermöglichen. «Die IS-Terroristen haben sehr schweres und modernes Kriegsgerät erbeutet und setzen das auch ein», weiss Meier. Die Kurden seien ihnen unterlegen.

Zugleich setzen die USA ihre Luftangriffe gegen die Stellungen der Dschihadisten fort. Es gebe Hinweise darauf, dass die Luftschläge, zusammen mit dem Widerstand am Boden, den Vormarsch des IS auf Kobane verlangsamt habe, so das US-Zentralkommando. Hunderte Kämpfer seien getötet und zahlreiche Ausrüstungsteile und Kampfstellungen zerstört oder beschädigt worden.

Türkei gegen Waffen für Kurden

US-Präsident Barack Obama besprach in der Nacht zum Sonntag mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan am Telefon die Lage in Syrien. Beide haben einander zugesichert, im Kampf gegen den IS eng zusammenzuarbeiten.

Dessen ungeachtet erklärte Erdogan, niemand könne von der Türkei erwarten, Waffenlieferungen an die syrisch-kurdische Partei PYD zuzustimmen. Die PYD sei ebenso eine «Terrororganisation» wie die verbotene Kurdische Arbeiterpartei PKK, sagte er.

Die Miliz der PYD, die kurdischen Volksschutzeinheiten YPG, verteidigen die nordsyrische Grenzstadt seit knapp fünf Wochen gegen radikal-sunnitische Kämpfer des IS. Am Sonntag gelang es ihnen nach Angaben der syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte, in vom IS besetzte östliche Stadtteile vorzudringen.

Kurden pochen auf mehr Hilfe

Die syrischen Kurden haben inzwischen bestätigt, dass sie über das US-Militär mit Waffen versorgt worden seien. «Ohne Zweifel wird die Ankunft der Waffen den Verlauf des Kampfes verändern», sagte Rami Abdel Rahman, der Leiter der syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte in London.

Die Diskussion um weitere Waffenlieferungen ist damit jedoch noch nicht vom Tisch. «Wir haben uns von Anbeginn als Teil der internationalen Allianz zur Bekämpfung des IS bezeichnet», sagte PYD-Sprechers Newaf Khalil. Die PYD stehe darüber weiterhin im Austausch mit den USA und europäischen Ländern.

Durchlass gewährt

Die Türkei öffnet die Grenze zum Irak für Kurden-Kämpfer, die ins syrische Kobane wollen. Dies erklärte Aussenminister Mevlüt Cavusoglu. In den vergangenen Woche hatte die Türkei kurdische Kämpfer nicht über die Grenze gelassen.

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34 Kommentare

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  • Kommentar von Osman Erdogan, fällanden
    die Sunniten durch Saudi-Arabien/Katar/Türkei , die Schiiten durch den Iran, die Kurden durch den Westen bewaffnet... Nun haben alle das Gefühl, der Friede sei nahe. Der mediale Sand funktioniert
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    1. Antwort von Jana Nava, Basel
      Herr Erdogan mich würde interessieren, ihre Meinung; Was für eine andere Option gibt es wenn nicht mit Waffen gegen die Kopfabschneider IS, schariaverbreiter IS, Auslöschung Yeziden, Kurden, Christen, jegliche Kulturauslöschung von der IS? Massen Exekution an Männer von IS. Wenn es wirklich eine andere Option gegeben hätte, wieso hat man es nicht angewendet. Vielleicht verstehen Sie die Stämme in Syrern und Irak besser als ich. Danke
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  • Kommentar von Hans-Ruedi Moser, Oberglatt
    Endlich konkrete Hilfe für die Kurden in Kobane !!!!!!!!!!!!!!!!!!!! .....................................und gibt es zu, nur die USA war wieder fähig dazu, schade.
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    1. Antwort von Eddy Dreier, Burgdorf
      Wenn nur die USA dazu fähig war, wissen wir ja jetzt, wer die syrischen "Freiheitskämpfer" mit Waffen versorgt hat. Meisterleistung. PS: Mit der PKK wird gleich dasselbe nochmals gemacht wie bei der ISIS. Die USA wollen der Region nicht helfen, sondern die Region gänzlich destabilisieren. Noch nicht bemerkt?
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    2. Antwort von Harald Girschweiler, 9500 Wil SG
      @E. Dreier: Fakt ist, dass die Kurden heute die Möglichkeit haben vorab im Irak u. höchstwahrscheinlich dann auch in Syrien einen weitgehend selbstständigen Staat zu etablieren. Die nötigen Einnahmen aus Erdöl u. Gas werden sie generieren. Ob dann die USA die Türkei überhaupt noch in diesem Ausmass als Allierten in dieser Region benötigen wird sich weisen.
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    3. Antwort von Eddy Dreier, Burgdorf
      Ich sehe mich nicht berechtigt zu einem Kurdenstaat Ja oder Nein zu sagen. Das geht mich wenig an und eine solche Staatsgründung gesellt sich zu Palästina, Israel und Islamischer Staat. Es scheint aber auf jeden Fall andere Kreise zu geben, die glauben, entscheiden zu können wer ein Staat sein darf und wer nicht. Ich wollte eigentlich nur sagen, das noch mehr Waffen in ein Kriegsgebiet den Krieg nicht beruhigt. Es ist eher das bekannte Öl ins Feuer gegossen. Das war meine Meinung...
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    4. Antwort von S. Meier, Adliswil
      Dummerweise sind von den abgeworfenen Waffen, einige direkt in die Hände des IS gelangt....
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  • Kommentar von Hans Berger, Bern
    Bemerkenswert wie die Kurden zeigen dass auch Moslems normal mit Frauen umgehen können. Gemeinsam und Gleichberechtigt toll!! Dies hingegen passt Matchos wie Erdogan gar nicht. Er stellt seine Frau lieber wie ein Kartoffelsack neben sich!
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    1. Antwort von Georg Benad, 8966 Oberwil-Lieli
      Herr Berger Sie haben den Nagel auf den Kopf getroffen.Erdogan und die radikalen Mosleme hätten schon aus diesem Grunde lieber ein Sieg der IS gefeiert.Für Sie muss es ein Horror sein eine Frau auf die gleiche Stufe zu stellen wie einen Mann !!
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    2. Antwort von Osman Erdogan, fällanden
      Nichts gegen Kurden, aber gehen Sie doch erstmal nachschlagen, wie die Kultur und Tradition der Kurden wirklich ist.. Danke!
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    3. Antwort von Harald Girschweiler, 9500 Wil SG
      @O. Erdogan: Die kurd. Kultur ist sehr vielschichtig und auch lieberaler als alle islam. fundamentale Bewegungen u. Strömungen in diversen Nachbarstaaten der Türkei und auch selbst dort. Ja die Kultur und Traditionen in Kurdistan beeindrucken und zeigt, dass mit dem lieberaleren Gedankengut eine Chance für ein friedl. Zusammenleben zwischen Sunniten, Schiiten, Alawiten, Jesidis, Chaldäischen Chritsten, etc. möglich ist.
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    4. Antwort von Björn Christen, Bern
      @Berger - sie zeichnen hier ein zu idyllisches Bild. Die kurdische Gesellschaft ist sehr patriarchalisch und konservativ (die meisten Ehrenmorde unter Türken, von denen wir bei uns hören, betreffen in Tat und Wahrheit türkische Kurden). Mit ein Hauptgrund, warum bei den Peschmerga und YPG soviele Frauen sind, ist, dass diese Kampfeinheiten der einzige Ort sind, wo Frauen Männern gleichgestellt sind. Es geht ihnen also sowohl um die Freiheit ihres Volkes als auch um ihre eigene Emanzipation.
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    5. Antwort von Harald Girschweiler, 9500 Wil SG
      @B. Christen: Richtig und deshalb sind die Frauen-Bat. der PKK/YPG auch bei den Peshmerga in so hohem Ansehen. Wiederspricht aber diametral den Frauenbild der Islamisten und den konservativen Muslimen um E. Erdogan in der TK. Die Chancen, dass sich die kurd. Bevölkerung zu einem relativ modernen und toleranten Staat entwickelt stehen eben wegen diesem Krieg sehr gut.
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