US-Militärberater treffen im Irak ein

Washington schickt nun die ersten Militärberater in den Irak. Sie sollen irakische und kurdische Truppen für den Kampf gegen die Terrormiliz «Islamischer Staat» ausbilden.

Erstmals sind US-Militärberater in die westirakische Provinz Anbar entsandt worden, um die Armee im Kampf gegen die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) zu unterstützen. Eine Vorhut von rund 50 Soldaten ist auf dem Luftwaffenstützpunkt Al-Assad eingetroffen.

Soldaten vor einem Geländewagen.

Bildlegende: Die US-Soldaten werden im Irak nicht kämpfen. Keystone/Archiv

Das teilte das Verteidigungsministerium in Washington mit. Die US-Vorhut in Al-Assad prüft, ob die Einrichtung für eine künftige Mission zur Beratung und Unterstützung der irakischen Sicherheitskräfte genutzt werden kann.

Die Vorhut ist Teil der neuen Strategie von US-Präsident Obama im Kampf gegen den IS. Am Freitag hatte er eine neue Phase angekündigt. Insgesamt sollen 1500 zusätzliche Soldaten in die Krisenregion geschickt werden. Das primäre Ziel: die Ausbildung der irakischen Streitkräfte. Nahost-Experte Michael Lüders interpretiert dies als mögliche Vorbereitung für eine Bodeninvasion.

Die Provinz Anbar westlich von Bagdad war im Frühling als erste Region in die Hände der Dschihadisten gefallen, bevor diese bei einer Blitzoffensive im Sommer weitere Gebiete im Norden und Westen des Iraks in ihre Gewalt brachten. Die Regierungstruppen und verbündete sunnitische Stammesmilizen haben trotz der Unterstützung durch die US-Luftwaffe in Anbar grosse Schwierigkeiten, Boden zurückzugewinnen.

Die USA wollen die sunnitischen Stämme in Anbar zudem mit Waffen aufrüsten. Erst kürzlich hatte der IS rund 200 Stammeskämpfer in Anbar getötet.

Nach einem Luftangriff auf einen IS-Konvoi bei Mossul am Samstag war weiter unklar, ob dabei der IS-Führer Abu Bakr al-Bagdadi getötet wurde. Ein Pentagon-Sprecher sagte, es gebe «zahlreiche widersprüchliche Informationen» zum Schicksal des selbsternannten Kalifen.

Teil von Kobane zurückerobert

In Syrien gelang es derweil den kurdischen Verteidigern von Kobane, Teile der Stadt von den Dschihadisten zurückzuerobern. Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte erklärte, die kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG) hätten nach heftigen Gefechten Strassen und Gebäude im Süden Kobanes erobert.

Zudem hätten sie und die irakischen Peschmerga, welche die YPG in der Stadt an der türkischen Grenze unterstützen, IS-Stellungen mit Mörsern beschossen.

Kritik an «Symptombekämpfung»

Der Präsident des oppositionellen Syrischen Nationalrates, Hadi al-Bahra, warf derweil der internationalen Koalition gegen die Dschihadisten vor, den Kampf gegen den syrischen Machthaber Baschar al-Assad zu vernachlässigen und die Augen vor dessen Gewalttaten zu verschliessen.

«Die Koalition kämpft gegen das Symptom des Problems, das der IS ist, ohne die Wurzel anzugehen, die das Regime ist», sagte der syrische Exilführer der britischen Zeitung «The Guardian».

UNO hofft auf Kampfpause

Die UNO äusserte derweil Hoffnung auf eine vorübergehende Kampfpause in der syrischen Stadt Aleppo. Die Regierung in Damaskus prüfe einen entsprechenden Vorschlag der UNO, sagte der UNO-Sondergesandte Staffan de Mistura.

Sendungsbeitrag zu diesem Artikel

  • Obama mit IS-Strategie auf Kurs?

    Aus 10vor10 vom 10.11.2014

    US-Präsident Barack Obama sieht eine neue Phase im Kampf gegen die Terror-Miliz IS im Irak: Die Luftangriffe hätten die Dschihadisten bereits wirksam getroffen. Zudem soll der IS-Anführer al-Baghdadi verwundet sein. «10vor10» analysiert die Lage mit Kriegsreporter Kurt Pelda, welcher sich im syrisch-irakischen Grenzgebiet aufhält.