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International US-Geheimdienste gehen von Abschuss der Maschine aus

Die Boeing der Malaysia Airlines mit 298 Menschen an Bord ist wahrscheinlich abgeschossen worden. Das zeichnet sich immer deutlicher ab. Nur, wer steckt dahinter? Separatisten oder die ukrainische Armee?

Es war «kein Unfall»: Das hat US-Vizepräsident Joe Biden nach dem Absturz einer Maschine der Malaysia Airlines mitten im Kampfgebiet der Ostukraine erklärt. Das Flugzeug sei «vom Himmel geholt worden».

Diese Einschätzung teilen inzwischen immer mehr Quellen. Auch der US-Geheimdienst geht davon aus, dass die Maschine mit 283 Passagieren und 15 Besatzungsmitgliedern an Bord mit Raketen beschossen wurde. Unklar bleibt dagegen, wer das Flugzeug abgeschossen hat – pro-russische Kämpfer oder Truppen der Ukraine.

Legende: Video Route des Fluges MH17 abspielen. Laufzeit 0:24 Minuten.
Aus News-Clip vom 17.07.2014.

Ukraine bezichtigt Rebellen

Der ukrainische Geheimdienst veröffentlichte zwei Telefonmitschnitte, die angeblich beweisen sollen, dass es sich um eine Tat der pro-russischen Rebellen handle. Ein Rebellen-Kommandant soll dabei seinem Vorgesetzten beim russischen Militärgeheimdienst berichten, man habe soeben ein Flugzeug abgeschossen.

Auch der ukrainische Präsident Poroschenko warf den Separatisten vor, die Boeing abgeschossen zu haben – wie zuletzt mehrere ukrainische Militärflugzeuge. Die ukrainische Luftwaffe habe mit der Tragödie nichts zu tun, betonte er.

Der Geheimdienst hat nach eigenen Angaben Telefongespräche abgehört, in denen pro-russische Aufständische den Abschuss eingestehen sollen. Wenige Minuten nach dem Absturz der Boeing hätten die Separatisten dem russischen Militär übermittelt, dass Kosaken-Milizen das Flugzeug getroffen hätten.

Möglicherweise seien die Aufständischen davon ausgegangen, auf ein ukrainisches Militärflugzeug vom Typ Antonow An-26 zu schiessen.

Legende: Video Tragödie über der Ukraine abspielen. Laufzeit 0:49 Minuten.
Aus 10vor10 vom 17.07.2014.

Rebellen und Russland geben Ukraine die Schuld

Die Separatisten beriefen sich ihrerseits auf angebliche Augenzeugenberichte, wonach ein Kampfjet der ukrainischen Luftwaffe die Boeing 777 angegriffen habe. Später meldeten sie, sie hätten den Flugschreiber der Boeing gefunden.

Die Separatisten haben allerdings mehrfach zugegeben, ukrainische Kampfjets, Transportmaschinen und mehrere Helikopter abgeschossen zu haben. Nach unbestätigten Berichten haben die Separatisten behauptet, ein Buk-Flugabwehrsystem im Verlauf der Kämpfe erbeutet zu haben.

Dass die Aufständischen das hoch entwickelte System inklusive Radar nach kurzer Zeit schon bedienen könnten, halten Experten jedoch für fraglich. «Das ist kein System, was man so ohne weiteres gleich benutzen kann», sagte Douglas Barrie vom Internationalen Institut für Strategische Studien in London der Zeitung «Wall Street Journal».

Russlands Präsident Wladimir Putin gab der Ukraine die Verantwortung. Die schreckliche Tragödie wäre nicht passiert, wenn es in der Ostukraine keinen Krieg gebe, sagte er.

Internationale Untersuchung gefordert

US-Präsident Barack Obama telefonierte mit mehreren Staats- und Regierungschefs und forderte eine unabhängige internationale Untersuchung des Absturzes.

Auch der UNO-Sicherheitsrat hat für heute 16 Uhr MESZ eine eilige Sondersitzung einberufen. Dabei soll eine von Grossbritannien eingebrachte Erklärung verabschiedet werden, in der das höchste UNO-Gremium eine «vollständige, sorgfältige und unabhängige internationale Untersuchung» des Absturzes fordert.

Die Europäische Union und die Nato verlangten von den Konfliktparteien in der Ostukraine, dass diese internationalen Ermittlern Zugang zur Absturzstelle geben müssten.

Trümmerteile
Legende: Tausende Trümmerteile an der Absturzstelle. Reuters

Rettungskräfte vor Ort

Rettungskräfte erreichten am Abend das Wrack des Flugzeugs in der Nähe der Ortschaft Grabowo. Dort bot sich ein Bild des Grauens aus weit verstreuten Leichen- und Trümmerteilen. «Die Arbeiten werden davon erschwert, dass die Trümmer in grossem Umkreis verstreut sind», sagte der Sprecher des Notfalldienstes. Zudem seien bewaffnete Separatisten in der Nähe. Sie boten am Donnerstagabend eine befristete Feuerpause während der Bergungsarbeiten an.

Die Rettungskräfte haben inzwischen Dutzende Leichen gefunden. Bisher seien 121 Tote geborgen worden, teilte der ukrainische Zivilschutz am Morgen mit. Auch Experten der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) machten sich auf den Weg zum Wrack.

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24 Kommentare

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  • Kommentar von Susanne Lüscher, Gossau
    Also wenn die US-Geheimdienste von etwas ausgehen, kann man getrost davon ausgehen, dass es nicht die Wahrheit ist - sonst hat man aus der Vergangenheit nichts gelernt. RT-News geht vor einer Verwechslung mit der Maschine von Putin aus. Schall und Rauch meint allerdings, wenn die Maschine von einer Rakete getroffen worden wäre, dann wären die Trümmer viel kleiner und vor allem in einem sehr weiten Umkreis verteilt.
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  • Kommentar von Hans Berger, Bern
    Ich habe es hier schon einige male geschrieben, Putin ist ein sehr gefährlicher Mensch. Mit seinen Mördern und Verbrechern in der Ukraine zeigt er für was er fähig ist. Das Problem ist dass er keine Alternative hat als einen Ausländischen Feind zu kreieren, da ausser seinen Korrupten Freunden alles am Boden ist !!!! Ich frage mich auch wie gewisse Schreiber hier Blind sind oder gar von Putins Leuten bezahlt werden?
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  • Kommentar von G. Niedermann, Zürich
    Gleichzeitig war Putin auf dem Rückflug aus Rio nach Moskau mit seinem Regierungsjet unterwegs. Könnte sehr gut auch die Ukrainische Armee unter Anleitung der USA gewesen sein, so was gab's ja schon einmal. Hoffe nicht, dass die Malaysian Maschine einer Verwechslung erliegen musste.
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    1. Antwort von Hans Koller, Basel
      Man hätte die Zeit stoppen sollen wie lange es geht bis wieder irgendwelche lächerlichen Verschwörungstheorien auftauchen. Sie können wieder aus den Löchern kriechen wie immer wenn ein Unglück passiert. Wie die Maden zum Speck.
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    2. Antwort von Susanne Lüscher, Gossau
      Schätzungsweise war es eine Verwechslung! Was sollten die Separatisten für ein Motiv gehabt haben.
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    3. Antwort von Hans Berger, B
      Susanne Lüscher: Haben sie es noch nicht gemerkt? Das sind Mörder und Verbrecher bezahlt von Herrn Putin!!!! Schauen sie sich nur mal Bilder von diesen Söldnern an.
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    4. Antwort von E. Waeden, Kt. Zürich
      Meine gehört zu haben, dass die Separatisten gar nicht über diese Möglichkeit verfügen, um ein Flugzeug in dieser Höhe ab zuschiessen. Aber in Kiew hatte man ganz rasch einen Verdächtigen zur Hand! Verdächtig rasch, wie ich persönlich meine. Denn komisch ist schon, dass wenn immer Putin anderweitig "abgelenkt" ist, sich bedenkliche Vorkommnisse in der Ukraine häufen. Das war schon bei Olympia so.
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