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Für Donald Trump könnte es eng werden
Aus Rendez-vous vom 01.07.2020.
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US-Präsidentschaftswahl «Trump muss an Fronten kämpfen, die er vor vier Jahren gewann»

Das Coronavirus hat in den USA nicht nur die Menschen, sondern auch die Wirtschaft krank gemacht. Das schadet dem amtierenden Präsidenten Donald Trump. Zurzeit liegt sein Herausforderer Joe Biden in Umfragen mit bis zu 14 Prozentpunkten in Führung. SRF-Korrespondentin Isabelle Jacobi fasst die Lage zusammen.

Isabelle Jacobi

Isabelle Jacobi

USA-Korrespondentin, SRF

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Nach dem Studium in den USA und in Bern arbeitete Jacobi von 1999 bis 2005 bei Radio SRF. Danach war sie in New York als freie Journalistin tätig. 2008 kehrte sie zu SRF zurück, als Produzentin beim Echo der Zeit, und wurde 2012 Redaktionsleiterin. Seit Sommer 2017 ist Jacobi USA-Korrespondentin in Washington.

SRF News: Kann man diesen Umfragen trauen?

Isabelle Jacobi: Nun, das ist umstritten. Das Trump-Lager sagt nein, und weist darauf hin, dass vor vier Jahren der Sieg von Hillary Clinton auch als sicher galt, fälschlicherweise. Aber: Zurzeit ist der Abstand zwischen Biden und Trump viel deutlicher als damals, und Trump liegt national, aber gleichzeitig auch in wichtigen umkämpften Staaten hinten – wie in Michigan, Florida oder Pennsylvania.

Trumps Beliebtheit ist auf rund 40 Prozent gesunken, so tief wie noch nie.

Er muss sogar an Fronten kämpfen, die er vor vier Jahren bequem gewann, wie in Georgia oder Ohio. Dort gibt seine Kampagne im Moment viel Geld für Werbung aus. Das zeigt, wie sehr Präsident Trump in die Defensive geraten ist.

Die USA leiden unter Corona, dazu kommen die Proteste wegen Polizeigewalt gegen Schwarze. Trump hat sich zu beiden Themen kontrovers geäussert. Ist sein Rückstand damit zu erklären?

Ja, wie Präsident Trump mit diesen beiden Krisen umgegangen ist, hat ihm geschadet. Rund 60 Prozent der Befragten kritisieren sein Krisenmanagement. Seine Beliebtheit ist auf rund 40 Prozent gesunken, so tief wie noch nie. Auch seine Drohung, die Armee gegen Protestierende einzusetzen, kam nicht gut an.

Bei welcher Wählerschaft verliert Trump?

Da sind zunächst die Afroamerikaner und die Latinos. Sie sind laut Umfragen Trump noch abgeneigter als zuvor. Hinzu kommen Weisse mit höherer Bildung und die Frauen.

Je weniger Joe Biden auftritt, desto beliebter scheint er zu werden.

Rechnen kann Trump immer noch mit den Weissen ohne Collegeabschluss. Recht gute Noten erhält er auch weiterhin für die Wirtschaftspolitik. Aber solange die USA in einer tiefen Krise stecken, ist es schwierig für ihn eine positive Botschaft zur Wirtschaft zu verbreiten.

Biden tritt kaum öffentlich auf. Ist das wegen Corona?

Er ist gestern gerade aufgetreten und hat Trump heftig wegen der eskalierenden Covid-19-Krise angegriffen. Aber Bidens Auftritte sind rar. Im Gegensatz zum Präsidenten meidet er Massenanlässe in der Corona-Krise. Erstaunlicherweise kommt ihm das zugute. Je weniger er auftritt, desto beliebter scheint er zu werden. Seine Zurückhaltung steht im Kontrast zum lautstarken Präsidenten und ist durchaus Programm.

Wie wollen die Republikaner ihren Kandidaten doch noch zum Sieg führen?

Präsident Trump baut ganz auf seine treue Wählerbasis. Deshalb will er unbedingt wieder an Massenveranstaltungen auftreten, wie in Tulsa, das aber zu einer Katastrophe wurde – mit den leeren Rängen und den Ansteckungen im Trump-Team.

Es dauert noch vier Monate bis zu den Wahlen, und das ist in der US-Politik eine kleine Ewigkeit.

Seine Kampagne setzt auf alte Rezepte: Sie stellt Trump als Kandidaten des Wandels dar, obwohl er seit fast vier Jahren in Washington regiert. Die Demokraten bezeichnen sie hingegen als linksradikal, auch wenn Biden offensichtlich ein gemässigter Kandidat ist. Das alles wirkt widersprüchlich, und verpufft vor der Kulisse einer Pandemie, die in immer mehr Bundesstaaten ausser Kontrolle gerät.

Ist das Rennen schon gelaufen?

Nein, das kann man so nicht sagen. Es geht noch vier Monate bis zu den Wahlen, und das ist in der US-Politik eine kleine Ewigkeit. Es kann noch viel geschehen und Biden kann wieder Boden verlieren, sobald er stärker an die Öffentlichkeit tritt. Viele demokratische Wähler- und Wählerinnen sind nämlich nicht begeistert von Biden.

Das Gespräch führte Daniel Hofer.

Video
Nach Trumps Wahlveranstaltung in Tulsa
Aus Tagesschau vom 21.06.2020.
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65 Kommentare

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  • Kommentar von Fritz Eglin  (Nunja)
    Klar gibt es jüngere Kandidaten, aber alle sind noch nicht wählbar. Das aus einem einfachen Grund sie sind farbig. Das Obama es gepackt hat, war wirklich nur weil beide Parteien keine wählbar Kandidaten hatten. Mit dem Vitze von Obama wurde die weisse unter und Mittelschicht gekauft. In der Zwischenzeit hat sich die weisse schlecht gebildete Wählerschaft noch mehr radikalisiert. Und so ist es beiden Parteien gar nicht mehr möglich gute Präsidenten Kandidaten aufzustellen.
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  • Kommentar von Hansruedi Elsener  (Haru)
    Hoffentlich verliert er den Kampf. Wäre eine Erlösung für viele, vor allem für die USA
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    1. Antwort von Fritz Eglin  (Nunja)
      Es gibt mit beiden Kandidaten eine Erlösung für die USA oder die Welt.
      Es wird noch viel schlimmer für den Westen. Den wer in den USA den Präsidenten gibt, ist mittlerweile Wurst. Die ganze westliche Welt hat China zum Zwecke grosser gewinne ausgenutzt und bekommt jetzt die Quittung. Am Ende sind es die Chinesen die bestimmen wie es in den USA weitergeht und mit welchen Politiker. China kontrolliert den Dollar und die amerikanische Wirtschaft. Oder wo werden die Amazon Produkte hergestellt
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  • Kommentar von Georg Fischer  (SGF)
    @SRFNews:Mich würde mal interessieren wie es dazu kommt dass Fox den Präsidenten nd seine Admin auf Tod und Teufel unterstützt, seine noch so bizzaren und oft auch falschen Aussagen verharmlost und gleichzeitig den Dems die Schuld an allem zuweisen während CNN Trump nd seine Admin wesentlich kritischer nd deutlicher hinterfragt, Lügen des Präs aufdeckt bzw widerlegt. Welche Ziele verfolgt Fox, wem muss Fox gefallen ausser Trump?Können Sie Ihre Korresp. hierzu mal befragen? Danke.
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    1. Antwort von mahmut alane  (holundder)
      Fox News machen Propaganda für Republikaner... Egal wer. Msnbc macht Propaganda für die corporate dems... Egal wer und CNN macht Propaganda für das Establishment... Egal wer. Dieser tribalism ist in den USA normal und gehört zur Politik. Auf der Strecke bleiben die normalen Menschen, welche nach einer Harvard Studie 1% ihrer wünsche erfüllt bekommt, während die reichen und Unternehmen 99% erfüllt bekommen. Die USA ist eine oligarchie.
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    2. Antwort von Georg Fischer  (SGF)
      @Alane:ich schaue CNN regelmässig, insbesondere die Sdg New Day, The Lead und habe nicht den Eindruck dass die dem Establishment dienen sondern aufrütteln und auch den kleinen Leuten Sendungszeit geben,Probleme ansprechen die Trump nicht hören will, z.B.das beispiellose Versagen der Trump Admin bei der Pandemie. Schauen Sie mal auf Fox The Five, an Absurdität sind diese Pausen Clowns von Moderatoren nicht mehr zu überbieten,Hauptsache schrill, schräg,schreiend,grell, gut aussehend.
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