US-Geschworene entscheiden über weiteren Fall von Polizeigewalt

In New York urteilt eine Grand Jury über einen Polizisten, der einen unbewaffneten Schwarzen in einem Treppenhaus in Brooklyn erschossen hat. In zahlreichen Städten halten derweil die Proteste gegen ungesühnte Polizeigewalt an.

Ein dunkles Treppenhaus

Bildlegende: Ein Licht beleuchtet nun das Treppenhaus, in dem Akai Gurley erschossen wurde. Keystone

Die Staatsanwaltschaft im New Yorker Stadtteil Brooklyn kündigte an, eine Geschworenen-Jury für einen weiteren Fall von ungesühnter Polizeigewalt gegen Schwarze einzuberufen. Im November hatte ein Polizist asiatischer Abstammung in einem dunklen Treppenhaus einen 28-jährigen Afro-Amerikaner erschossen.

«Nicht verdächtig verhalten»

Gurley stieg mit seiner Freundin in einem dunklen Treppenhaus hinab, weil der Aufzug nicht fuhr. Der junge asiatischstämmige Polizist Peter Liang zog seine Waffe und tötete Gurley mit einer Kugel, ohne dass sich der Vater einer kleinen Tochter in irgendeiner Form verdächtig verhalten hätte.

Der zuständige Richter in New York versprach eine «vollständige und faire Untersuchung» der tödlichen Schüsse auf den 28-jährigen. «Es ist wichtig, auf den Grund dessen zu gehen, was geschehen ist», sagte er.

«Neue Bürgerrechtsbewegung»

Derweil halten die Proteste die dritte Nacht in Folge an. In New York, Washington, Baltimore, Miami, Chicago und Boston gingen Menschen aus Protest gegen ungesühnte Polizeigewalt auf die Strassen.


Polizei wehrt sich gegen Reformen in USA

5:27 min, aus Echo der Zeit vom 06.12.2014

In Miami legten Demonstranten eine wichtige Verkehrsader lahm. Im Raum Boston konzentrierte sich der Protest auf die renommierte Harvard-Universität, in Chicago waren Demonstranten trotz eisiger Temperaturen stundenlang in der Innenstadt. Im Fernsehsender CNN sprachen einige von ihnen von einer neuen «Bürgerrechtsbewegung» zugunsten von Afroamerikanern.

In Manhatten versuchten Demonstranten erneut, Strassen und Brücken zu blockieren, sowie das Weihnachtsgeschäft zu stören. Einige drangen in Läden ein und inszenierten – auf dem Boden ausgestreckt – sogenannte «Die-Ins». Die Polizei griff nicht ein.

Menschen liegen in einem Kaufhaus auf den Boden

Bildlegende: In verschiedenen Geschäften legten sich die Demonstranten zur Erinnerung an die Toten auf den Boden. Reuters

Forderung nach Entlassungen

Auch Flyer mit Forderungen wurden verteilt: Alle Polizisten, die in den Fall Eric Garner verwickelt sind, sollten entlassen werden.

Der an Asthma erkrankte Schwarze war mutmasslich in Folge des Würgegriffs eines Polizisten gestorben. Der Polizist muss sich aber dafür vorerst nicht vor Gericht verantworten. Diese Entscheidung einer Grand Jury hatte die Proteste in New York ausgelöst.

In diesem Jahr gab es in den USA schon mehrfach Proteste gegen Polizeigewalt. In der Kleinstadt Ferguson im Staat Missouri kam es dabei zu schweren Ausschreitungen. Auslöser war auch dort eine Entscheidung einer Geschworenen-Jury, einen weissen Polizisten nicht anzuklagen. Er hatte einen unbewaffneten Schwarzen erschossen.

Tod am Walk of Fame

Am berühmten Walk of Fame in Hollywood hat die Polizei einen Mann erschossen, weil er Passanten mit einem kleinen Klapptaschenmesser bedroht haben soll. Er starb im Krankenhaus. Im Polizeibericht heisst es, mit dem Messer habe der Mann eine Gefahr für die Öffentlichkeit dargestellt. Verwundet wurde niemand.