US-Luftwaffe unterstützt Kurden-Kämpfer

Die Auseinandersetzungen in Syrien haben die nächste Eskalationsstufe erreicht. Erstmals flog die US-Luftwaffe Einsätze gegen die syrische Armee. Diese hatte zuvor kurdische Rebellengruppen attackiert.

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Bildlegende: Der Einsatz der US-Luftwaffe diente auch dazu, die eigenen Soldaten und Berater in Sicherheit zu bringen. twitter / @daniel_mathew12

Angesichts einer neuen Offensive der Regierungstruppen im Nordosten Syriens haben die USA dort mit Kampfflugzeugen interveniert. Mit dem Einsatz habe die US-Luftwaffe klar gemacht, dass sie «Truppen am Boden im Bedrohungsfall schützen» werde. Das sagte Pentagonsprecher Jeff Davis. Es war der erste bekannte Einsatz von US-Kampfflugzeugen in Reaktion auf eine syrische Armeeoffensive.

Aktionen gegen die kurdischen Einheiten

Am Freitag flogen syrische Kampfjets neue Luftangriffe in Hassaka. Bereits am Vortag hatte die syrische Luftwaffe Angriffe auf kurdische Stellungen in der Stadt geflogen. Seit Mittwoch gibt es hier Kämpfe zwischen Regierungstruppen und kurdischen Kräften.

Die syrische Luftwaffe hielt sich bislang mit Angriffen auf die Kurden zurück. Davis sagte, die Luftangriffe seien «sehr ungewöhnlich, wir haben niemals erlebt, dass das Regime zuvor solche Aktionen gegen die kurdischen Einheiten startete».

US-Soldaten in Sicherheit gebracht

Die US-Regierung wandte sich laut dem Pentagonsprecher an Russland als Verbündeten der syrischen Regierung, um ein Ende der Luftangriffe auf die Kurden zu erreichen. Doch Moskau habe darauf verwiesen, dass die Angriffe von syrischen Flugzeugen ausgingen. Die kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG) sind ein wichtiger Verbündeter der USA im Kampf gegen die Dschihadisten.

Die USA unterstützen die YPG-Milizen auch am Boden mit Sondereinsatzkräften, die als Berater tätig sind. Wie Davis erklärte, wurden die US-Soldaten nach den syrischen Luftangriffen in Hassaka in Sicherheit gebracht. Demnach diente die Intervention der US-Kampfjets auch ihrem Schutz.

Russische Marschflugkörper vom Mittelmeer abgeschossen

Hassaka ist seit Jahren zwischen kurdischen Milizen und den Regierungstruppen geteilt. Sie haben in der Terrormiliz Islamischer Staat einen gemeinsamen Feind, doch ist ihr Verhältnis angespannt. Die Kurden forderten kürzlich die Auflösung der regierungstreuen Milizen in Hassaka. Ein Regierungsvertreter sagte, die Luftangriffe seien eine Botschaft an die Kurden, derartige Forderungen künftig zu unterlassen.

Unterdessen gab das russische Verteidigungsministerium erstmals seit vergangenem Dezember einen Einsatz von Marschflugkörpern in Syrien bekannt. Die drei Raketen vom Typ Kalibr seien von zwei Korvetten im Mittelmeer aus auf Ziele westlich von Aleppo abgefeuert worden, erklärte das Ministerium. Sie hätten ein Kommandozentrum und ein «terroristisches Lager» bei Daret Essa getroffen.

Türkei als Vermittler

Die Türkei rückt von ihrer Forderung nach einem Rücktritt Assads ab. In einer Übergangsregierung könne man ihn akzeptieren, sagte der türkische Ministerpräsident Binali Yildirim. In der Zukunft dürfe Assad aber keine Rolle mehr in Syrien spielen. Die Türkei wolle zudem künftig eine aktivere Rolle im Syrien-Konflikt übernehmen.

Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

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    Krieg in Worte zu fassen, ist unmöglich. Es sind deshalb oft Bilder, die eindrücklich vor Augen führen, welches Elend Krieg verursacht. Bilder wie das des kleinen Jungen aus Aleppo, welches heute um die Welt geht. In der umkämpften syrischen Stadt herrscht zurzeit Ausnahmezustand.

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    Seit Wochen ist die nordsyrische Stadt Aleppo abgeschnitten - Hilfskonvois können die besetzten Gebiete nicht mehr erreichen. Doch nun ist Russland offenbar zu einer Feuerpause bereit: Jede Woche sollen während 48 Stunden die Waffen schweigen.